Der ARD-Film "Eine Braut kommt selten allein" thematisiert die Debatte um die Integration von Flüchtlingen gekonnt witzig. Rapper Sido punktet zudem als Hauptdarsteller der Multikulti-Comedy.

Einst sorgte er mit Maske und unflätiger Wortwahl für Sorgen in Gymnasiasten-Elternhäusern – heute zeigt sich Rapper Sido als gereifter Künstler, der seine Vergangenheit reflektiert. Und dabei auch Filme dreht: Paul Würdig, so sein bürgerlicher Name, bewies in Gangster-Komödien wie "Blutzbrüdaz" und "Halbe Brüder" durchaus ein Faible für abgefuckte Charaktere. Einen kiffenden Arbeitslosen spielt Sido auch in seiner neuen Hauptrolle im Fernsehfilm "Eine Braut kommt selten allein". Darüber hinaus jedoch funktioniert die Multikulti-Comedy, die das Erste zur Primetime an Nikolaus ausstrahlt, ganz nach französischem Vorbild als moralisches – und witziges – Lehrstück über den Umgang mit Flüchtlingen.

Ja, man kennt es inzwischen: Multikulti-Comedy ist zum Humorselbstläufer geworden; ausgehend von französischen Werken wie "Monsieur Claude und seine Töchter" bis zur deutschen Flüchtlingskomödie "Willkommen bei den Hartmanns" stellen Einwanderung und Integration derzeit die Lieblingsthematiken der Humorschaffenden dar.

Dass auch die ARD keine Ausnahme darstellt, bewies der Sender bereits mit Filmen wie "Krauses Glück". Ähnlich geht es in der neuesten Ethno-Comedy des Ersten zu: Ex-Gangster-Rapper Sido, der sich mit Migranten in Komödien bestens auskennt, wird zum kiffenden Hartz-IV-Empfänger Johnny, dessen Ehe gerade in die Brüche gegangen ist. Prompt verliebt sich der Junggeselle in die Romni Sophia (Michelle Barthel) aus Belgrad, die ebenfalls kurz vor der (Zwangs-)Hochzeit stand.

Überraschend guter Humor

Um Sidos Charakter, den der Rapper mit Talent und angenehmer Beiläufigkeit spielt, entspinnt sich ein Migrations-Stück wie aus dem Lehrbuch: Sophia gibt dem gescheiterten DJ aus Hellersdorf wieder Sinn im Leben. Doch die junge Frau, die Johnny seiner Tochter als Prinzessin vorstellt, hat Heimweh! Klar: Der Arbeitslose lädt auch Sophias Eltern in die Plattenbauwohnung ein. Doch, der Titel verspricht es: Es kommt natürlich die ganze 16-köpfige Roma-Sippe aus Serbien. Fortan geht es vor allem um eines: Wie kann die Großfamilie in Deutschland bleiben?

Die RomCom unter Regie von Buket Alakus ("Einmal Hans mit scharfer Soße") holt aus der etwas ausgelutschten Szenerie, was geht: Kulturverständigung mit Hindernissen, Appelle an die Empathie und einen humanistischen Grundton in Sachen Flüchtlingspolitik. Vor allem aber einen überraschend guten Humor, in dem die BRD und ihre Asylgesetze nicht gut wegkommen: "Serbien? Keine Chance. Nimm Syrien!", helfen die Mitfahrer Sophia in der U-Bahn auf dem Weg zur Ausländerbehörde.

Moralisches Handeln ohne moralischen Zeigefinger

Ihr Fett weg bekommt aber auch die andere Seite des Diskurses: Man sage nicht Flüchtlinge, sondern Geflüchtete, ermahnt ein Sozialarbeiter Johnny, nachdem dieser den Clan bei sich aufgenommen hat. Er antwortet: "Aber Schmetterling kann ich noch sagen? Oder heißt das jetzt Geschmetterter?" Moralisches Handeln ohne moralischen Zeigefinger ist es, was "Eine Braut kommt selten allein" propagiert. Mit Sido, der selbst Sinti-Wurzeln hat, hat man dafür den richtigen Botschafter gefunden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst