Für die ProSieben-Show "The Masked Singer" wurde Schlagersängerin Stefanie Hertel zum Panther. Für die 40-Jährige die ideale Gelegenheit, mit volkstümlichen Klischees zu brechen.

Seit vier Wochen entfacht ProSieben großes Rätselraten: Welche Prominenten verbergen sich wohl unter den aufwendig gestalteten Kostümen der Show "The Masked Singer"? Fünf der Verkleideten mussten sich bereits enttarnen, kommenden Donnerstag, 1. August, geht das Live-Finale über die Bühne. Doch wie ist es eigentlich, in einem dieser Kostüme zu stecken? Am gestrigen Donnerstag, 26. Juli, musste die Maske des Panthers weichen, unter der sich – wie viele schon vermuteten – Schlagersängerin und Geburtstagskind Stefanie Hertel verbarg. Im Interview verrät sie, was das Kostüm für sie bedeutete, wie sie mit der Geheimhaltung zurechtkam und warum es wichtig ist, auch als Schlagersänger ab und an aus den Klischees auszubrechen.

prisma: Bei Ihrem Auftritt bei "The Masked Singer" hatten Sie einen sexy Catsuit an, der so ganz anders war als Ihre bekannten Dirndl. Wie war das für Sie?

Stefanie Hertel: Zehn Prozent meiner Bühnenzeit habe ich mein Dirndl an, das stimmt. Das ist aber das, was sich bei den Leuten eingeprägt hat, weil ich das früher oft anhatte. Den Rest meiner Bühnenperformances trage ich alles Mögliche, unter anderem auch sehr schöne, sexy Kostüme. Aber natürlich war das Panther-Kostüm schon sehr speziell und sehr heiß und hat dementsprechend für Wirbel gesorgt, was ich natürlich sehr spannend fand.

prisma: War die Show eine Art Ausbruch für Sie?

Hertel: Man kann unter einer Maske viel ausprobieren. Man steckt in einer Rolle, in der man sich ganz anders ausleben kann, als wenn man als Künstler auf der Bühne steht, den jeder kennt und der möglicherweise auf Ablehnung stößt oder Vorurteilen ausgesetzt ist. Die kommen einem unter der Maske nicht entgegen und somit kann man sich viel freier bewegen, weil keiner so richtig weiß, wer das jetzt eigentlich ist.

prisma: War es heiß in dem Kostüm?

Hertel: Ja, allerdings. Vor allem gestern, das war wirklich ein heißer Tag. Die erste Woche war schon so heiß, aber da kam es mir noch nicht so schlimm vor wie gestern. Ich habe so dermaßen geschwitzt unter diesem Kostüm!

prisma: Dürfen Sie das Kostüm behalten?

Hertel: Nein. Also, ich habe auch nicht gefragt, aber ich gehe davon aus, dass das nicht geht. Die anderen Kostüme stehen als Statuen herum, das ist Eigentum des Senders oder der Produktion. Und was will ich mit dem Kostüm auch anfangen? Ich werde nicht als Miezekatze oder als Panda herumlaufen. (lacht) Als Erinnerung wäre es natürlich schön, aber ich glaube nicht, dass das geht.

prisma: Sie waren schon länger als Star unter der Maske des Panthers im Gespräch. Wie hat Ihre Fangemeinde darauf reagiert?

Hertel: Die Fans haben natürlich auch spekuliert, aber die haben mich größtenteils erkannt. Klar, ein Fan, der mich und meine Stimme seit Jahren kennt, der ist sich seiner Sache ziemlich sicher. Aber ich glaube, die Fans fanden das alle ziemlich toll.

prisma: Wie lief es mit der Geheimhaltung?

Hertel: Das ist im Vorfeld das größte und wichtigste Thema bei der Show. Es werden alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt, um das geheim zu halten. Und da habe ich alles daran gesetzt. Ich habe falsche Fährten gelegt und möglicherweise auch ein paar Leute angeflunkert, was mir besonders schwer fiel, weil ich normalerweise sehr ehrlich und eine sehr schlechte Lügnerin bin. Ich musste teilweise sehr schauspielern.

prisma: Wusste jemand aus Ihrem Umfeld Bescheid?

Hertel: Mein Mann und meine Tochter wussten Bescheid. Sonst niemand.

prisma: Und es hat sich niemand verplappert?

Hertel: Nein. Es war aber tatsächlich so, dass es hin und wieder eine Situation gab, wo ich gedacht habe: "Ups, jetzt hab ich was gesagt, was theoretisch darauf hindeuten könnte." Aber im Grunde verplappert habe ich mich nicht.

prisma: Wie war es für Sie, englischsprachige Popsongs und sogar einen Musical-Song auf der Bühne zu singen?

Hertel: Musical habe ich schon mehrfach gespielt, wie auch in diesem Jahr: Im Dezember bin ich in Nordhausen am Theater und spiele "Vom Geist der Weihnacht". Insofern war das für mich nichts Neues. Auch englische Popsongs habe ich schon mehrfach gesungen. In meinen Bühnenshows singe ich zum Beispiel unter anderem ABBA, da ich ein großer Fan von ABBA bin, aber auch diverse andere Songs. Ich habe Konzerte gegeben, in denen ich Swing gesungen habe. Ich habe bei einem Philharmonic-Rockkonzert mitgemacht und habe Pink und Lady Gaga gesungen. Ich habe da schon jede Menge ausprobiert. Aber natürlich waren es immer Auftritte, die nicht so eine riesige Medienpräsenz hatten wie "The Masked Singer". Insofern hat mir das sehr geholfen, um in der Welt da draußen mit gewissen Vorurteilen aufzuräumen.

prisma: Könnten Sie sich vorstellen, noch weiter zu gehen und ein Pop-Album zu veröffentlichen?

Hertel: Nein, das ist nicht mein Bestreben. Darum geht es mir überhaupt nicht, ich liebe Schlager und Volksmusik. Außerdem ist Schlager inzwischen breit gefächert. Viele Lieder, die momentan im Schlager aktuell sind, sind eigentlich eher Pop oder Rock, also ich kann im Bereich Schlager jede Menge machen. Und das mache ich auch. Auf meinem aktuellen Album hört man viele Klänge von verschiedenen Genres, wo man vor 20 Jahren gesagt hätte: "Das hat doch nichts mehr mit Schlager zu tun." Das alles ist heute im Schlager möglich.

prisma: Viele Menschen haben noch ein Klischee im Kopf ...

Hertel: Mir war es wichtig zu zeigen, dass Leute aus dem Schlager keine Dummchen sind, die ein bisschen Sing-Sang machen, sondern das im Schlager viele großartige Künstler arbeiten, allen voran Helene Fischer oder Andreas Gabalier. Ich bin sehr dankbar, dass es diese Künstler gibt, die mit gewissen Vorurteilen aufgeräumt haben. Heute ist es keine Schande mehr, Schlagerfan zu sein. Das bekomme ich auch von vielen Seiten zu spüren. Inzwischen gibt es viele Leute in meinem Alter, die sich bei mir melden und sagen, sie wären als Kind großer Fan von mir gewesen. Zwischendrin allerdings nicht mehr, weil Schlager out war, und inzwischen finden Sie meine Musik wieder großartig. Das sind tolle Geschichten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst