Dieses Mal das geleckte Dortmund: schicke Neubausiedlung, alles tipptopp. Hier lebt die Internistin Dr. Gisela Mohnheim. Bis sie tot in der Notfallambulanz der Ruhr-Emscher-Klinik aufgefunden wird - im Ruheraum. Und das inmitten des ganz normalen Krankenhauswahnsinns voller Hektik und Stress, im täglichen Kliniktrubel zwischen unzähligen Überstunden und überfordertem Personal.

Ein perfekter Fall für Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann), steckt der urplötzlich doch auch wieder tief im Wahnsinn seiner eigenen Vergangenheit. Denn als dessen Handy klingelt und er die Stimme seiner toten Tochter hört ("Hey, Papa, wo bist Du? Wir warten schon so lange auf Dich."), da ist es längst um ihn geschehen. Für seine Kollegen Martina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon) ist Faber deshalb ab sofort mal wieder untragbar. Dessen ständige Alpträume und seine nur zu gut bekannten Launen ziehen im Dortmunder Kommissariat wie gewohnt alle runter. Dabei hatte er sich in den jüngsten Folgen doch gelegentlich von einer anderen Seite gezeigt. Davon ist in "Inferno" leider nichts zu erkennen, nicht ansatzweise.

Für den unter Mordverdacht stehenden Hochstapler Dr. Dr. Norstädter (Alex Brendemühl) ist ohnehin klar: Faber ist am Ende. "Sie können so nicht mehr weitermachen." Als dann auch noch eine zweite Leiche auftaucht, ist der Krankenhauswahnsinn komplett. Pfleger Peter Norén wird erhangen aufgefunden. Dafür hatte er zwei freie Tage genutzt – Überstundenabbau.

Der Tatort nach dem Buch von Markus Busch und unter der Regie von Richard Huber beleuchtet zwei gesellschaftliche Gruppen, die sich jeweils stets am Rande des Erträglichen bewegen: Auf der einen Seite das Bild der permanenten Überforderung im Klinikalltag, auf der anderen der ständige Erfolgsdruck der Kripobeamten. Dennoch: Dieser Tatort ist nur wie gemacht für die Lobbyisten von Klinikärzten und Pflegepersonal. Mehr leider nicht.