Das erfolgreichste Videospiel wurde als "Warcraft: The Beginning" verfilmt. Längst überfällig oder unnötig? An den Kinokassen jedenfalls floppte der Streifen.

"Lok'tar Ogar!" – So schallt es täglich aus Millionen Computerlautsprechern und -Headsets: Sieg oder Tod, auf Orcisch. Der Schlachtruf stammt von den Grünhäutern aus "World Of Warcraft", dem kommerziell erfolgreichsten Videospiel überhaupt. Das grobe Prinzip: Zocker und ihre Avatare treffen sich in den Online-Welten des Spiels, bilden Gruppen (Clans) und ziehen zusammen in große Schlachten. Zu Spitzenzeiten hatten zwölf Millionen Gamer das monatliche Abo gebucht. So viele sind es heute zwar nicht mehr, doch die Beliebtheit ist weiterhin hoch: Erst kürzlich erschien mit "Battle for Azeroth" sogar eine brandneue Erweiterung. Kein Wunder also, dass dem Spiel 2016 mit "Warcraft: The Beginning" endlich ein filmisches Denkmal gesetzt wurde, das RTL nun in einer Free-TV-Premiere zeigt.

Hierfür wurde eine denkbar einfache Story gestrickt: Bislang herrschte Frieden auf Azeroth, dem Planeten der Menschen. Doch im Universum passiert Schlimmes. Draenor, die Heimat der Orcs, ist dem Untergang geweiht. Nun suchen deren furchteinflößende Krieger einen neuen Platz für ihr Volk und reisen per magischem Portal nach Azeroth. Ein bitterer Krieg zwischen Menschen und Orcs bahnt sich an.

Doch es gibt eine noch viel größere Bedrohung – für beide: Gul'dan (Martin Wu, wie alle Orcs dargestellt durch Motion Capturing), der tyrannische Orc-Schamane, versucht, die Welt mithilfe dunkler Magie zu erobern, die er allerdings noch nicht komplett zu beherrschen scheint. Er will den vollständigen Angriffstrupp der Orcs, die "Horde", durch das Portal nachholen, braucht dazu jedoch mehr magische Kraft.

Sohn von David Bowie führte Regie

Deshalb korrumpiert er den "Wächter" Medivh (Ben Foster, "Feinde - Hostiles"), den obersten Magier der Menschen. Sehr zum Ärger des großen Menschen-Kriegers Anduin Lothar (überzeugend: Travis Fimmel), erhoffte dieser sich doch magische Unterstützung, um die Orc-Horden zurückzuschlagen. Lothar braucht ein Bündnis zwischen den Rassen, Unterstützung aus den Reihen der Orcs. Doch wie soll er das anstellen?

David-Bowie-Filius Duncan Jones gibt sich als Regisseur sichtlich Mühe, dem Film eine gute, ausführliche Storyline zu verpassen. Doch: Im Grunde ist die Geschichte so banal wie vorhersehbar und dient lediglich dazu, den nächsten Zweikampf, die nächste Schlacht, die nächste magische Auseinandersetzung einzuleiten. Immerhin: Langweilig wird das nicht.

Denn was es zu sehen gibt, sind vor allem atemberaubende Digitaleffekte. Nicht nur verschmelzen reale Aufnahmen und computergenerierte Welten miteinander, auch die Visualisierung der Magie ist atemberaubend. Noch dazu überzeugen sowohl die menschlichen als auch orcischen Figuren: Fimmel bewies schon bei "Vikings", dass er für raue Rollen bestens geeignet ist. Aber auch Foster, Ben Schnetzer als ehemaliger Zauberlehrling Khadgar und einige Orc-Darsteller lockern den Film mit einer selbstironischen, augenzwinkernden Art angenehm auf.

Dass es trotz des vollmundigen Titels "The Beginning" wohl nicht zu Fortsetzungen kommen wird, ist dem ernüchternden Einspielergebnis geschuldet. In den USA floppte der Film katastrophal, weltweit durfte sich das Werk vor allem dank des Erfolgs in China etwas besser positionieren. Schwarze Zahlen konnte die Multimillionendollarproduktion alleine durch die Kinoauswertung aber nicht für sich verbuchen. Paradoxerweise ist "Warcraft" trotz allem die derzeit erfolgreichste Videospielverfilmung aller Zeiten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst