Rumänische Einbrecherbanden marodieren durch Hamburger Einfamilienhäuser, die Anwohner organisieren sich. Dürfen die das? Der "Tatort" warf wieder einmal einige Fragen auf.

Wenn sich das Leben in einer Hamburger Eigenheimsiedlung anfühlt wie im wilden Westen, ist einiges aus dem Lot geraten. Im "Tatort: Treibjagd" hatten es die norddeutschen Bundespolizisten Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) mit rumänischen Diebesbanden und schießwütigen "Hilfssheriffs" zu tun. Ist das Gründen einer Bürgerwehr in Deutschland eigentlich erlaubt? Wir haben Antworten auf diese und weitere drängende Fragen zum jüngsten Sonntagskrimi.

Worum ging's?

Um eine Einbruchsserie, die einer biblischen Heuschreckenplage glich. Thorsten Falke und Julia Grosz unterstützten im Film von Regisseurin Samira Radsi eine Hamburger Anti-Einbruchs-Soko. Doch im Anwesen des Vorstadtbewohners Dieter Kranzbühler (Jörg Pose) kamen sie zu spät. Der alleinstehende Mann hatte einen auf frischer Tat ertappten Rumänen erschossen und dessen junge Komplizin (Michelle Barthel) verletzt. Notwehr? Eher nicht. Um das zu vertuschen respektive zu beweisen, jagten der Bruder (Andreas Lust) des Todesschützen sowie die beiden Ermittler die angeschossene Augenzeugin durchs norddeutsche Unterholz.

Worum ging's wirklich?

Um die verborgene, gewaltsame Seite, die auch in biedersten Bürgern zum Vorschein kommen kann, wenn sie sich bedroht und von der Staatsmacht nicht ausreichend geschützt fühlen. Eine kühne Täter-Opfer-Rochade mutete einem das Drehbuch von Benjamin Hessler und Florian Oeller da zu. Obendrauf setzte es Medienkritik öffentlich-rechtlicher Prägung: "Internet-Videos sind was für Spacken", dozierte der im Netz verleumdete Torsten Falke. Fast hätten wir frech erwidert: "Manche 'Tatort'-Krimis aber auch."

Sind Einbruchsdelikte in Deutschland wirklich so ein eklatantes Problem?

Die Zahlen sind landesweit rückläufig, doch immer noch hoch: Alle vier Minuten wird in Deutschland eingebrochen. Wie Markus Hentschel, Leiter der Abteilung Bandenkriminalität bei der Kriminaldirektion Mainz, gegenüber dem NDR-"Kriminalreport" erläuterte, sei der Anteil ost- und südosteuropäischer Banden an Wohnungseinbrüchen in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Auch gebe es wechselnde "Einbruchs-Hotspots in Deutschland". So gerieten "bestimmte Vororte mit guter Autobahnanbindung" immer wieder ins Visier der Banden, wie Carsten Milius vom Bund Deutscher Kriminalbeamter erklärt: "Sie können das mit einem Heuschreckenschwarm vergleichen. Wenn das Gebiet abgegrast ist, zieht der Heuschreckenschwarm weiter in das nächste Gebiet."

Ist es in Deutschland legal, eine Bürgerwehr zu gründen?

Ausdrücklich verboten ist es nicht. Dass sich Anwohner organisieren, um in der Nachbarschaft "die Augen offenzuhalten", ist vom Gesetzgeber nicht untersagt. Auch ist es legitim, einen auf frischer Tat ertappten Straftäter bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Darüber hinausgehende Befugnisse, die sie in den Rang von "Hilfssheriffs" setzen würden, haben Bürgerwehren aber nicht.

Das heißt?

Bewaffnen dürfen sich Mitglieder einer Bürgerwehr ohne Weiteres selbstverständlich nicht. Auch haben sie keinerlei Befugnis, Ausweise oder Taschen zu kontrollieren. Problematisch an vielen Initiativen dieser Art ist überdies ihre ausländerfeindliche Motivation. "Rechtsextremisten betrachten Bürgerwehren als Gelegenheit, sich polizeiliche Befugnisse anzumaßen", warnte 2016 der sächsische Verfassungsschutz auf Anfrage der "Hamburger Morgenpost".

Wie geht es mit Kommissar Falke weiter?

Ihr nächster Fall führt die Bundespolizisten Falke und Grosz ins Truckermilieu. In der im Oktober abgedrehten Folge "Kollateralschaden" wird ein Lkw-Fahrer auf einem Autohof durch einen Heckenschützen ermordet. Ein psychisch gestörter Einzeltäter? Ein Erpressungsfall? Ausgestrahlt wird der Film von Autor Oke Stielow und Regisseur Stephan Rick voraussichtlich im kommenden Jahr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst