"Stromberg"-Autor Ralf Husmann schickt Katrin Bauerfeind in seiner neuen Serie "Frau Jordan stellt gleich" durch den Gleichstellungswahnsinn. Herauskommt: unterhaltsame Comedy mit der nötigen Prise Gesellschaftskritik.

Wo hört Kunst auf und wo fängt Sexismus an? Yvonne (Natalia Belitski), Philipp (Alexander Khuon) und Renate (Mira Partecke), allesamt Angestellte eines Gleichstellungsbüros, sind ratlos. Ist ein Gemälde Botticellis frauenfeindlich, weil darauf eine entblößte Frauenbrust zu sehen ist? Das Werbeplakat eines italienischen Eisdielenbesitzers, eines "Spaghettimannes" (O-Ton Yvonne), hingegen gehe gar nicht, da sind sich die drei einig. Schließlich sei es geschmacklos, leckeres Eis mittels eines offenherzigen Damendekolletés an den Mann zu bringen. Wie gut, dass in der neuen Joyn-Serie "Frau Jordan stellt gleich" (ab 23. September) gleich ihre Chefin Eva Jordan (Katrin Bauerfeind) um die Ecke kommt.

Zeit für Diskussionen hat sie jedoch nicht. Eine Etatsitzung bei Bürgermeister Brinkmann (Ulrich Gebauer) steht an, und Eva ist bestens vorbereitet. "Ich passe meine Körbchengröße seinen Dioptrien an", feixt die Gleichstellungsbeauftragte, während sie sich Einlagen in den BH stopft. Mit weit aufgeknüpfter Bluse will sie dem chauvinistischen Gemeindevorsteher möglichst viel Geld aus den Rippen leiern – und gleichzeitig ihrer verhassten und kratzbürstigen Rivalin Sommerfeld (Adina Vetter) eins auswischen.

Drehbuchautor und Showrunner Ralf Husmann verabschiedet sich in "Frau Jordan stellt gleich" von dem Mockumentary-Prinzip, das "Stromberg" zu einer der großartigsten deutschen Serien machte. Auch in anderen Punkten unterscheidet sich die Gleichstellungs-Comedy eindeutig von Husmanns Meisterstück. Während die Charaktere in "Stromberg" ein wahres Sprüchefeuerwerk mit knackigen Einzeilern und Witzen unter der Gürtellinie zündeten, setzt "Frau Jordan stellt gleich" auf doppelbödige Bemerkungen.

Katrin Bauerfeind überzeugt in erster Serienhauptrolle

Wenn Bürgermeister Brinkmann Philipp als "First Lady aus dem Frauenreferat" begrüßt, ist das nicht nur witzig, sondern begegnet der Gleichstellungsdebatte mit einem Augenzwinkern. Überhaupt vertritt der Bürgermeister als Büromacho die veralteten Wertevorstellungen, die auch im wahren Leben die Gleichstellungsdebatte zu bremsen scheinen. Für ihn ist der "Gleichstellungsquatsch eine Mode, die vorbeigeht", was nicht die einzige gesellschaftskritische Spitze der gelungenen Serie bleibt.

In der Charakterzeichnung gefällt vor allem die Hauptfigur, die von Katrin Bauerfeind in ihrer ersten Serienhauptrolle herrlich geradeheraus verkörpert wird. Als taffe Kämpferin für Gerechtigkeit setzt sie sich für eine belästigte Gärtnerei-Mitarbeiterin ebenso nachdrücklich ein wie für eine werdende Feuerwehrfrau, die um Akzeptanz in der Wache ringt. Privat hat Eva jedoch mit Einsamkeit zu kämpfen, hat kaum Freunde und ist hin- und hergerissen, ob sie sich der anbahnenden Beziehung mit ihrem verweichlichten, wenngleich charmanten Kollegen Phillipp hingeben soll oder nicht.

Ihre Kolleg*innen im Büro – wo, wenn nicht hier, wäre ein Gendern der Sprache angemessen – sind dahingehend weniger facettenreich aufgebaut. Die dümmlich-naive Renate etwa nimmt beinahe jede Behauptung für bare Münze – Charaktertiefe sieht anders aus. Auch Yvonne, die um keinen Spruch verlegen ist und ihre Homosexualität offen auslebt, fehlen die Ecken und Kanten. Phillipp hingegen ist nett, beinahe zu rücksichtsvoll und doch bisweilen sozial überfordert, wird von einigen Kollegen nicht ernst genommen und steht obendrein unter der Fuchtel seiner Mutter. Da ist die Parallele zu Berthold "Ernie" Heisterkamp, der von Schauspieler Bjarne Mädel zur Legende gemacht wurde, nicht weit. Ganz wegstreiten kann sich Ralf Husmann von seinen Wurzeln eben doch nicht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst