Zum letzten Mal ist Matthias Brandt der Ermittler Hanns von Meuffels – und es nimmt ein tragisches Ende für seine Polizeiruf-Karriere.

Man fragt sich schon, was unangenehmer ist: Dem Mord an Christine Paasewalk (Katja Jerabek) beizuwohnen, während ihre Tochter Jasmina (Aurelia Schikarski) flüchten kann – eine Situation, die für einen Krimi schließlich nicht ungewöhnlich ist, auch wenn dieser Mord besonders brutal geschieht, besonders aufwühlend. Oder dabei zu sein, wenn Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) Grenze um Grenze überschreitet und versucht, Kontakt zu Constanze Hermann (Barbara Auer) zu halten, sie zurückzugewinnen, obwohl sie ihm das ausdrücklich untersagt hat. Zeuge zu werden, wie die Situation zwischen den beiden, von Unsicherheiten und Zögern geprägt, immer unerträglicher wird und dann zu sehen, wie er – während aus seinem Autoradio Samuel Barber sickert – zum Tatort fährt, um zu arbeiten, auch wenn es ihm sichtlich schwerfällt, beinahe unmöglich scheint.

Doch hier, am Tatort, wird es nicht besser. Von Meuffels' neue Kollegin, Nadja Micoud (herausragend: Maryam Zaree), versucht zwar, ihm die bisherigen Spuren und den vermuteten Tathergang zu erklären, doch auch zwischen den beiden herrscht nicht gerade Kollegialität, wie bei einem ruckeligen Online-Video stockt die Unterhaltung immer wieder, während Micoud versucht, Normalität herzustellen. "Sie haben's mit Vornamen, oder?" fragt von Meuffels sie beispielsweise, denn Micoud duzt alle ihre Kollegen. "Ein bisschen wie Ikea." Kein idealer Start für flüssige Ermittlungen.

Und es wird nicht besser. Von Beginn an hat von Meuffels das Gefühl, seiner Kollegin alle Fakten aus der Nase ziehen zu müssen über die Tote und die bisher ermittelten Hintergründe. "Das ist doch scheiße", wird er deutlicher, "das ist wie im Fernsehen, wo haben Sie denn das gelernt?!" Diplomatie war noch die Stärke des Kommissars.

Nein, all das wäre nicht leicht auszuhalten, auch das Verhalten von Jasminas Vater (Stephan Zinner), der seit sieben Jahren von seiner Frau geschieden ist und sich mit ihr das Sorgerecht geteilt hat, wäre nicht leicht auszuhalten. Doch immer wieder gibt es Momente, die das möglich machen, ein zaghaftes Lächeln auf dem Gesicht von Nadja Micoud, ein Halbsatz von Hanns von Meuffels, mit dem er seiner neuen Assistentin einen Schritt entgegenzugehen versucht, eine Spur im auf den ersten Blick verworrenen Mordfall, der ablenkt von all den zwischenmenschlichen Unzulänglichkeiten.

Dieses Drehbuch, es ist vollgestopft mit Möglichkeiten, mit hätte, könnte, wenn und aber, mit Hoffnungen – und ebenso vielen Enttäuschungen. Es ist aber auch vollgestopft mit guten Einfällen, der Art von Einfällen, die aus einem Krimi einen Fernsehfilm mit Mord machen, aus Ermittlern Menschen und aus Begegnungen Ereignisse. Und es wartet mit einem Ende auf, das nicht nur von Meuffels vor den Kopf stößt, sondern auch den Zuschauer, einem Ende, das so abgrundtief hässlich ist wie dieser ganze Fall – von Meuffels letzter Fall. Denn nein, das hier ist nicht "wie im Fernsehen", Herr von Meuffels. Das hier ist wie im Leben. Und das geht, mögen am Ende auch alle wieder lächeln, nicht immer gut aus.