Der Bremer Tatort "Zurück ins Licht" war ein Krimi der faden Sorte. Lediglich Fans von Oliver Mommsen dürfte gefallen haben, was am Sonntag im Ersten zu sehen war.

Sie wollten schon immer mal Oliver Mommsen spiltterfasernackt sehen? Dann waren Sie im "Tatort: Zurück ins Licht" (Regie: Florian Baxmeyer) richtig. Sie wollten mal wieder richtig gute Krimiunterhaltung? Dann war der Sonntagskrimi aus Bremen leider die falsche Wahl. Statt Spannung gab's viel Zwischenmenschliches, allerlei Liebeleien – und zwei Kommissare, die sich gegenseitig nicht viel zu sagen haben.

Worum ging's?

Zunächst fanden Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) nur einen Finger – wenig später dann den Körper zum abgetrennten Glied, tot natürlich. Bei dem Opfer handelte es sich um den ehemaligen Chef eines Pharmakonzerns. Schon vor Monaten war der Mann ums Leben gekommen, wirklich vermisst hatte ihn aber nicht einmal seine Gattin Judith (Victoria Fleer). In gewohnt routinierter "Tatort"-Manier klapperten Lürsen und Stedefreund mögliche Zeugen und Tatverdächtige ab, währenddessen wurden Fassaden aufgebaut und wieder abgerissen, viel Zwischenmenschliches also – zu viel. Irgendwann gingen mit den Beteligten gar die Hormone durch, und jeder trieb es mit jedem – Stedefreund mit Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram), Stedefreund mit der Hauptverdächtigen, die Hauptverdächtige mit einem dubiosen Ex-Kollegen ...

Wie waren die Ermittler in Form?

Stedefreund, das lässt sich zweifelsohne sagen, war ziemlich gut in Form. Splitterfasernackt präsentierte sich Deutschlands heißester "Tatort"-Ermittler (so urteilten zumindest die Teilnehmer einer Umfrage vom vergangenen Jahr) und hielt sogar seinen kleinen Kommissar in die Kamera. Sonst aber hat nur wenig geknistert in diesem Film. Lürsen schlurfte gelangweilt von Haustür zu Haustür, um Standardfragen herunterzuspulen, die Chemie zwischen ihr und Stedefreund stimmte auch nicht wirklich.

Worüber wird zu reden sein?

Kein "Tatort" ohne gesellschaftskritischen Anspruch, das galt auch für "Zurück ins Licht". Wirklich spannende Fragen wurden allerdings erst auf den letzten Metern aufgeworfen. Da ging es plötzlich um die Rolle der Pharmaindustrie: Verwenden manche Unternehmen minderwertige Zutaten aus dem Ausland, um die Herstellungskosten zu drücken? Eine spannende Frage, die das Drehbuch (Christian Jeltsch und Olaf Kraemer) aber am Rande interessierte. Schade.

Wer hatte den besten Auftritt?

Eindeutig Nadeshda Brennicke! Als Maria Voss, die nach einem schweren Unfall erst lernte, wieder zu laufen, und dann mit aller Kraft zurück ins Berufsleben finden wollte, war sie der faszinierendste Charakter in einem ansonsten blassen "Tatort". Brennicke, 44, spielte ihre Rolle als nur schwer fassbare Frau, die nach außen hin nichts weiter zu sein schien als Fassade, in deren Inneren es aber brodelte. "Nur wenige Männer ertragen auf Dauer eine erfolgreichere Frau", sagte diese frustrierte, schmerzlich gescheiterte Person einmal.

Wie gut war der "Tatort"?

Nichts ist so beständig wie der Wandel: Manchmal beschleicht einen das Gefühl, die Macher des Bremer "Tatorts" hätten sich diesen Kalenderspruch gerahmt über den Schreibtisch gehängt. Denn in der Hansestadt wechseln sich hervorragende mit ziemlich missratenen Filmen ab. Im Fall von "Zurück ins Licht" war leider mal wieder ein eher überflüssiger "Tatort" an der Reihe. Wir vergeben die Note 4.

Wie oft sind Lürsen und Stedefreund noch im "Tatort" zu sehen?

Anfang Januar verkündeten Sabine Postel und Oliver Mommsen, beim Bremer "Tatort" auszusteigen. Drei Filme, hieß es damals, sollen noch gedreht werden, der letzte Fall des Bremer Duos soll im Frühjahr 2019 ausgestrahlt werden. Den "Tatort" an sich sieht Postel übrigens äußerst kritisch: "Der 'Tatort' ist kein Ritterschlag mehr für Schauspieler, wie er es einmal war", sagte sie kürzlich im Interview. "Die Rollen werden zwar immer noch mit sehr guten Schauspielern besetzt, aber das Ganze ist längst inflationär angelegt. Das finde ich schade. Jede Stadt möchte mittlerweile ein eigenes Team haben, und manchmal überleben diese Teams nicht sehr lange."


Quelle: teleschau – der Mediendienst