"Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn" – die Neuverflimung des Klassikers – wartet mit beeindruckenden Kulissen, Special Effects und Actionszenen auf. Dennoch muss man sich am Ende fragen, ob es wirklich nötig war, diesen Stoff nochmal auf die Leinwand zu bringen. ProSieben zeigt den Fantasy-Horrorfilm als TV-Premiere zu später Stunde.

Knapp 200 Jahre nach der Veröffentlichung von Mary Shelleys Gruselroman "Frankenstein" wagte sich der britische Regisseur Paul McGuigan ("Lucky Number Slevin") an eine filmische Neuinterpretation des Klassikers. Im Zentrum der Geschichte steht bei ihm Frankensteins (James McAvoy, "X-Men: Apocalypse") namenloser Assistent (Daniel "Harry Potter" Radcliffe), der zu Beginn des Films ein trauriges Dasein als buckliger Freak in einem Londoner Zirkus fristet. Wenn er nicht gerade in der Manege zur Belustigung der Zuschauer gequält wird, studiert der clevere junge Mann heimlich anatomische Lehrbücher. Er ist es deshalb auch, der in "Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn" (2015) der Trapezkünstlerin Lorelei (Jessica Brown Findlay) das Leben rettet, als diese während der Vorstellung aus luftiger Höhe abstürzt. 

Durch diese Heldentat wird der ehrgeizige Medizinstudent Victor Frankenstein auf den Zirkusclown aufmerksam, befreit ihn aus seinem Käfig, nimmt ihn mit nach Hause und verpasst ihm den Namen Igor. Der Buckel entpuppt sich als jahrelang unbehandelter eitriger Abszess, den Victor kurzerhand absaugt. Gemeinsam widmen sich die beiden von nun an Frankensteins Forschungsprojekt: zusammengeflickte tote Körper mithilfe von Elektrizität zu neuem Leben zu erwecken.

Musste eine weitere Neuverfilmung der alten Geschichte vom modernen Prometheus wirklich sein? Regisseur McGuigan probiert eine ganze Menge, um das Publikum für seine Version zu gewinnen: "Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn" bietet einen detailverliebten Blick auf das historische London und wartet mit beeindruckenden Kulissen und pompösen Kostümen auf. Dazu kommen jede Menge überzeugende Special Effects und rasante Actionszenen mit nostalgischem Steampunk-Flair.

Grundsätzlich fehlt "Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn" allerdings jegliche Art von subtilem Humor oder modernem Twist. Die Voraussetzungen dazu hätte der Film durchaus gehabt. Auch von Autor Max Landis ("Dirk Gentlys holistische Detektei", "Chronicle – Wozu bist du fähig?") hätte man mehr erwarten dürfen. Kein Wunder also, dass der (wenngleich ambitionierte) Film auch an den Kinokassen heftig floppte. Auf die Frage, ob man Tote (filmisch) wiedererwecken darf, kann es daher nur eine Antwort geben: Ja – man sollte ihnen allerdings auch neues Leben einhauchen.

Ab 6. September ist Paul McGuigans neuestes Werk, das bewegende Biopic-Liebesdrama "Film Stars Don't Die in Liverpool" fürs Heimkino erhältlich. In dem Streifen verliebt sich Jamie Bell als Peter Turner in die exzentrische Schauspielerin Gloria Grahame, dargestellt von der brillanten Annette Bening.


Quelle: teleschau – der Mediendienst