Matthias Schweighöfer und Ruth-Maria Kubitschek machen sich in der Komödie "Frau Ella" gemeinsam auf den Weg, um die große Liebe zu finden. Für den Zuschauer gibt's aber vor allem Klischees und Pseudo-Weisheiten.

Der irgendwie immer nette Matthias Schweighöfer ist ein Typ Teenie-Erwachsener, den jeder gern hat. Wenn dieser Sympathieträger auf eine Grande Dame des deutschen Fernsehens, Ruth-Maria Kubitschek ("Monaco Franze"), trifft, sollte Großes geschehen. Beide finden jedoch bis auf ein paar einzelne Szenen kaum zueinander. Hätte Regisseur Markus Goller mit August Diehl nicht einen überzeugenden Dritten im Bunde, wäre sein Road-Movie "Frau Ella" (2013), das SAT.1 jetzt zur besten Sendezeit wiederholt, vollends an die Wand gefahren.

Sascha (Matthias Schweighöfer), ein gescheiterter Mediziner, der sich in Berlin als rasender Taxifahrer verdingt, kommt nach einem Unfall ins Krankenhaus. Dass er dort in einem gemischten Doppelzimmer mit der schnarchenden "Oma" Ella (Ruth-Maria Kubitschek) landet, hat mit einem Wasserrohrbruch auf der Männerstation zu tun. Sei's drum. Trotz des großen Altersunterschieds rettet Sascha die in Würde ergraute Dame vor einer lebensbedrohlichen Operation, indem er sie "entführt".

Langatmiger Roadtrip nach Frankreich

In Saschas WG, die er mit dem schrägen Klaus (August Diehl) bewohnt, hat der Film seine besten Szenen. Die alte Ella blüht in einem angestaubten, aber coolen 1950er-Jahre-Ambiente wunderbar auf. Der stets unterhaltende Klaus serviert herrlich altmodische "Heiße Liebe", und alle drei zusammen erleben eine rauschende Partynacht. Florian Beckerhoffs Romanvorlage führt genau diese unbeschwerte Zeit, wenn Jung und Alt zu einer wohltuend amüsanten Einheit werden, länger aus. Regisseur Goller und Schweighöfer als Produzent dagegen setzen auf einen langatmigen Roadtrip nach Frankreich.

Dort soll Frau Ellas einzige Liebe, der amerikanische G.I. Jason, leben. Sascha schlägt vor, eben diesen zu suchen. Natürlich kommt es bei der Fahrt zu einer Panne, selbstverständlich trübt ein Streit die Stimmung, und freilich folgt die vorübergehende Trennung der Gruppe. Um der Reise überhaupt einen Sinn zu geben, halten Weisheiten wie "Ich weiß, dass zur Liebe Mut gehört" oder "Man bereut nicht die Fehler, die man gemacht hat. Sondern die, die man nicht gemacht hat" das ungleiche Trio zusammen.

Was macht eigentlich der Klaus?

Zum Ende hin blickt Ruth-Maria Kubitschek etwas verloren über den Atlantik. Schweighöfer beobachtet sie dabei. Ein passender Spruch wäre angebracht und würde der traurigen Einsamkeit Würde geben. Doch dieses Zusammenspiel bleibt aus. Schade. Und was macht eigentlich der Klaus? Der notorische Single hat ein Date. Er wird hinfahren – nach Paris. Schließlich ist es ja so, dass zur Liebe Mut gehört. Zu einem guten Film übrigens auch.


Quelle: teleschau – der Mediendienst