Bei Markus Lanz

Virologe kritisiert neue Corona-App: "Hoffe, dass das nachgebessert wird"

Seit Dienstag ist sie da, die Corona-App der Bundesregierung. Zu spät, meint Virologe Martin Stürmer bei Markus Lanz und äußert noch einen weiteren Kritikpunkt.

"Ich hätte sie gern früher gehabt!" – Der Virologe Martin Stürmer kritisierte am Dienstagabend im TV die aus seiner Sicht zu späte Einführung der neuen Corona-App der Bundesregierung. "Gerade im Zuge der Lockerungen wäre es wichtig gewesen, ein zusätzliches Instrument zu haben, wenn es dann zu weiteren größeren Ausbrüchen gekommen wäre", sagte er bei "Markus Lanz" im ZDF.

Noch schwerer wog aber Stürmers zweiter Kritikpunkt an diesem Abend, gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Ferienzeit: "Wenn man sich viel Zeit nimmt, die App zu entwickeln, wäre eine Kompatibilität mit den Nachbarländern vor dem Sommer entscheidend gewesen", sagte er und betonte: "Ich hoffe, dass das nachgebessert wird!"

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Die deutsche App kommuniziere nicht mit der österreichischen oder der spanischen, führte der Virologe aus. "Wenn sich natürlich zwei Deutsche auf Mallorca treffen und beide die App haben, dann funktioniert es. Wenn aber ein Spanier oder Engländer dabei ist, mit eigener App, dann kommunizieren die nicht miteinander." Moderator Markus Lanz konnte da nur mit dem Kopf schütteln: "Das entlarvt doch im Grunde jedes Gerede über Europa als Sonntagsrede, wenn wir nicht mal das hinkriegen", sagte er zum Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert, der ebenfalls in der Runde saß.

Der wollte in die Kritik aber nicht so recht einstimmen. Seine Antwort: Es gebe eben unterschiedlichen Umgang mit der App, und in Deutschland habe man großen Wert auf Datenschutz gelegt. "Wenn am Ende 70 Prozent die App nicht herunterladen würden, weil sie sich unsicher sind, was sie sich da einkaufen, ist uns auch nicht geholfen."

Andere Länder hätten darauf weniger gesetzt und keine dezentrale, sondern eine zentrale Speicherung der Daten gewählt, führte Kühnert weiter aus. "Was wir da für Diskussionen gehabt hätten, können sie sich denken. Dann hätten wir in drei Monaten noch keine Corona-App!" Er selbst habe es auch so verstanden, dass man sich in dem Urlaubsland, in dem man sich aufhalte, immer auch die örtliche Corona-App herunterladen solle, um an dieses System angedockt zu sein. "Das wird dann aber wirklich mühsam und kompliziert", so Lanz.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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