Im ARD-Film "Harrys Insel" überrascht Darsteller Wolfgang Stumph in einer ungewohnten Rolle. Die Tragikomödie selbst ist ein teils sehr berührendes Stück Film.

Das Führungszeugnis ist gut, Harry Stockowski (Wolfgang Stumph) rehabilitiert, und die Zeit nach dem Gefängnis erscheint als besonders erstrebenswert. Zurück in Freiheit plant Harry, noch mal ganz neu anzufangen: Weit weg von Deutschland, in der kanadischen Wildnis, will er eine einsame Insel zu seinem neuen Zuhause machen. In unberührter Natur glaubt er, Ruhe zu finden, und zwar möglichst viel davon. Doch kaum angekommen und den Schlüssel zu seiner Holzhütte ins Schloss gesteckt, wird Harry aus seinen Zukunftsträumen gerissen: Susan Bennett (Katrin Sass) steht mit einer Flinte vor ihm und gibt an, dass die Hütte, ja das gesamte Eiland ihr gehöre ...

Es beginnt eine erbitterte Zankerei um die Besitzgüter, unterbrochen nur von Susans Krankheitsattacken: Sie leidet an ALS. Zunehmend müssen die beiden erkennen, dass sie einander noch brauchen werden. Sie nähern sich an, erzählen sich ihre Geschichten, wodurch auch die Frage aller Fragen in der Tragikomödie "Harrys Insel" geklärt wird: Warum saß Harry eigentlich im Knast?

Heiter bis wolkig

Was Regisseurin Anna Justice hier gelingt, ist ein heiteres bis wolkiges Kammerspiel, das nicht zuletzt mit fantastischen Bildern aus der kanadischen Einöde besticht. Bereits im Bus zum Fähranleger lehnt sich Harry ins Licht, genießt die vorbeirauschende, ihn sichtbar entschleunigende Landschaft. Und dann die Insel: weißgraue Felsen, Tannen bis in die Wolken, kristallklares Wasser, das langsam ans Ufer schwappt. Ein Paradies. Und der perfekte Schauplatz für den unterhaltsamen Streit zwischen der rauen, kiffenden und keine Gnade mit Harry kennenden Susan und dem Aussteiger und Ex-Knacki.

Wolfgang Stumph schafft es tatsächlich mal nicht wie "Stubbe" zu sein. Er brilliert stattdessen etwa mit einem ernsten, tieftraurigen Monolog, als er Susan von den Gründen für seinen Gefängnisaufenthalt erzählt. Angenehm anders. Und auch Katrin Sass, die nicht nur eine sterbenskranke Frau verkörpert, sondern auch eine, die neben ALS auch noch familiäre Konflikte plagen, spielt hier bemerkenswert gut auf. Stumph und Sass – das hätte man sich womöglich nicht derart passend vorstellen können. Zusammen mit dem Schauplatz ergibt diese Konstellation aber ein teils sehr berührendes Stück Film: ein veritables Best-Ager-Abenteuer, von Regisseurin Anna Justice nach einem Buch von Scarlett Kleint und Alfred Roesler-Kleint durchwegs stimmig inszeniert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst