Zu trennen ist die Kunst von der aktuellen politischen Lage in Deutschland schon längst nicht mehr. Eindrücklich bewiesen dies nun zahlreiche Schauspieler, Musiker, Autoren und weitere Künstlerinnen und Künstler, die in einem Aufruf den Rücktritt von Bundesinnenminister Horst Seehofer forderten.

"Wir sind entsetzt", empört man sich in dem Text, der unter anderem von dem Dramatiker Moritz Rinke initiiert wurde. Die Überschrift lautet: "Würde, Verantwortung, Demokratie".

In dem Schreiben heißt es weiter:"Seehofer beschädigt die Werte unserer Verfassung. Sein Verhalten ist provozierend, rückwärtsgewandt und würdelos gegenüber den Menschen. So verstellt er den Weg in eine zukunftsfähige deutsche Gesellschaft." Der Innenminister spalte, statt zu einigen. Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs zählen viele Prominente, darunter Günter Wallraff und Berlinale-Chef Dieter Kosslick, die Schauspieler Meret Becker, Hugo Egon Balder, Peter Lohmeyer, Jochen Busse, Burghart Klaußner und die Musikerin Inga Humpe, außerdem Filmemacher wie Andres Veiel und Dietrich Brüggemann sowie die Autorinnen Ronja von Rönne.

Das Schreiben kritisiert, dass Seehofer "fortwährend die Arbeitsfähigkeit der Bundesregierung sabotiert und dem internationalen Ansehen des Landes schadet; dass er die Migrationsfrage zur 'Mutter aller politischen Probleme' erklärt und damit 18,6 Millionen Menschen, die mit migrantischen Wurzeln in Deutschland leben, in Geiselhaft nimmt und als eine Ursache dieser 'Probleme' hinstellt".

Seehofer bagatellisiere die rassistischen Übergriffe von Chemnitz, so die deutliche Kritik. Seine "enthemmten Bierzeltreden und unschlüssigen Pressekonferenzen" trügen "maßgeblich dazu bei, dass sich der Ton der politischen Auseinandersetzung in diesem Land öffentlich verschärft – und dass dadurch auch die AfD ihre rechtspopulistische und rechtsradikale Entgleisungsrhetorik immer weitertreibt".

Deshalb fordern die unterzeichnenden Künstlerinnen und Künstler: "Seehofer sollte – noch vor der Landtagswahl in Bayern – vom Amt des Bundesinnenministers zurücktreten."


Quelle: teleschau – der Mediendienst