Ein Mann wird Opfer eines hanebüchenen Justizirrtums und landet in der geschlossenen Psychiatrie. Das ZDF-Drama "Gefangen – Der Fall K." orientiert sich an der Geschichte um Gustl Mollath.

Der bodenständige Automechaniker Sebastian "Wastl" Kronach (Jan Josef Liefers) verliebt sich – noch zu D-Mark-Zeiten – in die aufstrebende Vermögensberaterin Elke (Julia Koschitz). Es ist, trotz der unterschiedlichen Berufe, eine große Liebe. Dass Elke für ihre bayerische Bank systematisch das Geld reicher Kunden im Ausland "sichert", missfällt Wastl. Er bittet seine Frau, damit aufzuhören, doch sie führt ihre lukrativen Geschäfte weiter. Das Paar entfremdet sich. Schließlich kommt es zum Bruch. Als Elke ausgezogen ist, verstrickt sich Wastl immer mehr in einen Gerechtigkeitskampf gegen "das System". "Gefangen – Der Fall K." erzählt, ohne dies konkret zu thematisieren, die Geschichte des wahren, hanebüchenen Justizirrtums um Gustl Mollath nach.

Durch das verschwörerische Zusammenspiel von Ex-Frau, Bank, Justiz und medizinischen Handlangern findet sich Wastl bald in einer geschlossenen Psychiatrie wieder. Die Ungerechtigkeit, die ihm widerfährt, treibt den sensiblen Idealisten noch stärker in den Widerstand. Von Therapeuten und Justiz, die seinen Fall gelegentlich neu prüfen, wird er zum notorischen Querulanten erklärt. In langen Psychiatriejahren scheint Wastl nun zu jenem kranken Menschen zu werden, den man aus ihm machen wollte. Gibt es für ihn noch einen Weg zurück in die Normalität?

Ein Titel wie "Der Fall K." suggeriert, bei dieser unglaublichen Geschichte könnte es sich um einen wahren Fall handeln. Tatsächlich orientiert sich das ZDF-Drama deutlich am Fall des Nürnberger Oldtimer-Mechanikers Gustl Mollath, der von 2006 bis 2014 zwangsweise in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht war. Explizit genannt wird diese Vorlage – wohl aus rechtlichen Gründen – nicht.

Die Inszenierung des mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Regisseurs Hans Steinbichler ("Winterreise", "Das Tagebuch der Anne Frank") spielt jedoch mit dem dokumentarischen Ansatz. Weniger im Sinne der Optik, die Wastls emotionale Verwahrlosung in klassische Drama-Bilder verpackt, als über das Drehbuch (ebenfalls Hans Steinbichler mit Kit Hopkins, nach einer Vorlage von Henriette Piper), das eine Art Protokoll der Erlebnisse Wastls zu sein scheint.

Steinbichler, der sich in Filmen wie "Hierankl" oder auch den beiden Münchener "Polizeiruf 110"-Beiträgen "Schuld" sowie "Denn sie wissen nicht, was sie tun" immer wieder differenziert mit wuchtigen Fragen der Moral auseinandersetzte, ist in seinem neuen Fernsehwerk die ein oder andere Plattitüde unterlaufen. Das verschwörerische Zusammenspiel von Banken, Behörden (unter anderem: Francis Fulton-Smith als diabolischer Staatsanwalt) und fiesen Psychiatern wäre auch in einem klassischen Horror-B-Movie nicht weniger auf die erwartbare Spitze getrieben worden. Allerdings ist eben auch der Fall Mollath selbst eine ziemliche Räuberpistole – und dennoch leider wahr.

Steinbichlers Drama-Adaption hat auch ihre sensiblen Momente: Die Verwandlung einer großen Liebe in Hass, die bewusste Zerstörung des Lebens einer geliebten Person, das tragischen Verlottern eines Menschen in der Psychiatrie und der – eventuelle – Weg dieses Phoenix aus seiner Asche zurück in die Lüfte: Wer sich auf jene großen Themen einlässt, spürt durch das spielfreudige Paar Julia Koschitz und Jan Josef Liefers eine tragische Note, der man sich kaum entziehen kann.

Was Hauptdarstellerin Julia Koschitz über ihre Rolle und den Film sagt, lesen Sie hier im Interview.


Quelle: teleschau – der Mediendienst