Als Netflix im August 1997 gegründet wurde, war er gerade einmal zwei Monate auf der Welt. Heute, 20 Jahre später, ist Newcomer Louis Hofmann das Gesicht der ersten deutschen Eigenproduktion des kalifornischen Streamingdienstes. In der Mystery-Serie "Dark" (ab Freitag, 1.12.) spielt der Wahlberliner an der Seite von Stars wie Oliver Masucci eine Hauptrolle.

Der sympathische Senkrechtstarter, der bereits in der ersten deutschen Amazon-Serie "You Are Wanted" zu sehen war und seit Jahren so ziemlich jeden Nachwuchspreis abräumt, gilt als einer der hoffnungsvollsten hiesigen Millennial-Schauspieler. Bescheiden gibt sich der 20-Jährige Nachwuchsstar im Interview dennoch. Ein Gespräch mit Louis Hofmann über seine Generation, politisches Engagement – und die Auswirkungen des Erfolgs auf sein Leben.

prisma: Sie gehören zur Generation der Millennials, der man nachsagt, sie schaue nur noch Netflix und kein TV mehr. Stimmt das in Ihrem Fall?

Louis Hofmann: Naja, ich schaue schon auch in den Mediatheken von ARD und ZDF. Aber ich habe zum Beispiel keinen richtigen Fernsehanschluss mehr. Dass man die Sachen auf Abruf hat, genieße ich schon sehr. Selbst entscheiden zu können, wann und wie. Der "Tatort" kommt dann eben nicht 20.15 Uhr, sondern für mich vielleicht 20.37 Uhr (lacht).

prisma: Schränken Sie als junger Schauspieler in besonderer Weise ein, was Sie sehen?

Hofmann: Wenn man sich vornimmt, dass man alles sehen muss, dann macht man sich natürlich verrückt. Das geht nicht, dann hat man ja kein Leben mehr. Ich habe mir vorgenommen, viel deutschen Film zu sehen. Als Mitglied der Filmakademie für den deutschen Filmpreis bekommt man ja immer diese Box zugeschickt mit den vermeintlich besten deutschen Filmen des Jahres. Aber auch sonst ist es wichtig zu wissen, was in der deutschen Film- und Serienlandschaft abgeht, von "4 Blocks" bis "Babylon Berlin".

prisma: Wie kamen Sie denn zur Hauptrolle in der ersten deutschen Netflix-Eigenproduktion?

Hofmann: Ich hatte schon eine Meldung gelesen über die erste deutsche Netflix-Serie und fand das spannend. Da es viel um Familien ging, dachte ich, vielleicht gibt es ja auch eine Rolle als Sohn (lacht). Schließlich bekam ich die Castingeinladung genau an meinem Geburtstag. Dann bin ich einmal hingegangen – und hatte drei Tage später die Zusage. Obwohl es bei einem Studio wie Netflix ja über 1000 Stationen geht, bis alle das abgesegnet haben. Aber Regisseur Baran Bo Odar hat alle durchbekommen, die er wollte.

prisma: Für die Älteren Ihrer Kollegen ist es immer etwas Besonderes und Neues, in einer Netflix-Serie mitzuwirken. Sie spielten bereits in der ersten deutschen Amazon-Serie "You Are Wanted" – ist das für Sie schon ein Stück Normalität?

Hofmann: Es ist schon noch abgefahren, wie toll die Resonanz auf "Dark" bereits war, bevor die Serie überhaupt veröffentlicht wurde. Was ich so noch nicht erlebte, war, dass viele aus der Branche auf mich zukamen, und sagten: "Wir haben davon gehört, wir freuen uns so sehr darauf!" und: "Wir erwarten so Großes!" Das setzt einen natürlich auch etwas unter Druck (lacht). Aber es ist eben eine große Chance, in 190 Ländern, in der ganzen Welt, ausgestrahlt zu werden.

prisma: Können Sie sich vorstellen, dass Sie in Zukunft Rollen in deutschen Produktionen eher nach diesen Kriterien – Reichweite, Internationalität – auswählen?

