Oliver Schwehm setzt dem deutschen Phänomen des Bahnhofskinos in "Cinema Perverso" ein Denkmal. Die aus längst vergessenen Trash-Filmen gesammelten Ausschnitte allein sind das Einschalten dieser 60-minütigen Dokumentation wert.

"Das Bahnhofskino hatte eigene Filme", sagt eine der Interviewten in der Dokumentation "Cinema Perverso" von 2015, die nun bei ARTE nochmals gezeigt wird. Sie erzählt von einer deutschen Eigenart, dem Bahnhofskino. Um den Wartenden die Zeit zu verkürzen, errichtete die Deutsche Bahn nach dem Krieg Säle mit einem Fassungsvermögen bis zu 500 Zuschauern. Rund um die Uhr spielte man dort Streifen ab, für die eine Bezeichnung wie B-Movie noch eine Übertreibung gewesen wäre. Man zeigte Filme wie "Sein Wechselgeld ist Blei" oder "In der Gewalt der Riesenameisen". Trash-Kultur, die erst Jahrzehnte später durch Regisseure wie Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez wieder cool wurde.

Die Hochzeit der Bahnhofskinos waren die 60-er und 70-er Jahre. Man ging einfach hinein, ob man nun den Anfang, die Mitte und das Ende sah, spielte keine große Rolle. "Filme waren ein Gebrauchsgegenstand", sagt ein anderer Zeitzeuge.

Filme mit hohem Schauwert und niedrigem Budget

Regisseur Oliver Schwehm befragte für seine unterhaltsame Zeitreise voller verrückter und vergessener Filme Bahnhofskino-Fans wie die Regisseure Jörg Buttgereit und Uwe Boll. Ebenso kommen zu Wort: die Schauspieler Ben Becker und Mechthild Großmann, der Musiker Wolfgang Niedecken, Schlagerstar Christian Anders und Box-Legende René Weller. Sie erinnern sich an Filme mit hohem Schauwert und niedrigem Budget: die St.-Pauli-Reihe, der "Bademeister-Report" oder psychedelische Roadmovies à la "Ich – Ein Groupie". Nie wieder roch das Kino so mies und erzeugte so wilde und bunte Blüten auf den Leinwänden wie in den Schmuddeltempeln der Bahnhofskinos.


Quelle: teleschau – der Mediendienst