Er schaut den Menschen beim Sprechen aufmerksam in die Augen, und keiner ahnt dabei, dass dieser Blick eine Lüge ist. Eine lebenswichtige Notlüge für Saliya Kahawatte, ein Held im wahren Leben und im Film "Mein Blind Date mit dem Leben" von Marc Rothemund.

Als Jugendlicher verlor Saliya 95 Prozent seines Sehvermögens. Trotz seiner Fast-Blindheit wollte er sich nicht damit abfinden, den Traum von einer Ausbildung zum Hotelfachmann zu begraben. Wie ein Mensch ein eigentlich unmögliches Ziel erreichen kann, davon erzählt die Komödie, die bei SAT.1 jetzt als Free-TV-Premiere läuft.

Von Anfang an fragt man sich, wie das funktionieren kann: Wie soll jemand, der die Welt als verschwommenen grauen Fleck aus Licht und Schatten wahrnimmt – die Kamera führt diese Perspektive den Zuschauern immer wieder vor Augen -, eine Ausbildung in einem Nobelhotel in allen Bereichen vom Zimmerservice bis zum Kellnern hinbekommen? Saliyas (Kostja Ullmann) ausgezeichnetes Gedächtnis lässt schon den Lehrer in der Schule stutzen. Dazu erarbeitet er sich mit viel Fleiß seine Umgebung, zählt Stufen, horcht in die Räume hinein und den Klang der Gegenstände ab. Wie sauber ein Glas ist, kann Saliya an einem Bing mit dem Finger erkennen.

Im Film wurde ihm ein Freund ins Drehbuch geschrieben, Typ: notorischer Münchner Partygänger (Jacob Matschenz) mit guten Beziehungen, der seine letzte Chance nutzen muss, bevor der Gastronomen-Papa den Geldhahn zudreht. Er wird Salis Buddy bei der Ausbildung im Bayerischen Hof und ist für die flotten Sprüche zuständig. Auch Wortspiele mit dem Begriff "blind" werden hier zur Gänze für Lacher ausgeschöpft.

Der Film lässt Salis tägliche Herausforderungen sehr mühelos aussehen. Nur für Slapstickgags kommt es zu Ungeschicktheiten und kleineren Unfällen. Rührend wird es, als der Küchenchef nach einem ernsten Vorfall zu ahnen beginnt, dass mit dem Lehrling etwas nicht stimmt. Er nimmt sich nach Dienstschluss Zeit, um mit ihm die gefährliche Schneidemaschine auseinanderzunehmen, damit er sich die Funktionen einprägen kann. Ein ehrlicher Moment, der jedoch wieder hinter einer etwas gezwungen wirkenden Romanze (Auftritt Anna Maria Mühe) und einem witzig-dramatischem Duell mit dem Bar- und Servicechef Kleinschmidt (Johann von Bülow) verschwindet.

Sympathisch und charmant zieht Hauptdarsteller Kostja Ullmann den Zuschauer auf seine Seite. Das klassische Erzählschema bringt ihn als Sali nach ersten Erfolgen natürlich auch zu einem Tiefpunkt der Überforderung und der Lügen. Formelhaft steuert der Film jedoch recht schnell auf ein unkompliziertes Happy End des Geläuterten zu. Humorvoll erklärt der Film, welche Hürden Blinde im Alltag zu nehmen haben. Doch Grenzen sind dazu da, eingerissen zu werden, mit allen Sinnen, die einem zur Verfügung stehen. Dabei zuzusehen, kann einem Komödien-Publikum hier durchaus Vergnügen bereiten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst