Um den blutrünstigen Herrscher Herodes ranken sich zahlreiche Mythen. Die Dokumentation "Der Kindermörder von Bethlehem?" geht dem historischen Phänomen nun ganz genau auf den Grund.

Herodes der Große war ein grausamer und unbeliebter Herrscher. Seine furchtbaren Taten gingen in die Geschichte ein, aber gleichermaßen auch sein Genie und seine Baukunst. Viele Erzählungen über ihn wurden überliefert. Die wohl bekannteste ist die des Bethlehemitischen Kindermordes, durch den Jesus getötet werden sollte. Doch die Historiker sind sich uneins: Ist diese Geschichte wahr? Tatsächlich findet sich nur die Bibel als Quelle für das berüchtigte Massaker. Die hochkarätige Dokumentation "Der Kindermörder von Bethlehem?", die als Free-TV-Premiere auf ARTE ausgestrahlt wird, beleuchtet sowohl die Untaten und Machenschaften von Herodes dem Großen, aber auch die Faszination, die von dieser historischen Figur seit jeher ausgeht.

Schon als Herodes (jung: Richard Lund, alt: Tony White) König von Judäa, Galiläa und Samaria wurde, hatte er zu kämpfen. Das Volk akzeptierte ihn wegen seiner nicht-jüdischen Abstammung nicht, obwohl er sogar eine Prinzessin aus einem jüdischen Herrschergeschlecht heiratete. Schnell merkte Herodes, dass Mord und Tatschlag gang und gäbe waren, um sich vor Widersachern und ihrer Rache zu schützen. Seine gesamte Regierungszeit war mit viel Blutvergießen verbunden, denn er vermutete hinter jeder Tat eine Intrige. Und so musste nicht nur das Volk unter seiner Herrschaft leiden, sondern auch seine Familie, insbesondere seine große Liebe Mariamne (Mia Knibb). Besonders brutal war der Befehl, alle Kinder in Bethlehem zu ermorden, um den neuen König zu töten.

Allerdings gingen nicht nur seine Gräueltaten in die Geschichte ein. Während seiner Regierung herrschte ein jahrzehntelanger Frieden, die Römer blieben fern und wirtschaftlich erlebte das Land einen Aufschwung. Seine prachtvollen Bauten beeindruckten nicht nur die Menschen damals, sondern haben bis heute deutliche Spuren hinterlassen. Er gründete die große Hafenstadt Caesarea, die Festungen Herodion und Masada sowie eine der größten und prachtvollsten Tempelanlagen in Jerusalem. Außerdem war er trotz allem für das Volk da: Wenn Hungersnot herrschte, ließ er Getreide importieren und unter den Leidenden verteilen. Ein Herrscher mit Ecken und Kanten, der nur für sein Volk da sein wollte? Oder ein blutrünstiger, gnadenloser König, der nur um sich selbst Angst hatte?

Direkt im Anschluss um 21.05 Uhr widmet sich die Dokumentation "Vertreibung aus dem Heiligen Land" der Zeit nach Herodes Tod. Sowohl politisch als auch religiös wurden Konflikte laut, Rebellionen führten zu offenen Kriegen. Die Zeiten des Friedens unter Herodes waren vorbei. Der jüdische Historiker Flavius Josephus (Will Bergman) dokumentierte die Zerstörung Judäas, Jerusalems und des Tempels, den Herodes gebaut hatte und damit den Beginn des römisch-jüdischen Krieges. Eine neue Ära begann: die Diaspora. Aufstände, Unterdrückung, Zerstörungen und Abschlachtungen dominierten die Zeit rund um Christi Geburt. "Vertreibung aus dem Heiligen Land" ist eine bewegende Zeitaufnahme aus der Sicht von Flavius Josephus, die die Zustände beschreibt, unter denen die Juden sich auf der ganzen Welt verteilten.

Regisseur Alan Rosenthal erzählt in beiden Filmen mit stark kolorierten nachgestellten Szenen, aber auch mit aktuellen Aufnahmen der Originalschauplätze das Leben eines Mannes und der Geschichte danach. Wissenschaftler beschreiben, was Herodes für ein Mensch war und versuchen, auf die vielen Fragen um seine doch recht zwiespältige Person Antworten zu finden. Dabei wirken die Bilder an manchen Stellen wie ein packender Spielfilm. Sie zeigen: Herodes Geschichte ist mehr, als nur der Bethlehemitische Kindermord. Sie ist eine interessante und spannende Reise in die Vergangenheit.


Quelle: teleschau – der Mediendienst