Ein bisschen kompliziert ist das schon: Der 3sat-Zuschauerpreis wird alljährlich seit 1996 parallel zum Baden-Badener Fernsehfilm-Festival vergeben. Sechs Tage lang – vom 24. bis zum 29. November, jeweils ab 20.15 Uhr – bietet 3sat den Zuschauern zwölf hochkarätige Fernsehfilme des vergangenen Jahres – eben jene, die auch die Jury in Baden-Baden sieht und diskutiert, um den Preis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste für Theater, Film und Funk zu vergeben.

Wichtig ist dabei die Begegnung zwischen Publikum und Machern. "Steckt der Fernsehfilm in der Krise?" lautet eine der Diskussionsrunden, mit der an den Baden-Badener Mitbegründer und einstigen ARD-Programmdirektor Hans Abich erinnert wird. Abich, der in diesem Jahr 100 geworden wäre, plädierte für "Aufklärung, Zumutung und Agitation" – all das, was im Zuge von Formatierung und Quote in den Hintergrund gerückt ist.

Auch, wenn die Vorauswahl der Fernsehfilme – sie wird von den Fernsehsendern selbst, sowie von Akademie- und Jurymitgliedern getroffen – eine wichtige Rolle spielt: Besondere Filme sind all die gezeigten Filme, hochwertiges Fernsehen sind sie durchaus. Allerdings, es dominieren die eher leicht "verkäuflichen" Themen. Man spürt: Die Redaktionen wollen wissen, was man an den Filmen hat. Selten wird die sprichwörtliche "Katze im Sack" gekauft – und genau die ist es doch, die Programme spannender machen könnte.

Diese zwölf Filme werden gezeigt

Auch einer der wohl originellsten Filme des Festivals und damit des 3sat-Zuschauerpreises 2018 ist auf sicherem Grund gebaut: "Unterwerfung" (RBB), mit Edgar Selge als Literaturprofessor in Frankreich, der sich einem islamischen Staat mitsamt Patriarchat und Polygamie ausgeliefert sieht, geht auf Michel Houellebecqs gleichnamigen Roman zurück. Allerdings ist es Titus Selge (Drehbuch und Regie) auf überzeugende Weise gelungen, dieses Psychodram in futuristischem Gewand so glaubhaft wie ironisch und sarkastisch umzusetzen. Zweifellos ein Anwärter für den Festival- aber auch für den 3sat-Zuschauerpreis. Der Film läuft bei 3sat am 29.11., um 20.15 Uhr.

Annsonsten finden sich mehrere Ehe- und Patchworkfilme im Programm. Hubert und Helga, gespielt von Josef Hader und Brigitte Hobmeier, sind längst nicht mehr verheiratet, aber samt Kindern im Patchwork bestens aufgehoben. Eigentlich wollte das Hubert schon immer seiner Mutter sagen, doch er hatte das bis jetzt, bis zum Geburtstag der alten Dame nie gewagt. Und Hubert wird noch einmal lügen. 3sat sendet die Tragikomödie "Die Notlüge" (ORF / SWR) am Samstag, 24. November, um 21.55 Uhr.

Auch in "Südstadt" (ZDF) müssen drei Paare ihre Lebensverhältnisse auf den Prüfstand stellen. Die einen stehen vor der Scheidung, die anderen verlieben sich gerade neu, Kinder und Arbeit haben ihren Preis (26.11., 20.15 Uhr). Mitten in einer Lebenskrise findet sich Maria Kowalke (Petra Schmidt-Schaller) in Sherry Hormanns emanzipatorischer Komödie "Wir lieben das Leben" (ZDF). Sie hat gerade die Scheidung eingereicht, als ihr entfremdeter Vater erneut in ihr Leben tritt, weil er nicht mehr in seiner Seniorenresidenz leben will (27.11., 20.15 Uhr). Und auch Silvia und Gustav (Catrin Striebeck, Matthias Brandt) haben sich in "Toulouse" (HR) eigentlich nach 19-jähriger Ehe getrennt. Als sie sich an der Côte d'Azur noch einmal treffen, kommt es zu einer subtilen Zimmerschlacht, die schauspielerisch nichts zu wünschen übrig lässt. Zumindest für die Darsteller: durchaus preisverdächtig (27.11., 21.45 Uhr).

Der Rest ist, grob genommen, Culture-Clash und subtile Historie: Der Eröffnungsfilm "Kästner und der kleine Dienstag" (ARD / ORF, 24.11., 20.15 Uhr ) und "Die Freibadclique" (SWR / ARD, 25.11., 20.15 Uhr) können jeweils als Hommage an große Autoren gelten – an Erich Kästner und seine Freundschaft mit einem kleinen Fan zu Zeiten der Nazis, an Oliver Storz und seine Erinnerungen an letzte Jugendtage in Baden-Württemberg vor dem Ausbruch des Krieges.

Viel zu denken gibt das WDR-Drama "Fremder Feind" (Drehbuch: Hannah Hollinger, Regie: Rick Ostermann, am 26.11., 21.45 Uhr), in dem sich für einen Vater das Kriegsschicksal seines Sohnes auf privater Ebene wiederholt. In "Saat des Terrors" (SWR / ARD, 28.11., 20.15 Uhr) von Daniel Harrich kann schließlich eine BND-Agentin (Christiane Paul) bevorstehende Anschläge in Pakistan nicht verhindern. In "Fremde Tochter" (SWR, 29.11., 22.00 Uhr) von Stepphan Lacant müssen sich zwei junge Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen gegen ihre Umwelt behaupten.

Zwei Krimi-Hochkaräter runden das ganze ab: Die Handlung des Schweizer Tatorts "Die Musik stirbt zuletzt" (SRF, 25.11., 22.00 Uhr) spielt in Echtzeit anlässlich eines Holocaust-Gedenkkonzerts im Luzerner Kongress- und Kulturzentrum, die Dokufiction "Ein Kind wird gesucht" (ZDF / ARTE) hält sich strikt an die Ermittlungsakten im Fall des 2010 in Grefrath verschwundenen Mirco und an die aufreibende Arbeit der größten Sonderkommission der Nachkriegsgeschichte. Als deren leitender Kommissar brilliert im Film Heino Ferch (28.11., 21.45 Uhr).


Quelle: teleschau – der Mediendienst