Nach dem Tod seiner Freundin Vesper ist James Bond (zum zweiten Mal gespielt von Daniel Craig) getrieben von Rache. Das ZDF zeigt den temporeichen und kompromisslosen Bond-Film "Ein Quantum Trost" als Wiederholung.

Einen Titel hat "Ein Quantum Trost" bis auf Weiteres sicher: Dies war ohne Frage der schnellste, atemloseste Bond-Film aller Zeiten. Kaum eine Einstellung in den Actionsequenzen dauert länger als eine Sekunde. Tempo, Tempo, Tempo. Mit dem klassischen "Bond" hatte "Quantum" nurmehr wenig zu tun. Da mussten erst "James Bond - Skyfall" (2012) und "Spectre" (2015) kommen, um das klassische Regelwerk wieder zurechtzurücken. Das ZDF wiederholt "Ein Quantum Trost" nun zu später Stunde.

Viel Lob prasselte 2006 auf "James Bond 007 - Casino Royale" herein, wobei es sich vor allem auf das Debüt Daniel Craig konzentrierte. Ihm wurde bescheinigt, Bond in eine sichere Zukunft führen zu können. Eine Zukunft, die zunächst mit ein paar lieb gewonnenen Traditionen brach. Film zwei mit dem sperrigen Titel "Ein Quantum Trost" (Regie: Marc Forster) schloss erstmals direkt an einen Vorgänger an. Nur eine Stunde ist in der Zwischenzeit vergangen.

Erst einmal aber knallt und kracht es. Die erste Verfolgungsjagd von vielen findet per Pkw statt und weist den Weg, den dieser Film geht. Optik kommt vor Inhalt, Effekt vor Logik. Mit der Marke "Bond" wird dabei bewusst fahrlässig umgegangen.

Denn: Dies hier könnte auch irgendein Agent sein. Keine technischen Gimmicks, keine wesentlichen Flirts mit Angestellten, kein Kontrahent, der die Welt erobern will. Vorbei waren die Zeiten, in denen der Schurke sekundenlang seine schnurrende Katze streichelt. "Ein Quantum Trost" sieht den glänzenden Darsteller Mathieu Amalric in der Rolle des Bösen. Er spielt den rücksichtslosen Geschäftsmann Dominic Greene, der Regierungen und Geheimdienste gegeneinander ausspielt, um das Regime in Bolivien zu stürzen. Vor allem aber, um sich persönlich zu bereichern.

Schwarz und Weiß gibt es hier nicht mehr, stattdessen verfolgt jedes Land, jede Organisation eigene Interessen und sucht Verbündete dafür. Und mittendrin: ein deutlich gereifter James Bond, der sich diesmal als unnahbar, humorfrei und berechnend präsentiert. Getrieben ist 007 vor allem von Rache, denn die kriminelle Organisation, die er jagt, ist verantwortlich für den Tod seiner Freundin Vesper (Eva Green) im letzten Film.

Und: Der Bond 2008 war kein sexuell Getriebener mehr. Mit Camille (Olga Kurylenko), die ihm früh bei seinen Ermittlungen begegnet und die typische Schnittstelle darstellt zwischen Gut und Böse, geht er nicht einmal mehr ins Bett. Auch das sollte sich, wie man inzwischen weiß, ab Bond drei wieder ändern. Das fünfte 007-Abenteuer mit Daniel Craig wird ab Dezember 2018 unter der Ägide des Regie-Tausendsassas Danny Boyle (Oscar für "Slumdog Millionär") gedreht. Möglicherweise stellt es diesmal tatsächlich den letzten Einsatz von Craig dar, der bereits in der Vergangenheit mehrfach mit seinem Ausstieg kokettierte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst