Bei Markus Lanz

FDP-Politikern berichtet über Anfeindungen nach Corona-Erkrankung

Im März erkrankte FDP-Politikerin und Juristin Karoline Preisler am Coronavirus. Noch immer leidet sie an den Spätfolgen. In den sozialen Medien wurde sie massiv angefeindet, wie sie nun bei Markus Lanz berichtete.

Seit mehreren Monaten ist das Coronavirus nun schon ständiger Begleiter unseres Alltags. Inzwischen sind bereits viele, die an COVID-19 erkrankten, wieder genesen – doch damit ist für sie das Thema noch lange nicht erledigt. Die Juristin und FDP-Politikerin Karoline Preisler, die sich bereits im März angesteckt und einen sehr schweren Verlauf mit Krankenhausaufenthalt hatte, beschrieb nun in der jüngsten Ausgabe der ZDF-Talkshow "Markus Lanz", mit welchen Folgen sie zu kämpfen hat.

Zum einen, so erzählte die 48-Jährige, spüre sie immer noch körperliche Auswirkungen. "Mir gehen jetzt drei Monate später büschelweise die Haare aus. Ich stehe morgens auf und mein Kopfkissen ist voller Haare." Auch das Singen müsse sie nun erst wieder trainieren. "Seitdem trällern wir viel", so die Politikerin. "Es wird besser." Sie habe sich bei ihrem Mann angesteckt, der sich das Virus wohl bei einem Skiurlaub in Österreich eingefangen hatte.

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Doch vor allem die sozialen Folgen machen ihr zu schaffen: Die Politikerin hatte während ihrer Krankheit ihre Erfahrungen offen auf Twitter dokumentiert und mit den Lesern geteilt, danach wurde sie stark angefeindet. Sie wurde beschimpft, sie habe "die Seuche in die Stadt gebracht", zitierte Moderator Markus Lanz. Darauf erwiderte Preisler, dass Lanz selbst den Barkeeper in Ischgl als "Täter" der Corona-Übertragung bezeichnet habe. Durch die Angst, so beschreibt sie, suche man sich jemanden, der als "Viren-Schleuder durch die Gegend zieht" und den man für den Lockdown verantwortlich machen könne.

So wurde sie in den sozialen Netzwerken beschuldigt, "Mord, Totschlag und Körperverletzung in meine Stadt getragen zu haben", erzählt sie. "Mir wurde angeboten, beim Kofferpacken zu helfen, damit ich wieder gehe." Weiter merkte sie an: "Es ist gar nicht so lange her, da haben wir Hexenprozesse gehabt. Ich glaube, viele Menschen fühlen sich wohler, wenn man jemanden hat, gerade bei einem unsichtbaren Virus oder einer Krankheit, der an allem schuld ist."

Sie erinnerte sich an den Tag, als sie nach der Quarantäne mit ihrem Mann einkaufen gehen musste. Sie begab sich zum Supermarkt, ihr Mann war schon mit seinem Korb im Laden, so erzählte sie. "Da kam mir eine Dame entgegen, die ich nicht persönlich kenne, aber die mich erkannte, und die mich beschimpfte als diejenige, die die Seuche in die Stadt gebracht hätte." Die Frau habe auch den Sicherheitsmann auf sie aufmerksam gemacht. Preisler sei in diesem Moment noch recht schwach und empfindlich gewesen. "Das hat mich richtig fertig gemacht."

Auch die kleinen Kinder der dreifachen Mutter hätten eine schwierige Zeit gehabt. "Es gibt eben ganz schöne Grausamkeiten, gerade kleinen Kindern gegenüber", sagte Preisler. Manche Mütter erklärten, dass ihre Kinder erst wieder mit Preislers Kindern spielen dürften, wenn Corona vorbei wäre. Doch alles in allem konnte Preisler trotzdem auch positive Dinge aus der Zeit ziehen. "Corona hat immerhin dazu geführt, dass wir als Familie uns viel besser kennengelernt haben, viel mehr miteinander gesprochen haben und inzwischen wissen meine Kinder, dass sie auf solche Sachen dann antworten: 'Bei uns ist schon nach Corona.' Und dann einfach auch sich umdrehen und weitergehen."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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