Nach fast 33 Jahren verlässt Schauspieler Joachim Luger die "Lindenstraße". Hans Beimer stirbt den Serientod, so viel ist bekannt. "Ich sage nur, dass es dramatisch werden wird", verrät Luger.

Jeder kennt diesen Mann: den etwas biederen, aber stets integeren Familienvater Hans Beimer, der seit der allerersten Szene der ersten Folge 1985 fester Bestandteil der "Lindenstraße" ist. Doch jetzt ist Schluss. Schauspieler Joachim Luger (74) lässt Hans Beimer den Serientod sterben – nach fast 33 Jahren läuft am Sonntag, 2. September (wie immer um 18.50 Uhr, im Ersten), die letzte Folge mit Luger alias Beimer. Bis dahin bleiben die genauen Umstände des Ablebens ein streng gehütetes Geheimnis. Ein wenig hat sich Joachim Luger nun aber doch in die Karten blicken lassen.

Im Grunde genommen, so das "Lindenstraßen"-Urgestein, dürfe er zwar "gar nichts" verraten – "außer dass Hans Beimer sterben soll". Doch der Schauspieler lässt durchblicken, dass die Episode mit dem Titel "Die Ruhe nach dem Sturm" eine der "aufwendigsten Folgen überhaupt" werde: "Produzenten, Regie und Autoren haben keine Kosten und Mühe gescheut, das kann ich versprechen", meint Luger und fügt hinzu: "Ich sage nur, dass es dramatisch werden wird." Er habe in den letzten Drehtagen "kurioserweise heftige Zahnschmerzen bekommen und musste mir den pochenden Zahn in einer Notfallklinik entfernen lassen." Womöglich sei sein "Martyrium für die Rolle ja nicht so schlecht" gewesen, ergänzt Luger lachend. Die Dreharbeiten, erinnert er sich, "waren schon sehr aufregend, die Folge wird ungewöhnlich episch erzählt".

Klar ist auch, dass es diesmal ungewöhnlich viele Außenszenen geben wird. Zuletzt war Hans Beimer an Parkinson erkrankt, er nahm Cannabis, um sich Linderung zu verschaffen. Gleichzeitig trainierte er für seinen großen Traum, einmal den Jakobsweg zu gehen. Auf den Fotos zur Folge vom 2. September ist er zusammen mit seinen "beiden Frauen", Helga (Marie-Luise Marjan) und Anna (Irene Fischer) im Wald zu sehen. Die Folge am Sonntag, 9. September, wird hingegen von der Trauer und herzzerreißenden Bildern von der Beerdigung Beimers gekennzeichnet sein. Sie heißt "Gute Reise, Hans".

Die "Lindenstraße" ohne Hansemann! – Das ist für zahlreiche Fans wohl wirklich nur schwer vorstellbar. In den Kommentarspalten der Sozialen Medien wird offenkundig, dass hier eine Serienfigur das Zeitliche segnet, die sich nicht von Ungefähr nachhaltig tief in die TV-Geschichte eingeprägt hat. "Hans Beimer hat sein Leben lang kämpfen müssen – für seine Überzeugungen, für seine Liebe, für seine Freiheit und am Ende auch für seine Gesundheit", erklärt Joachim Luger im teleschau-Interview. "Er hat nicht alle Kämpfe gewonnen, sein Leben hatte Licht und Schatten, aber er hat immer weitergemacht. Hans Beimer war ein echtes Stehaufmännchen." Dass Hans Beimer "nie viel zu lachen hatte", sei auch ein Grund gewesen, warum Luger "so gerne Komödien am Theater spiele".

Hans Beimer, sagt der Schauspieler, sei "ein ganz normaler Familienvater – und doch irgendwie auch alles andere als das". Er "hoffe, er hat vielen in gewisser Weise als Vorbild gedient, weil er immer aufrecht und geradeaus seinen Weg ging. Vielleicht hat meine Filmfigur den ein oder anderen inspiriert, wie man mit einem Leben und dem ganzen Alltagswahnsinn fertig wird." Auf die Frage, ob die Gesellschaft in Deutschland auf solche "Hans Beimers" angewiesen sei, antwortet Luger: "Ich würde sagen, ja. Menschen, die für ihre Überzeugung und für ihre Familie einstehen, also Menschen, die wie er einfach versuchen, ihr Leben zu meistern, ohne sich dabei charakterlich zu verbiegen – sie sind sicherlich der Kitt unserer Gesellschaft. Ich denke, deswegen hat Geißendörfer die Figur über all die Jahre beibehalten und weiterentwickelt und mit einem derart prominenten Part versehen."

Die "Lindenstraße" selbst habe "vielleicht nicht die Welt oder unsere Gesellschaft verändert, aber sie leistete oft einen Beitrag zu wichtigen Debatten", meint Joachim Luger vor seinem Ausstieg. "Die Serie war provokativ, hat den Fokus immer wieder auf die heißen Eisen gelenkt und relevante Dinge kommentiert – aus einer Perspektive, die links von der Mitte war. Die 'Lindenstraße' hat Maßstäbe gesetzt.

Neben dem inhaltlichen Drama, wird die Folge am kommenden Sonntag auch aus formalen Gründen zu einem Höhepunkt in der Geschichte von Hans W. Geißendörfers Kultserie. Das WDR Funkhausorchester wird mit seinen 52 Musikerinnen und Musikern die Filmmusik zur Folge im Großen Sendesaal des WDR im Funkhaus am Wallrafplatz live einspielen. Und das zeitgleich zur Ausstrahlung um 18.50 Uhr im Fernsehen. "So was hat es noch nicht gegeben", freut sich Luger, der sich die bereits im Mai abgedrehte Folge mit Hans Beimers Serientod dann zum ersten Mal komplett selbst ansehen wird.


Quelle: teleschau – der Mediendienst