Vor einem Jahr wurde ein Mann zu Unrecht verurteilt. Nun ist er aus der Psychatrie ausgebrochen und kidnappt Kommissarin Lucas. Mit allen Mitteln will er sie zu neuen Emittlungen zwingen.

In ihrem 27. Fall, "Das Urteil", wird Kommissarin Ellen Lucas (Ulrike Kriener) inmitten der Regensburger Altstadt beim Joggen gekidnappt. Geknebelt und mit Fußfesseln versehen, sieht sie sich einem Mann ausgesetzt, der vor einem Jahr wegen Vergewaltigung und Ermordung einer Studentin verurteilt worden war. Die Ermittlerin hatte durch ihre Recherchen zur Verurteilung beigetragen.

Nun ist Dr. Stach (Florian Teichtmeister), der Täter von damals, aus der geschlossenen Psychiatrie ausgebrochen. Nach einem Selbstmordversuch hatte man ihn dorthin verbracht. Nun will er die Kommissarin mit allem Nachdruck zu erneuten Ermittlungen zwingen – er sieht darin seine letzte Chance. Nicht etwa Rache ist sein Motiv, sondern sein Kampf um Gerechtigkeit.

Mit dem neuen Fall wagen sich Peter Probst (Drehbuch) und Nils Willbrandt (Regie) weit hinein in die Gefilde des psychologischen Fachwissens. Inwieweit sind Menschen beeinflussbar, wenn man die dafür notwendigen Methoden kennt? Ohnehin scheinen ja Therapeuten und Psychiater in Fernsehfilmen (nicht erst seit dem viel gepriesenen "Über Barbarossaplatz") auf dem Vormarsch zu sein. Auch die Kommissarin Lucas ist, dank Internetrecherche, mit einigem Fachwissen gesegnet. So weiß sie beispielsweise, dass der vermeintliche Täter, der bei der Gerichtsverhandlung damals übergriffig gegen sie geworden war, "Probleme mit seiner Impulskontrolle" hat. Gut gesagt.

Das hilft ihr allerdings bei ihrer Gefangennahme naturgemäß nicht viel. Verzweifelt versucht sie, sich gegen den Geiselnehmer, Dozent am Psychologischen Institut der Regensburger Uni, zu wehren. Die Regie zwingt da die sonst so sehr in sich ruhende Kommissarin an die Grenzen des Overactings, und dem Zuschauer drängt sich dabei die Frage auf, ob nicht weniger mehr gewesen wäre. Hätte es nicht vielleicht ein intensives Gespräch auch getan?

Eingemachtes aus dem Psychologenseminar

Glücklicherweise kehrt bei der Kommissarin dann aber wider Erwarten sehr schnell Ruhe ein, so schnell, dass sie sogar den Beruhigungstee ihres Nachbarn Max, gespielt von dem wunderbar zeitlosen Tilo Prückner, abzulehnen wagt. Trotz aller Albträume, in denen sie noch einmal den Prozess von einst durchlebt, erlebt man mit, wie sich die Kommissarin ganz allmählich auf die Seite des wohl doch zu Unrecht Verurteilten schlägt. Recherchen am Psychologischen Institut fördern ja auch alsbald Unregelmäßigkeiten zutage: Besonders der Institutsleiter Professor Kellermann (Wolfgang Pregler) rückt immer mehr in den Fokus der neuen Ermittlungen.

Etwas zu früh wird klar, dass Kellermann durch vielfache Sitzungen eine Studentin dahin gehend manipulierte, dass sie als Zeugin den Tathergang ganz nach Kellermanns Vorgaben beschrieb, der obendrein Prozessgutachter war. Ein Glück, dass damit der gesamte Fall erst zur Hälfte gelöst ist. Denn was der Herr Professor letztlich im Schilde führte, ist da noch nicht geklärt. Wollte er den wahren Täter decken? Und wenn ja, warum? Bleiben wir dran.

Diesmal also kein Themenkrimi (Flüchtlinge, Waffenhandel) aus dem Hause Lucas, wie noch zuletzt. Stattdessen Eingemachtes aus dem Psychologenseminar, ohne jedoch dieses allzu kritisch zu beleuchten. Bei all dem ist man dann doch dankbar, dass Tilo Prückner als Nachbar Max für kleine komische Momente sorgt. Mal wettert er gegen die absolute Zwecklosigkeit des Sports, mal schraubt er die Klingel der Kommissarin abends tot, weil die ja sowieso keine Besucher hat. Und am Ende joggt er dann doch brav mit der Kommissarin durch die Stadt. Es gab schon wesentlich weniger attraktive Krimipärchen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst