Zum Geburtstag

Louis Armstrong: Vor 120 Jahren geboren und noch so relevant

von Tom Ruder

Es gab sich selbst als älter aus, als er eigentlich war. Aber inzwischen ist klar: Louis Armstrong wurde vor 120 Jahren, am 4. August 1901, geboren. Ein Blick zurück auf ein einzigartiges Showbiz-Leben, das bis heute Einfluss auf die kommenden Generationen hat. 

Frank Sinatra, Ella Fitzgerald, Duke Ellington, Bing Crosby, Sammy Davis jr. – sie waren alle gekommen an jenem traurigen Tag im Juli 1971, an dem Louis Armstrong zu Grabe getragen wurde. Gemeinsam hätten sie singen sollen, so hatte er es sich gewünscht. Doch es blieb still, Armstrongs vierte Frau Lucille hatte es angeordnet. "Es wäre ohnehin niemand dazu in der Lage gewesen." Mit Satchmo war einer gegangen, der die Musik des Jahrhunderts wirklich verändert hatte. Geboren vor 120 Jahren, am 4. August 1901, war er immer fast so alt wie es das 20. Jahrhundert war. Die Dekade, die er geprägt hat. Wer mag ernsthaft daran glauben, dass heute wieder so einer geboren wird?

Dabei gab es über Jahrzehnte hinweg Missverständnisse, was sein wahres Geburtsdatum betrifft. Armstrong selbst hatte in der Regel den 4. Juli 1900 angegeben, den Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten. Was beim afroamerikanischen Teil der Bevölkerung nicht selten war. Zudem machte er sich ein Jahr älter. Heute wird forsch spekuliert, er habe sich auf diesem Wege auch einen früheren Zugang zu den Etablissements seiner Heimatstadt New Orleans verschaffen wollen. Erst nach Armstrongs Tod wurde sein Taufschein öffentlich – und damit der wahre Tag seiner Geburt.

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Die Trompete war seine "Geliebte"

Schon zehn Wochen vor seinem Tod war Louis Armstrong ins Krankenhaus gekommen, eine Herzschwäche wurde diagnostiziert. Beinahe wäre er erstickt, die Ärzte mussten einen Luftröhrenschnitt vornehmen, der das Ende seiner Karriere als Trompeter bedeutete. Noch im Krankenhaus soll er ein Ständchen gespielt haben. "Musikanten ziehen sich nicht zurück. Sie hören auf, wenn sie keine Musik mehr in sich fühlen. Man zieht sich erst an dem Tag zurück, an dem einem die Arme über der Brust gekreuzt werden, an dem man nicht mehr aufsteht." Am 6. Juli 1971 war es so weit. Begraben ist er auf dem Flushing Cemetery in Queens.

Wissenschaftler, die sich näher mit dem musikalischen Phänomen beschäftigten, kamen immer wieder zu dem Ergebnis, dass Armstrongs großer Verdienst darin lag, dass er Schlager und Jazz miteinander verband. Lange Zeit litt er unter dem Vorurteil, er verlasse sich ausschließlich auf seine Begabung. Es war nicht so. Louis Armstrong, den alle Satch(el)mo(uth) (Schüsselmaul) nannten, kalkulierte seinen Erfolg, hatte eine Strategie. Mehr als 200 Lieder schrieb er selbst, auf 1.500 Platten ist er als Sänger oder als Trompeter verewigt.

Noch zum Ende seiner Karriere erkannte er das Potenzial der Broadway-Hits, führte "Hello Dolly" oder auch "What A Wonderful World" (aus "Cabaret") zum Erfolg. Doch schon aus dem Jahr 1923 existieren erste Aufnahmen von ihm. Sein Markenzeichen, die rauchige Raspelstimme, entwickelte er in den Jahren ebenso konsequent weiter wie das unvergleichliche Spiel mit der Trompete. "Sie ist meine Geliebte, und sie liebt mich."

Aber auch Tänzerinnen waren seine Geliebten

Alles fing im Gefängnis an, Louis war 14. Wegen Waffenbesitzes saß der Sohn eines Tagelöhners und eines Dienstmädchens ein und fing an, Kornett zu spielen, ein Blechblasinstrument. Damit holte ihn einige Jahre später der Bandleader Joe Oliver nach Chicago, und es begann eine der größten und längsten Karrieren des amerikanischen Showbiz. "Seine Trompete war wie ein Tauchsieder. Wenn er sie in die Menge hielt, fing sie zu kochen an", beschrieb Eartha Kitt einmal die ungeheure Fähigkeit Satchmos.

Menschen, die ihn gut kannten, allen voran seine vierte und letzte Frau Lucille, beschrieben andere Seiten. Verdauungsprobleme plagten ihn. Lucille sorgte nicht nur für seine weißen Taschentücher, sondern auch für das Abführmittel. Er selbst nahm's mit Humor. Einmal, als er ein Konzert unterbrechen musste, gestand er später: "Wenn ich nicht geflüchtet wäre, wären meine Töne bestimmt lauter gewesen als mein Trompetenspiel." Ein Lebemann soll er zudem gewesen sein. Affären mit schwarzen Tänzerinnen wurden ihm nachgesagt. "Ja, mein Louis war schon ein Schwerenöter", sagte Lucille. Doch seine Ausgeglichenheit und seine Zuversicht beeindruckten sein Leben lang seine Umgebung. "Vielleicht bin ich so glücklich, weil ich nie viel vom Leben erwartet habe. Ich liebe es, Trompete zu spielen und zu singen. Das war mein Leben, und es ist großartig."

An den ewigen Erfolg glaubte Louis Armstrong jedoch nicht: "Es wird der Tag kommen, da will niemand mehr diese Musik hören", prophezeite er noch kurz vor seinem Tod. "Aber dann spiele ich eben nur noch für mich allein." Den Tag, von dem er sprach, gab es bis heute nicht. Aber ja, womöglich rückt er näher.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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