Er ist ein Chauvinist, ein Rassist und ein Sozialschmarotzer. Doch Willi hat auch gute Seiten. Als er einen Flüchtlings-Jungen bei sich aufnimmt, ändert sich alles. "Schöne heile Welt" ein gesellschaftskritischer, hochaktueller Film.

Arbeiten gehen? Davon hält Willi (Richy Müller) nicht viel. Seit der Elektromeister seinen Job verloren hat, macht er sich einen schönen Lenz – auf Kosten des Staats. Denn er kennt alle Tricks und Schlupflöcher, sodass er sich sämtliche Sozialleistungen ergaunert. Gefrustet von seinem Dasein hat er sich über die Jahre in einen selbstgerechten Menschenfeind entwickelt. Doch unter der harten Schale steckt selbstverständlich ein weicher Kern. Als der junge afrikanische Flüchtling "Franz" (N'Tarila Kouka) in sein Leben tritt, wird Willis Alltag gehörig auf den Kopf gestellt... Die positive Entwicklung eines egoistischen alten Mannes kennt man seit Charles Dickens' "Die Weihnachtsgeschichte" zur Genüge. So schön wie im TV-Film "Schöne heile Welt", nun als Premiere auf ARTE zu sehen, wurde die klassische Geschichte aber schon lange nicht mehr erzählt.

Ein Chauvinist ist er, ein Rassist ebenso – liebenswert ist an Willi auf den ersten Blick rein gar nichts. Doch das täuscht. Hauptdarsteller Richy Müller lässt die guten Seiten seiner Figur immer wieder durchschimmern, seine Charakterentwicklung gerät zu jeder Zeit glaubhaft – ein großer Verdienst des Stuttgarter "Tatort"-Kommissars. Denn die rüpelhafte Art des verhärmten Hartz-IV-Empfängers ist lediglich Fassade, ein Schutzschild, um sich der Welt und all ihrer unschönen Seiten zu entziehen. Als Willi den beiden Afrikanerinnen Ucheanna (Claudia Mongumu) und Gimbya (Jeanne Déprez) illegalerweise eine Wohnung "vermietet", nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Denn mit den beiden Frauen zieht auch Ucheannas Sohn mit ein. Weil Willi den Jungen nicht versteht, nennt er ihn kurzerhand Franz. Anfänglich spannt er ihn nur für seine persönlichen Zwecke ein, doch Willi schließt Franz immer mehr ins Herz und wird zu seinem Ersatz-Papa. Auch die Kommunikation gelingt – wortlos oder über ein paar Brocken Deutsch, die der Junge mit französischem Akzent wiedergibt: "Chinesenscheißdreck" ist einer der Begriffe, die er von Willi lernt, als der sich über Elektroprodukte "made in China" echauffiert. Sogar das Schlittschuhlaufen bringt der Griesgram ihm bei, so wie er es einst bei seinem eigenen Sohn getan hat. Zu diesem hat Willi allerdings seit Jahren keinen Kontakt mehr. Und das macht ihm schwer zu schaffen...

Auch wenn "Schöne heile Welt" ein tragikomisches Sozialmärchen ist – die harte Lebenswirklichkeit von Menschen am Rande der Gesellschaft wird nicht ausgespart: Gewalt und Missbrauch bedrohen die Idylle. Regisseur und Autor Gernot Krää wartet mit einem großartigen Drehbuch auf, das die Figuren immer wieder vor haushohe Probleme stellt. Ob es den Exkurs in fantastische Gefilde und den kitschigen Unterton gen Ende unbedingt gebraucht hätte, sei dahingestellt. Denn Krää ist mit "Schöne heile Welt" ein gesellschaftskritischer, hochaktueller Film gelungen, der ganz unverkrampft beweist: Manchmal benötigt man nur einen Schubs in die richtige Richtung, um Ängste und Vorurteile zu überwinden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst