Free-TV-Premiere in der ARD

"Hitchcock": Dem Film über den Meister fehlt es an Suspense

von Jasmin Herzog

Der Film über Hitchcock basiert zwar auf dem Sachbuch "Alfred Hitchcock And The Making of Psycho", doch die Entstehung des Thriller gerät in der Handlung etwas in den Hintergrund. Und welch Ironie: "Hitchcock" lässt Suspense vermissen.

ARD
Hitchcock
Drama • 27.04.2020 • 00:05 Uhr

Dass sich Paramount weigerte, Hitchcocks "Psycho" zu finanzieren, erscheint aus heutiger Perspektive fast genauso schwer nachvollziehbar wie die etwa gleichzeitig getroffene Entscheidung des Plattenlabels Decca, eine ominöse neue Band namens The Beatles lieber nicht unter Vertrag zu nehmen. Tatsächlich setzte Alfred Hitchcock bei diesem Projekt einiges aufs Spiel: seinen Ruf, sein Vermögen und, wie Sacha Gervasi in seinem etwas unentschlossenen Spielfilmdebüt "Hitchcock" (2012) zumindest behauptet, seine Ehe.

Obwohl der Film, den die ARD nun als Free-TV-Premiere zeigt, auf Stephen Rebellos Sachbuch "Alfred Hitchcock And The Making of Psycho" basiert, gerät das Making Of des Filmklassikers ein wenig in den Hintergrund – wenngleich Stars wie Scarlett Johansson, Jessica Biel und James D'Arcy verpflichtet wurden, um Janet Leigh, Vera Miles und Anthony Perkins zu spielen. Drehbuchautor John J. McLaughlin und Regisseur Sacha Gervasi hatten offenbar ein anderes Anliegen, als dem Meisterwerk ein Denkmal zu setzen: Sie führen stattdessen vor Augen, dass sich hinter der Marke Hitchcock eigentlich ein Team verbarg – der Regisseur (Anthony Hopkins) und seine Frau Alma Reville (Helen Mirren).

Langsam wird "Hitchs" Besessenheit von seiner Arbeit – und vor allem von seinen blonden Hauptdarstellerinnen – für seine Alma unerträglich. Statt ihrem Mann beim problembehafteten Dreh von "Psycho" wie üblich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, stürzt sich die Autorin und Cutterin mit dem befreundeten Drehbuchschreiber Whitfield Cook (Danny Huston) in ein eigenes Projekt. Der Beginn eines kleinen Krimis, der sich für den Meisterregisseur ausnahmsweise nicht an einem Filmset abspielt.

Keinem anderen Menschen vertraute Hitchcock so sehr wie seiner Alma, gerade in fachlicher Hinsicht. Helen Mirren legte ihre Rolle folgerichtig als eine unauffällige, aber starke Frau an, die ihrem Mann das Rampenlicht überlässt, sich ihres Wertes aber durchaus bewusst ist. Sie spielt Alma mit so großer Autorität, dass man es kaum wagen würde, die Schauspielerin auf die mangelnde äußerliche Ähnlichkeit mit der kleinen Hornbrillenträgerin hinzuweisen.

Auch Hopkins sieht seiner Rolle Hitchcock nicht allzu ähnlich. Stattdessen behalfen sich Darsteller und Regisseur auf andere Weise: Hopkins studierte Hitchcocks Haltung und Sprechweise, und Gervasi nutzte alle ihm verfügbaren gestalterischen Mittel, um die Hitchcock-ness seines Films zu unterstreichen. Sein Film beginnt und endet beispielsweise so wie einst die Fernsehsendung "Alfred Hitchcock Presents" mit einem schwarzhumorigen Monolog des Meisters. Später zeigt Gervais seinen Hitchcock in jener Pose, in der der Regisseur für den Vorspann der Sendung mit wenigen Strichen porträtiert wurde.

Nur eines lässt sich eben nicht so leicht imitieren: Hitchcocks Erzählweise. Natürlich hatte Gervasi nicht den Anspruch, einen Thriller zu drehen – doch ein bisschen mehr Suspense hätte seiner gemächlich erzählten Hitchcock-Betrachtung gut gestanden.

Hitchcock – So. 26.04. – ARD: 00.05 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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