TV-Premiere im ZDF

"Teheran Tabu": die fragwürdige Doppelmoral als Animationsfilm

von Andreas Schoettl

Im Mittelpunkt des Animationsfilm "Teheran Tabu", den das ZDF am Montagabend zeigt, stehen die Schicksale dreier Frauen. Doch auch Männer sind von den Tabus der Mullahs betroffen.

ZDF
Teheran Tabu
Animationsspielfilm • 04.05.2020 • 23:55 Uhr

Pari arbeitet als Prostituierte. Sie muss Geld verdienen. Für sich, für den Unterhalt ihres fünfjährigen Sohnes. Mag es vergleichbare Schicksale auch im vermeintlich reichen Westen geben, im Iran erreichen sie eine schon absurde Dimension! Der im Mullah-Staat geborene und inzwischen in Deutschland lebende Regisseur Ali Soozandeh zeigt das in seinem Langfilmdebüt schonungslos auf. "Teheran Tabu" zeigt die Kluft, die sich in der islamisch-iranischen Gesellschaft zwischen den staatlichen und religiösen Moralvorschriften sowie dem Leben im privaten Raum erschreckend weit öffnet. Sein bei zahlreichen Festivals ausgezeichneter Film ist nun im Zweiten erstmals zu sehen. Er läuft innerhalb der Reihe "Sehnsucht nach Freiheit – Drei internationale Spielfilme".

Der Spielfilm reflektiert eine hemmungslos feiernde Clubszene, dazu Drogen und käuflicher Sex zwischendurch: Im Iran durfte Soozandehs Film nicht gezeigt und erst recht nicht gedreht werden. Um den Originalschauplätzen Teherans und der beklemmenden Atmosphäre dennoch möglichst nahezukommen, nutzte der Regisseur die Rotoskopie-Technik. Dabei wurden die Szenen mit echten Schauspielern, zumeist iranische Exilanten aus Wien, gefilmt, die Hintergründe später eingesetzt. Durch die Verwendung eines Animationsprogramms erhielt das Material schließlich noch einen einprägsamen Comic-Look, der weiteren Raum für Spekulationen öffnet, wie schizophren es im Iran wohl tatsächlich zugehen möge.

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Mitten im dichten Verkehr Teherans sitzt die Prostituierte Pari auf dem Beifahrersitz eines Autos. Ihren stummen Sohn hat sie derweil auf der Rückbank positioniert. So hat der Junge wenigstens kaum einen Blick auf das Treiben vor ihm. Pari verpasst dem Fahrer einen Blowjob. Für den ungepflegt wirkenden Mann scheint der Akt ganz selbstverständlich – trotz des Verkehrs, trotz des Jungen hinter ihm.

Als der Fahrer jedoch zufälligerweise auf dem Gehweg seine unverheiratete Tochter erkennt, rastet er aus. "Hinterhältiges Luder, diese verlogene Schlampe", brüllt er. Und das nur, weil die Tochter mit einem Mann öffentlich Händchen hält. Gleichzeitig aber soll Pari ihrem unwürdigen Geschäft weiter nachgehen. "Halt den Mund, das ist etwas anderes", schnaubt der Freier.

Das Schicksal Paris ist nur eines der Beispiele, mit denen Regisseur Soozandeh aufdeckt, wie völlig irrational Freiheit, Sex und Selbstverwirklichung im islamischen Gottesstaat an die Wand gefahren werden. Die junge Sara beispielsweise fristet ein trauriges Hausfrauendasein. Sie leidet unter dem Joch ihres Mannes und dessen strenggläubigen Eltern. Viel lieber würde sie als Lehrerin arbeiten.

In einem Club treiben es Donya und der Musiker Babak spontan auf der Toilette. Beide stehen unter Drogeneinfluss. Die schnelle Nummer jedoch hat Folgen. Donya will sich angesichts ihrer bevorstehenden Hochzeit die Jungfräulichkeit wiederherstellen lassen. In dunklen Ecken und versteckten Praxen Teherans soll dies möglich sein. Und Babak soll dafür blechen. Über Geld jedoch verfügt er nicht.

Mit "Teheran Tabu" startet das ZDF seine neue Reihe "Sehnsucht nach Freiheit – Drei internationale Spielfilme". Es folgen "In der Mitte des Flusses" am Montag, 11. Mai, 0.25 Uhr, und "Der Eindringling" am Montag, 18. Mai, 0.10 Uhr.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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