ARD-Vorsitzender fordert mehr Respekt für Journalisten

Tom Buhrow: "Das Klima in unserem Land ist gereizter und rauer geworden"

In einem Interview spricht der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow über Werte, die ins Wanken geraten sind und Angriffe auf Journalisten. "Wenn sie wegen ihrer Arbeit bedroht werden, sind Grenzen überschritten."

"Es ist stürmischer geworden. Das Klima in unserem Land ist gereizter und rauer geworden. Sie merken das, wenn Sie die Themen in der 'Tagesschau' sehen, wenn Sie die Kommentarspalten in sozialen Netzwerken lesen, aber auch morgens beim Bäcker oder im Straßenverkehr." So sagte es der WDR-Intendant und aktuelle ARD-Vorsitzender Tom Buhrow im Interview mit der Initiative Gesichter der Demokratie, die sich seit 2017 für den Schutz der demokratischen Grundwerte einsetzt. 600.000 Menschen, darunter zahlreiche Prominente aus Politik, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft, haben die Selbstverpflichtung seither unterzeichnet.

"Auseinandersetzungen werden scharf geführt, Werte wie Respekt, Miteinander, Fairness und Wahrhaftigkeit sind ins Wanken geraten", so Buhrow im Interview. Angesprochen auf die Zukunft des Journalismus, erklärte der erfahrene TV-Journalist, er wünsche sich "eine offene, von Respekt geprägte, differenzierte und auf Fakten basierende öffentliche Debatte". Der unabhängige und kritische Journalismus müsse sich jetzt beweisen: "Gegensätzliche Positionen können, müssen mit Leidenschaft ausgetauscht und medial begleitet werden, aber das Ziel sollte immer ein besseres Miteinander sein."

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Der Anspruch der ARD sei es, in den Programmen wahrhaftig und fair zu sein. "Alle Seiten zu Wort kommen zu lassen. Mit verlässlichen Informationen befähigen wir die Menschen, sich eine Meinung zu bilden und an den Debatten in unserer Gemeinschaft teilzuhaben. Das muss nicht immer allen gefallen, das ist klar. Wenn aber Journalistinnen und Journalisten wegen dieser wichtigen Arbeit bedroht werden, dann sind Grenzen überschritten."

Die Demokratie und demokratische Werte hätten für ihn einen "sehr zentralen Stellenwert", sagte der 61-Jährige im Interview mit der Initiative Gesichter der Demokratie: "Ohne Freiheit ist alles nichts. Und das bedeutet auch, dass es nicht darauf ankommt, mit seiner eigenen Meinung Recht zu behalten, sondern vielmehr die Vielfalt der Meinungen zu respektieren." Diese klare Haltung scheint bei vielen Menschen gut anzukommen, wie die aktuelle Corona-Krise zeigt, in der vor allem die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen stark nachgefragt werden. "Es freut uns, dass sich die Menschen durch uns gut versorgt und informiert fühlen. Wir nehmen das auch als Verpflichtung."

Die ARD habe die Angebote rund um Corona am Vormittag ausgeweitet und auf die aktuelle Situation angepasst. In Zeiten geschlossener Kitas und Schulen habe die ARD auch ihr Bildungsangebot fortlaufend erweitert, dazu gebe es alternative Angebote von der "Kulturambulanz" bis hin zu digitalen Konzerten auf ARTE. "Wir sind für die Menschen da."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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