Sieben Männer, eine Frau, eine abgeschiedene Hütte, ein blutiger Showdown – klingt nach einem spannenden Setting. Dabei passiert lange Zeit fast nichts in "The Hateful Eight" (2015), dem achten Film von Quentin Tarantino. Hätte irgendein namenloser Nachwuchsregisseur diesen Film vorgelegt, gut möglich, dass er ihm um die Ohren gehauen worden wäre. Aber irgendeinem namenlosen Nachwuchsregisseur wäre es eben auch nicht gelungen, eine solch grandiose Schauspielerriege zusammenzuführen wie Tarantino.

Nachdem hierzulande über eine Million Kinotickets gelöst wurden, zeigt nun RTL den überlangen Film. Ungewöhnlich: Der Sender strahlt "The Hateful Eight" in zwei Teilen aus und sendet beide hintereinander. So mussten bei dem sehr blutigen Film nur in der ersten, zur Primetime startenden Hälfte wenige Sekunden geschnitten werden. Der zweite, äußerst brutale Teil, der erst um 22.05 Uhr startet, kann hingegen ungeschnitten gesendet werden.

Rassismus, Gewalt, Stolz – Stammtisch anno 1870

Irgendwo in Amerika, kurz nach dem Bürgerkrieg: In einer Kutsche treffen der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) und seine Gefangene Daisy Domerque (Jennifer Jason Leigh) auf Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson), gleichfalls Kopfgeldjäger, und den Deserteur Chris Mannix (Walton Goggins). Da ein Schneesturm droht, macht die Kutsche Station bei Minnies Kleinwarenladen, der zugleich eine Kneipe ist.

Dort sitzt der Rest der "Hateful Eight": der schweigsame Cowboy Joe Gage (Michael Madsen), der ehemalige General Sandford Smithers (Bruce Dern) und der Maxikaner Bon (Demian Bichir). Letzter im Bunde und auf den ersten Blick die tiefgründigste Figur ist der durchaus redselige Oswaldo Mobray, eine Rolle wie maßgeschneidert für Tim Roth. Er gibt sich als Henker von Red Rock zu erkennen, was demnach bedeutet: Er wird es sein, der Daisy Domerque richten wird, sofern man sie denn verurteilt.

Man redet, feixt, misstraut einander, während draußen der Sturm tobt. Es ist das gesammelte prahlerische Geschwätz eitler, selbstverliebter Amerikaner Mitte des 19. Jahrhunderts. Rassismus, Gewalt, Stolz – Stammtisch anno 1870. Die Tür wird vernagelt, damit sie der Sturm nicht aufbricht. Kaffee wird getrunken, doch das alles geschieht vor der Kulisse potenzieller Konflikte, die – da darf man sich sicher sein – irgendwann auch ausgetragen werden. Zumal sich bald die Frage stellt: Wo ist eigentlich jene Minnie, die ja die Namensgeberin des Ladens, aber nicht aufzufinden ist? Wer spielt hier mit offenen Karten? Wer hat was zu verbergen? Wer führt womöglich was im Schilde?

Mixtur aus Western, Thriller und Komödie

Weil das hier ein Tarantino-Film auf der Basis eines Tarantino-Buches ist, wartet man geduldig – wenn es sein muss auch mal zwei Stunden lang, ehe das passiert, was es eben auch in jeder Erzählung des ungewöhnlichen Filmemachers gibt: Mord und Totschlag.

Es ist eine eigenwillige Mixtur aus Western, Thriller und einem Hauch Komödie, die Tarantino hier kompromisslos in Szene setzte. Gewissermaßen als Bühnenstück, interessant fotografiert im fast vergessenen, extrabreiten Ultra Panavision 70 und klanglich brillant untermalt von Ennio Morricone, der mit einem Oscar für die beste Filmmusik ausgezeichnet wurde. So ist "The Hateful Eight" ein Film, der ob seiner gezielten Längen das Potenzial zu gefallen ebenso hat wie zu erzürnen. Mit feinen Dialogen, mit einigen humorvollen Momenten und am Ende mit reichlich Blut. Sowas mag man oder nicht. Tarantino ist und bleibt der eitelste Filmemacher dieses Planeten. Was er macht, ist Kunst. Glaubt er. Und wahrscheinlich hat er ja auch Recht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst