Nino Böhlau spricht in prisma über seine neue Rolle, seine Zukunftspläne und seine Eltern.

Jungschauspieler Nino Böhlau geht noch zur Schule und lebt bei seinen Eltern. Auch, wenn der 18-Jährige die Schauspielerei nicht vordringlich als seine berufliche Zukunft sieht, sollte man sich sein Gesicht merken. Er verkörpert die Rollen seiner oft schwierigen Charaktere mit einer überzeugenden Glaubhaftigkeit.

Fack ju Göhte, Polizeiruf 110, Tatort: Sie haben in jungen Jahren schon viele Erfahrungen als Schauspieler gesammelt. Jetzt spielen Sie die Hauptrolle im TV-Spielfilm "Der Sohn" (Das Erste, 6. September, 20.15 Uhr), bei dem die Beziehung zwischen Mutter und Sohn in einer Tragödie endet. Was hat Sie an der Rolle des Stefan interessiert?

Es ist ein schönes Gefühl, am Set mit Menschen zusammenzuarbeiten, die man schon kennt. Ich habe vor ein paar Jahren schon mal mit Regisseur Urs Egger gedreht. Daher hatte ich auch zu diesem schwierigen Stoff sofort ein Vertrauensverhältnis. Und es war natürlich auch eine Herausforderung für mich, eine Hauptrolle zu spielen, zumal so eine emotionale.

Stefan wächst ohne Vater bei seiner Mutter Katharina (gespielt von Mina Tander) auf. Wie würden Sie sein Verhältnis zu ihr beschreiben?

Die beiden haben ein gestörtes Verhältnis, kein Vertrauen zueinander. Zwischen Stefan und seiner Mutter herrscht große Nähe und Intimität, aber eine, die in jedem Fall zu viel ist. Er möchte sich klar von seiner Mutter abgrenzen und seinen Freiraum haben. Die ungewöhnlich enge Bindung zwischen den beiden kommt daher, dass sie die einzige Bezugsperson ist, da es keinen Vater gibt. Ich bin als Stefan auch kein einfacher Sohn, möchte aus dieser Enge ausbrechen.

Wie ist das bei Ihnen persönlich? Sie sind ja nur wenig älter als Stefan ...

Ich bin meinen Eltern sehr dankbar. Es gab und gibt immer Geborgenheit und Vertrauen. Und vor allem hatte ich immer meine Freiräume. So sind mir die Charakterzüge von Stefan in dieser Schärfe absolut fremd. Natürlich kommt es in jeder normal verlaufenden Pubertät zu Konflikten zwischen Eltern und Kindern, aber in diesem Film ist der Konflikt sehr viel stärker.

Stefan ist ein Außenseiter, was auch an seinem Asthma liegt. Wie schwer war es, das zu spielen?

Ich habe selbst schwaches Asthma, deshalb konnte ich mir die Situation sehr gut vorstellen. Ich habe mich beim Spielen auf meine ureigene Intuition verlassen, konnte aber auch ein wenig auf eigene Erfahrungen zurückgreifen.

Streift man so eine Rolle direkt nach Drehschluss ab oder bleibt etwas haften?

Ich kann da sehr gut abschalten. Die Rollen, die ich spiele, haben keinerlei Einfluss auf mein reales Leben.

Sie gehen noch zur Schule, haben demnächst das Fachabitur im Visier, haben sich aber mit Ihrer intensiven Art der Schauspielerei bereits einen Namen gemacht. Da liegt die Frage nach den Zukunftsplänen auf der Hand ...

Früher wollte ich Formel-1-Fahrer, danach Pilot werden. Heute mache ich keine Pläne. Ich schaue lieber, was man aktuell machen und umsetzen kann. Also einfach machen statt planen.

Das heißt, Schauspieler ist nicht Ihr Berufswunsch?

Ganz vorne steht die Schule. Erst das Fachabitur, danach die allgemeine Hochschulreife. Da ich noch sehr jung bin, habe ich die Möglichkeit, alles zu überdenken. Die Schauspielerei als Hauptberuf ? Das hat mir – über die Jahre gesehen – wohl zu wenig Beständigkeit. Ich aber brauche für mein Leben die Beständigkeit.

Das Interview führte Matthias M. Machan.