Hofmann: Ich wähle immer nach der Geschichte aus und danach, ob mich die Rolle fordern könnte. Bei der erwähnten Meldung über die erste Netflix-Serie dachte ich damals zuerst an Qualität. Das halte ich für extraordinär – dass Netflix in so kurzer Zeit ein so hohes Prestige erlangen konnte.

prisma: Auch Sie persönlich starteten in sehr kurzer Zeit mit Ihrer Karriere durch, erhielten viele Nachwuchspreise und zahlreiche Rollen. Ändert sich in Ihrem Leben bereits etwas? Wohnen Sie noch in der WG im Prenzlauer Berg?

Hofmann: Jetzt wohne ich in einer WG in Mitte (lacht)! Und dass man Preise bekommt, heißt ja nicht, dass man reich wird. An meinem Lebensstil ändert sich erst mal nicht so viel. Aber natürlich: Als alles so schnell ging, vor allem Anfang des Jahres, hat sich alles ein wenig überschlagen. Das war schon schwer zu realisieren. Auch mit dem Wissen, dass es immer rauf und runter gehen wird. Ich darf nicht denken, dass es immer steil nach oben geht – irgendwann wird man sich wundern: Mist, wo ist das denn hin, was ich noch vor ein paar Monaten hatte? Ich wurde auch gefragt, ob es mich versaut hätte, dass ich mit 19 bei den Oscars war. Doch da bin ich hingegangen, hab mir das einfach angeschaut – und viele Sachen beobachtet, von denen ich dachte: Nee, so will ich später eher nicht sein. Ich glaube, ich reflektiere recht viel. Das ist wichtig.

prisma: Haben Sie sich als Jahrgang 1997 zur Vorbereitung auf "Dark" mit den 80er-Jahren auseinandergesetzt?

Hofmann: Als meine Figur muss ich die 80er-Jahre in Deutschland im Grunde gar nicht nachvollziehen können. Aber spannend ist es natürlich: Dass das Nostalgie-Phänomen gerade nicht nur bei den Erwachsenen greift, die damals ihre Jugend verbrachten. Sondern auch bei unserer Generation – obwohl wir da noch nicht mal geboren waren. Dass wir uns vielleicht manchmal auch wünschten, wir hätten damals schon gelebt. Deswegen funktionieren auch Serien wie "Stranger Things" für uns so gut.

prisma: Waren die in den 80er-Jahren sehr virulenten Themen Atomausstieg und AKWs, die in "Dark" ebenfalls behandelt werden, für Sie vorher ein Thema?

Hofmann: Ich und meine Generation haben nicht so eine Vorbelastung wie unsere Eltern mit Tschernobyl und Fukushima. In "Dark" wird das ja laufend als unterschwellige Bedrohung dargestellt. Natürlich ich bin für den Atomausstieg. Dennoch ist es weniger ein Thema unserer Generation als das der Generation davor. Das finde ich auch ein wenig schade. Es geht uns ja genauso an, auch wenn wir es nicht hautnah erlebt haben und noch keine Atombombe in Berlin hochgegangen ist. Die Endlager gibt es in Deutschland ja trotzdem noch.

prisma: Die Generation Ihrer Eltern protestierte gegen AKWs und Endlager. Wofür würden Sie denn heute auf die Straße gehen?

Hofmann: Für Europa, definitiv. Ich halte positive Demonstrationen, also für etwas Gutes zu demonstrieren, fast für besser als gegen etwas Schlechtes zu demonstrieren. Denn mit dem Guten kann man vielleicht etwas Schlechtes eher verändern. Ich bedauere auch, dass Umwelt in der letzten Zeit so in den Hintergrund geraten ist. Klar, es gibt momentan wohl dringendere politische Themen.

prisma: Interessieren Sie sich für Politik – gerade jetzt in den schwierigen Zeiten nach der Wahl?

Hofmann: Bei mir kam das eigentlich erst in den letzten zwei Jahren auf; mit dem Wahlrecht. Ich kann jetzt mitentscheiden. Vielleicht erregen wir als Generation nicht den Eindruck: Aber auch uns geht es was an, auch wir kriegen es mit. Es ist ja unsere Gesellschaft.


Quelle: teleschau – der Mediendienst