Raubkunst und Restitution: Helen Mirren und Ryan Reynolds kämpfen in dem bemerkenswerten Film "Die Frau in Gold" für Gerechtigkeit.

"Die Menschen neigen dazu zu vergessen", klärt Maria Altmann (Helen Mirren) ihren jungen Anwalt auf. Aber die betagte Dame will nicht vergessen, dass sie als junge jüdische Frau nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich aus Wien fliehen musste. 60 Jahre später kehrt sie widerwillig in die Stadt zurück, aus der sie vertrieben wurde. Sie fordert ein Gemälde ein, das einst ihrer Familie gehörte: "Die Frau in Gold" (2015), ein nationales Kunstheiligtum des Jugendstil-Malers Gustav Klimt. In seinem nach "My Week With Marilyn" (2011) zweiten Kinofilm beschäftigt sich der britische Regisseur Simon Curtis mit Nazi-Raubkunst und Restitution. Das Erste zeigt das ausgezeichnete Drama jetzt erstmals im Free-TV. Curtis' dritter Leinwand-Streich, "Goodbye Christopher Robin", soll im November in die deutschen Kinos kommen.

"Nicht mal den Namen haben sie uns gelassen", empört sich Maria Altmann. Klimts Porträt "Adele Bloch-Bauer I" hing jahrelang als "Die Frau in Gold" im Wiener Museum Belvedere. Nach dem Tod ihrer Schwester erfährt die störrische, von der großartigen Helen Mirren mit sprödem Witz gespielte Dame, dass sie die rechtmäßige Erbin des millionenschweren Kunstwerks ist, auf dem ihre geliebte Tante verewigt wurde. Sie bittet den jungen Anwalt Randy Schoenberg (Ryan Reynolds) um juristischen Beistand. Als Enkel des berühmten Komponisten Arnold Schönberg ist auch er tief verwurzelt in der österreichischen Kulturgeschichte, gehört aber zu einer Generation, die die Verbrechen der Nazizeit nur aus den Geschichtsbüchern kennt.

Ein optimistisches Drama

Regisseur Simon Curtis hat "Die Frau in Gold" als optimistisches Drama inszeniert. Sein Film ist Heldengeschichte und Justizthriller, vor allem aber der behutsame Blick in die Seele einer Frau, die ihrer Menschenwürde beraubt wurde und nun die Chance hat, ein wenig Gerechtigkeit zu erfahren. Auch wenn sich die Rechtsnachfolger des Nazi-Regimes ungern mit der Vergangenheit auseinandersetzen.

Die Geschichte von Maria Altmann und Randy Schoenberg basiert auf einer wahren Begebenheit. Österreich hatte Ende der 90er-Jahre die Rückgabe von Nazi-Raubkunst per Gesetz erleichtert - aber nur theoretisch. Denn in der Praxis werden Altmann und Schoenberg die Türen vor der Nase zugeknallt. Trotz aller Hindernisse wagt das ungleiche Duo aus Anwalt und Mandantin das Unmögliche.

In Rückblenden erlebt Maria ihre Kindheit und Jugend noch einmal: Sie trifft ihre Familie wieder, erlebt die bejubelte Machtübernahme der Nazis und die dramatische Flucht aus Wien. Ihre Erinnerungen sind lebendig, der Schmerz wird nie verheilen. Der Film hat eine sehr intime Note: Große historische Ereignisse werden immer von normalen Leuten erlebt. Diese Erkenntnis ist es, die den Film, der nicht ohne Pathos auskommt, so sehenswert macht.


Quelle: teleschau - der mediendienst