Sex, Drogen und Co: Was war mit Sex-Business-Magnat Paul Raymond wirklich los? Michael Winterbottoms Biopic "The Look Of Love" sucht nach Antworten. Optisch kann der Film bestehen, aber die Geschichte erscheint lückenhaft und ungereimt.

"Wir sind hier nicht in Deutschland", zischt der Fotograf ein Modell an, das allzu offenherzig für ein Erotikmagazin namens "Men Only" posiert. Dem Herausgeber Paul Raymond, erotomanischer Geschäftsmann in Sachen Sex, kann es dabei nicht nackt genug sein, nur verträgt das prüde England der 1960er-Jahre davon nicht so viel. Noch nicht. "The Look of Love" bietet ein Biopic des wahrlich umtriebigen Unternehmers, dessen Vermögen das der Queen übertraf. Dass Regisseur Winterbottom und Drehbuchautor Matt Greenhalgh ("Control") dabei streng chronologisch vorgehen, schafft paradoxerweise mehr Verwirrung als Klarheit über die schillernde Persönlichkeit Raymonds. 3sat zeigt das biografische Drama nun als Free-TV-Premiere.

Mitte der 1950-er taucht in London ein junger Mann aus bescheidensten Verhältnissen auf, der sich Paul Raymond (Steve Coogan) nennt und beginnt, ambitionierte Striptease- und andere Erotikshows zu betreiben. Sein Gespür für den öffentlichkeitswirksamen, aber wohl kalkulierten Tabubruch beschert ihm immer größeren Erfolg. Ganz wie ein respektabler Kaufmann lässt er sich mit seiner Frau Jean (Anna Friel) und den Kindern Howard (Matthew Beard) und Debbie (Imogen Poots) in einem stattlichen Herrenhaus nieder. Doch als er mit seinem Revuegirl Fiona Richmond (Tamsin Egerton) durchbrennt, verfällt er einem Lotterleben aus Gruppensex, Drogenrausch und kostspieligen Partys, in das Tochter Debbie im Teenageralter hineingezogen wird. Raymonds Reichtum wächst indes bis in die 80er-Jahre hinein beständig an.

Dem nostalgischen Szenenbild und den Aufnahmen in weichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen und matt gehaltenen Farbtönen ist es vor allem zu verdanken, dass der filmische Gang durch die Jahrzehnte eines Lebens wenigstens optisch bestehen kann. Die Instrumentalversion des titelgebenden alten Hits "The Look Of Love" nutzt sich hingegen rasch ab, muss sie doch von einer Etappe in Raymonds Vita zur nächsten überleiten. Schlimmer ist aber, dass die ermüdende und bald beliebig anmutende Aneinanderreihung die Geschichte Paul Raymonds und seines Anhangs ziemlich ungereimt und sehr lückenhaft erscheinen lässt.

Recht einseitig erklärt Winterbottom den Milliardär zum Opfer seiner Gier, zur tragischen Figur, die an der Unvereinbarkeit von Liebe und Geld zerbricht. Aber haben speziell reiche Leute Probleme mit Drogen und Lieblosigkeit? Statt platter Kapitalismuskritik hätte Winterbottom vielleicht eher das Bild von Frauen als exhibitionistische Glamoursüchtige hinterfragen sollen, dem sein Film Vorschub leistet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst