Thomas Gottschalk, Markus Söder und Joseph Ratzinger – sie alle waren Mitglieder von Studentenverbindungen. Von jenen Gruppen also, über die in der Öffentlichkeit immer wieder gemunkelt wird, sie seien beispielsweise frauenfeindlich oder rechtslastig. Doch mehr als im Trüben gefischt wird dabei häufig nicht, denn die Burschenschaftler verstehen es, Geheimnisse zu bewahren und unter sich zu bleiben.

Welche Ideale verfolgen diese elitären Gruppen mit den strengen Aufnahmeritualen? Was erhoffen sich junge Menschen von so einer Mitgliedschaft? Und ist es gerechtfertigt, dass der Verfassungsschutz ein Auge auf einige der Verbindungen geworfen hat? Die ZDFinfo-Doku "Drahtzieher Burschenschaften – Die Macht der Studentenverbindungen" (Donnerstag, 27. September, 20.15 Uhr) wirft einen aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen einer Welt, über die Außenstehende kaum etwas wissen.

Sendung verpasst? Der Film ist für eine begrenzet Zeit auch in der prisma-Mediathek abrufbar.

Etwa 150.000 Mitglieder zählen die rund 900 Studentenverbindungen in Deutschland. Was hinter den Türen ihrer Verbindungssäle passiert, bleibt jedoch oft im Verborgenen. Politologe Stefan Peters erklärt in dem Beitrag, warum der Zulauf ungebrochen ist: Für junge Menschen aus konservativen Elternhäusern spiele vor allem die Aussicht darauf, in einer fremden Stadt von einer Gemeinschaft aufgefangen zu werden, eine wichtige Rolle. Daneben bieten Burschenschaften erschwinglichen Wohnraum. Nicht zuletzt geht es für viele natürlich auch um den Aufbau von Beziehungen, die sich im späteren Karriereverlauf als hilfreich erweisen können.

Der 45-minütige Film gibt Einblick in althergebrachte Traditionen und Riten. Die Kamera begleitet etwa einen Burschenschaftler bei der Vorbereitung auf die sogennante Mensur. Für den Mut in diesem Fechtkampf winkt Anwärtern schlagender Verbindungen die Mitgliedschaft in der Burschenschaft. Auch nichtschlagende Verbindungen heißen ihre Neuankömmlinge, die "Füchse", in strengen Aufnahmeritualen willkommen.

Als skeptischer Betrachter wird man ob der obskuren Praktiken den Kopf schütteln. Zu fremd erscheinen einem die Beweggründe der Mitglieder, die im Film zu Wort kommen. Noch dazu weil auch das Rechercheteam an Grenzen stößt. Zur sogenannten "Kneipe" etwa, einem Geheimritual mit einer Mixtur aus Reden, Bier trinken und Singen, wird dem Filmteam der Zutritt verwehrt.

Freilich würde man es sich zu einfach machen, alle der etwa 900 deutschen Burschenschaften über einen Kamm zu scheren. So räumt der Film mit dem Vorurteil auf, alle Burschenschaften würden altbackenen Rollenbildern und rückwärtsgewandten Idealen nachhängen. Diese Erkenntnis überraschte auch die Filmemacher: "Schaut man genauer hin, erweist sich das von Männern dominierte Verbindungswesen als plötzlich recht vielfältig, offen und wandelbar", lassen sie wissen. In der Tat, so macht es jedenfalls der Beitrag deutlich, reicht das Spektrum von liberal bis rechtsextrem. Die "Deutsche Burschenschaft" etwa, eine Verbindung, die der Film näher vorstellt, pflegt Kontakte zur rechtsextremen "Identitären Bewegung" und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Teil ihrer Gruppe zu sein, so beschreibt es die Verbindung auf ihrer Onlineseite, bedeute, durch "die freiwillige Verpflichtung, sich für ideelle Ziele einzusetzen, die im Wahlspruch der Deutschen Burschenschaft 'Ehre – Freiheit – Vaterland' umrissen werden". Hier scheint ein überzeugter Nationalismus durch, was sich auch an den im Film dargestellten Fackelmärschen und einer gewissen zur Schau gestellten Deutschtümelei manifestiert.

Dagegen zeigt Politiker Günther Oettinger (CDU), selbst Burschenschaftler, im Film klare Kante: "Klar muss sein, eine Verbindung muss die Grundwerte und Grundrechte beachten und leben, das heißt Toleranz, Demokratie und Nationalstaat, aber nicht Nationalismus." Ein Blick nach Österreich, wo eine akademische Rechte aus Burschenschaftlern über großen Einfluss in der Politik verfügt, offenbart ein Gefahrenpotential. Ähnliche Bestrebungen verfolgen hierzulande Burschenschaftler in der AfD. Deren Einfluss ist zwar noch vergleichsweise gering, dennoch bezeichnet sie die österreichische Journalistin Nina Horaczek als "Azubis der FPÖ".

Durch viele derartige Kommentare von Politologen und anderen Experten angereichert, steht der Beitrag auf einer fundierten Grundlage. So gelingt es der Dokumentation "Drahtzieher Burschenschaften – Die Macht der Studentenverbindungen", einen spannenden Einblick in die eigentlich hermeneutisch abgeschlossenen Welt der Burschenschaften zu geben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst