Abend für Abend allein auf der Bühne stehen und hoffen, dass jemand lacht: Die Serie "I'm Dying Up Here" erzählt, wie tragisch und komisch zugleich das Dasein von Stand-Up-Comedians in den 70-ern in Los Angeles war.

Clay Appuzzo (Sebastian Stan) scheint es geschafft zu haben. Der Stand-Up-Comedian wird in die illustre "Tonight Show" mit Johnny Carson (Dylan Baker) eingeladen. Und nicht genug, dass sich alle während seines Auftritts vor Lachen biegen: Am Ende der Sendung wird der junge Komiker von Johnny höchstpersönlich zu sich auf die Couch gerufen, was als ultimativer Ritterschlag in der Szene gilt. Doch dummerweise tritt Clay kurze Zeit später auf die Straße, und wird von einem Bus überfahren. Schicksal? Oder wollte er es am Ende gar so?

Produziert von Jim Carrey

Ab 23. August 2017, immer mittwochs, erzählt "I'm Dying Up Here" bei Sky Atlantic HD vom bierernsten Geschäft mit dem Lachen im Los Angeles der 70er-Jahre. Produziert wurden die neun Episoden von jemandem, der sich mit Comedy auskennen muss: Hollywood-Star Jim Carrey. Übrigens einer von vielen im amerikanischen Unterhaltungssektor, die ihre Karriere in jungen Jahren tatsächlich auf Stand-Up-Bühnen begannen.

Als Clay vom Bus erwischt wird, trifft es eine besonders hart: seine Ex-Freundin Cassie (Ari Graynor), ebenfalls Stand-Up-Comedian. Als sie dann auch noch herausfindet, dass es sich höchstwahrscheinlich um einen Suizid handelt, findet sie sich in einer Zwickmühle wieder. Soll sie ihr Wissen mit Clays erzkonservativen Eltern (Cathy Moriarty und Robert Foster) teilen. Oder behält sie das kleine Geheimnis lieber für sich, um die beiden vor (zusätzlichen) schlaflosen Nächten zu bewahren? Club-Betreiberin Goldie (herrlich verrucht: Melissa Leo) ist davon überzeugt, dass das Wissen Clays Eltern nur belasten würde und rät Cassie davon ab, ihnen die Wahrheit zu sagen.

Zu viele Charaktere

Die Pilotfolge der Comedy-Serie beschäftigt sich nicht so sehr mit den lustigen Seiten des Lebens, sondern damit, wie eine Gruppe Komiker mit dem Tod einer der ihren umgeht. Die Trauerfeier ist selbstverständlich nichts anderes, als eine Aneinanderreihung von Pointen und auch der Neid der Kollegen auf Clays Erfolg spielt eine große Rolle. Leider sind es gleich zu Beginn ein paar zu viele Charaktere, so dass es dem Zuschauer bisweilen schwer fällt, der Geschichte zu folgen – und überhaupt ein Interesse an ihr zu entwickeln. Außerdem ist man sich die ganze Zeit nicht sicher, ob die Macher von "I'm Dying Up Here" wirklich eine Comedy-Serie im Sinn hatten, so tragisch, wie das Leben der Protagonisten bisweilen ist. Tragische Comedy kann natürlich funktionieren, tut sie hier aber eben nur bedingt.

Gleichzeitig ist "I'm Dying Up Here" aber auch eine dieser Serien, bei der man trotz all der Düsternis von einem wohligen Gefühl der Nostalgie beschlichen wird: Früher war eben doch alles besser! Und das liegt nicht nur an den sepiagetränkten Bildern der prächtig ausgestatteten Showtime-Serie. Die Musik war funky, die Klamotten schrill, es gab Sex und Drogen soviel man wollte, und man konnte noch im Bett liegend rauchen, ohne gleich an Lungenkrebs zu denken. Wer also ein wenig in Nostalgie schwelgen möchte, für den ist "I'm Dying Up Here" genau das Richtige.


Quelle: teleschau – der Mediendienst