Kritik zum Film

"Finch": Die große Tom-Hanks-Show bei Apple TV+

von Eric Leimann

Ein Hund, ein Roboter und Tom Hanks – fertig ist das Endzeitdrama "Finch", nun zu sehen bei Apple TV+. Darin spielt Hanks einen Ingenieur, der sich vor giftiger Strahlung in einen Bunker gerettet hat.

Das Kino bietet nur noch begrenzten Raum für "großes" Schauspiel – denn Lichtspielhäuser sind heute vorzugsweise für Superhelden und Franchise-Marken sowie knallbunte Effekte reserviert. Kein Wunder also, dass George Clooney vor knapp einem Jahr im Netflix-Film "Midnight Sky" in geradezu epischer Länge "schauspielerte" und Tom Hanks, ein anderer Superstar des "alten" Hollywoods, es ihm nun gleich tut. Der Vergleich drängt sich deshalb auf, weil in beiden Filmen die Welt untergeht. Beziehungsweise: untergegangen ist, denn bei Clooney und Hanks handelt es sich im Plot um so etwas wie letzte Überlebende, was einem per se ziemlich viel "screen time" garantiert.

In "Finch" (ab Freitag, 5. November, Apple TV+), nach dem Weltkriegsdrama "Greyhound – Schlacht im Atlantik" bereits Hanks' zweiter Film für den Streamingdienst, spielt der 65-Jährige einen Ingenieur, der sich in einer von giftiger Strahlung und verödeten Landschaften geprägten Welt in einen sicheren Bunker zurückgezogen hat. Seine einzigen Begleiter: Hund Goodyear und seine von Caleb Landry Jones (Darstellerpreis in Cannes 2021 für "Nitram") gesprochene und gespielte Androiden-Erfindung. "Jeff", wie der Roboter sich schließlich selbst nennt, sieht zwar ziemlich maschinell aus, ist dafür aber charakterlich ziemlich menschlich geraten.

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Die moderne Kleinfamilie aus Mensch, Roboter und Hund muss sich schließlich auf eine Reise gen Westen begeben, weil ihr alter Lebensraum bedroht ist. Mit einem umgebauten Camping-Caravan geht es los. Das Ziel: die Golden Gate Bridge in San Francisco. Schon einmal durfte Tom Hanks – zumindest im Hauptteil eines sehr langen Films – diesen Teil alleine tragen. Im Jahr 2000 kam "Cast Away – Verschollen" in die Kinos, die den Großschauspieler als modernen Robinson Crusoe nach einem Flugzeugabsturz als jahrelangen Eremiten auf einer einsamen Insel zeigte.

Robert Zemeckis, der damals Regie führte, findet sich lustigerweise auch beim dystopischen Update 21 Jahre später in der Riege der "Executive Producers" von "Finch", das unter der Regie des Engländers Miguel Sapochnik entstand, der vor allem für spektakuläre "Game of Thrones"-Folgen wie "Die Schlacht der Bastarde" bekannt ist. In "Cast Away" machte Inselbewohner Hanks Volleyball "Wilson" zum Gesprächspartner, hier sind es immerhin ein Hund sowie – im Laufe der Handlung – ein ziemlich menschlicher Roboter. Dennoch ist bei diesem Plot selbstredend klar: "Finch" ist eine große Spielwiese für Tom Hanks. Wer heute den größten Schauspielstars der Welt bei ihrer eigentlichen Kerntätigkeit, dem Schauspiel, zusehen will, muss sich offenbar vor allem Streaming-Abos besorgen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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