Komödie im ZDF

"Weihnachtstöchter": Bewundernswerte Gehässigkeit

von Wilfried Geldner

Der Zusammenstoß mit einer Weihnachtsgans endet für den Inhaber einer Großbäckerei tödlich. Er hinterlässt eine Küchenhilfe, drei Halbschwestern und 40 Angestellte. Es gilt, das Erbe zu verteilen.

ZDF
Weihnachtstöchter
Komödie • 14.12.2020 • 20:15 Uhr

Wenn ein alter Herr auf offener Straße mit einer Weihnachtsgans kollidiert, dann ist – kurz vor Weihnachten, zu einem Zeitpunkt also, zu dem alle TV-Weihnachtsgeschichten spielen – eine leidlich skurrile Weihnachtsklamotte zu erwarten. Doch diese hier, die sich um drei streitbare Schwestern und ihr väterliches Erbe dreht, ist dann doch ganz anders. Erstens, weil der Alte, Johann König (Peter Lerchbaumer), das Zeitliche so gar nicht segnet, sondern auch fortan dabei ist, wenn sich die hinterlassenen Töchter streiten – weniger ums Erbe eigentlich, als um den richtigen Umgang miteinander in der Vergangenheit.

Die "Weihnachtstöchter" Katarina (Elena Uhlig), Regina (Gesine Cukrowski) und Diana (Felicitas Woll) liebäugeln gar mit großzügigem Verzicht auf Haus und Firma, die es nach Maßgabe des flehentlich um Klarsicht bittenden Nachlassverwalters mit der Annahme des Erbes zu retten gilt. Denn Ende des Jahres droht sie Schließung.

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Auf derlei privatrechtliche Geschichten lässt sich das bravourös verzwirbelte Weihnachtsstück von Rolf Silber (Drehbuch und Regie) glücklicherweise nicht weiter ein. Gerne folgt man den flehentlichen Bitten des Vermögensverwalters, den Tim Bergmann mit Jerry-Lewis-hafter Geste spielt, sich zu entscheiden. Schließlich stehe das Schicksal von 40 Angestellten auf dem Spiel. Doch die Temperamente der drei Schwestern sind nicht zuletzt dank ihrer väterlichen Gene so angelegt, dass der kleinste verbal-Fauxpas Anlass zu gröbsten Streitereien gibt.

Nicht wenig trägt allerdings auch der Trick des Nachlassverwalters dazu bei, Zettel in drei verschiedenen Farben zu verteilen, mit denen, einmal ins väterliche Haus gelockt, die Gegenstände ihrer jeweiligen Wahl zu bekleben. Diana, die Jüngste, tendiert dazu, lieber alles zu verbrennen. Wie einst ihre Mutter, wird sie von Ängsten nicht zuletzt wegen eines Gehirntumors geplagt – sicherlich ein Signal dafür, dass es im Leben Wichtigeres als den Streit ums Besitztum gibt.

Erzählt wird das Ganze zu Beginn von der kleinen Amanda (im Cast "Yuna" genannt), einem knuffigen Mädchen, das Tieftraurigstes ohne Rührung zu unterbreiten versteht. Und natürlich kommt Amanda auch bestens mit dem Geist gewordenen Vater der vielfach Gift versprühenden Töchter aus. Waisenkind Amanda hofft darauf, endlich adoptiert zu werden ("adaptiert", sagt sie immer), diesmal ganz besonders, es hat schon öfter nicht geklappt.

Diesmal wird es klappen, denn sie ist bei Kinderschwester Katarina sowieso schon in guten Händen. Dass sich die ausgerechnet in den Firmenanwalt verliebt, setzt da noch eins obendrauf. Das tollkühne Rührstück wird jedoch jederzeit von den aus der Hüfte geschossenen Screwball-Dialogen der Schwestern konterkariert: Zynismus at it's best, bewundernswerte Gehässigkeit aller Teile des Ensembles. Selbst den pflichtbewusst eingebauten Weihnachtsmann, der dann auch noch überfahren werden muss (Antonio Putignano), schluckt man da gern.

Nachdem sich anfänglich Weihnachts-Evergreens nur dezent im Hintergrund angedeutet hatten und sich die durchs Bild rieselnden Schneeflöckchen zum weißen Kunstteppich verdichteten (Drehzeit im Dezember 2019 und Februar 2020), versammelt sich beim Happyend der Familienrest doch tatsächlich noch zu "Stille Nacht, heilige Nacht". Tollkühn, wie das ganze Stück, das durchaus auch für Weihnachtsmuffel taugt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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