Streaming-Highlights

Fortsetzung eines Überraschungshits aus Österreich: Das sind die Streaming-Tipps der Woche

11.07.2026, 09.00 Uhr
Mit "Braunschlag 1986" zeigt HBO Max die überraschende Fortsetzung einer österreichischen Erfolgsserie, während Apple "Das Damengambit"-Star Anya Taylor-Joy in "Lucky" in die Wüste schickt. Welche Streaming-Highlights die kommende Woche noch bereithält, verrät die Übersicht.

Als im Herbst 2012 die fiktive Waldviertler Gemeinde Braunschlag in ORF 1 ihren ersten Auftritt hatte, rechnete kaum jemand mit dem, was danach passierte: bis zu 36 Prozent Marktanteil in Österreich, eine Million Zuschauer dienstags zur Primetime – die meistgesehene eigenproduzierte ORF-Serie seit zwei Jahrzehnten! Ausgerechnet für ein Werk, das dessen Schöpfer David Schalko ("Kafka") schlicht so gemacht hatte, "wie es ihm gefallen hat". Womit niemand mehr gerechnet hätte: 14 Jahre später geht das Ganze bei HBO Max in die Fortsetzung. Was die Streamer in den nächsten Tagen noch zu bieten haben, erfahren Sie in der Übersicht.

"Braunschlag 1986" – HBO Max

Im Wochenrhythmus erscheinen fünf etwa 45 Minuten lange Episoden von "Braunschlag 1986" ab Donnerstag, 16. Juli, bei HBO Max. Die späte zweite Staffel schafft es, fast alle Figuren der damaligen Erzählung um ein erfundenes Marienwunder zu Stadtmarketingzwecken in einer beklemmenden Provinz wiederzuerwecken. Diesmal gibt es statt der religiösen Lüge ein skurriles touristisches Angebot: Braunschlag soll in die Lebenswirklichkeit des Jahres 1986 zurückversetzt werden. Sozusagen als Urlaubsort vom Heute im Gestern.

Um das Phänomen "Braunschlag" zu verstehen, sollte man die alte Serie kennen, auch wenn es für die Fortsetzung nicht zwingend nötig ist: "Braunschlag" war 2012 so österreichisch wie universal. Bürgermeister Gerri Tschach (Robert Palfrader) und sein Freund, der Disco-Betreiber Richard Pfeisinger (Nicholas Ofczarek), inszenierten in ihrer bankrotten Gemeinde eine gefälschte Marienerscheinung. Pilgermassen strömten, das Geld floss – bis Vatikan, Landeshauptmannschaft, Familienchaos und ein illegales Atommülllager die Dinge aus dem Ruder laufen ließen.

Schwarzer Humor, tiefe Melancholie und ein respektloser Umgang mit Kirche, Korruption und österreichischer Gemütlichkeit machten "Braunschlag" zu einem Kultstück, das Literaturwissenschaftler als politische Allegorie lasen – ein "Welt-Niederösterreich" im Sinne Robert Musils. "Braunschlag 1986", eigentlich ein Zweiteiler in Spielfilmlänge, der im März 2026 im ORF lief, versammelt beinahe das gesamte Originalensemble. Und darum geht es: Bürgermeister Tschach regiert nun per Verordnung, dass in Braunschlag ab sofort das Jahr 1986 herrsche. Inklusive Digital Detox, Retro-Lifestyle und ohne moderne Rollenbilder für Männer und Frauen. Nostalgie als Kommunalpolitik und touristisches Vermarktungskonzept. Es klingt absurd. Es klingt nach Schalko und ist sicher nicht für jeden Serienfan humortechnisch andockbar.

"Lucky" – Apple TV

Lucky (Anya Taylor-Joy) macht ihrem Namen alle Ehre: Obwohl sie als Tochter eines inhaftierten Trickbetrügers (Timothy Olyphant) nicht gerade in behüteten Verhältnissen aufgewachsen ist, weiß sie sich stets überraschend gut selbst aus scheinbar aussichtslosen Situationen zu retten. Doch nach einem Super-Coup steht die junge Frau in der siebenteiligen Miniserie "Lucky" (ab Mittwoch, 15. Juli, Apple TV) plötzlich vor einem Riesenproblem ...

Ein millionenschwerer Raub sollte das lang ersehnte Ticket für Lucky und ihren Freund Cary (Drew Starkey) in ein neues Leben sein. Doch als Lucky nach einer durchfeierten Nacht in einem Casino-Hotel in Las Vegas erwacht, sind sowohl Cary als auch die gemeinsame Beute verschwunden. Lucky ist also auf sich allein gestellt. Doch das ist nicht das einzige Problem: Die FBI-Agentin Billie Rand (Aunjanue Ellis-Taylor) ist dem Betrüger-Pärchen schon lange dicht auf den Fersen. Und dann ist da noch Carys Mutter Priscilla (Annette Bening): Als Chefin einer kriminellen Vereinigung ist sie nicht nur am Verbleib ihres Sohnes, sondern auch des Geldes interessiert. Lucky bleibt nichts anderes übrig als eine waghalsige Flucht, die sie auch durch die Mojave-Wüste zwischen Las Vegas und Los Angeles führt.

Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Marissa Stapley aus dem Jahr 2022. Bereits im Dezember 2021 hatte ihn Reese Witherspoon in ihrem Online-Buchclub vorgestellt. Bei der Serienadaption mit Anya Taylor-Joy in der Hauptrolle fungierte der Hollywood-Star nun als Produzentin. Als Showrunner waren Jonathan Tropper und Cassie Pappas beteiligt.

"Heartstopper Forever" – Netflix

Herzschmerz und Nostalgie, aber auch Aufbruchsstimmung, und die Schmetterlinge flattern auch wieder: Mit "Heartstopper Forever" schickt Netflix das bezauberndste Liebespaar der jüngeren Fernsehgeschichte in ein Finale voller Irrungen und Wirrungen. Nach zuvor drei erfolgreichen Staffeln endet die Coming-of-Age-Geschichte ab Freitag, 17. Juli, mit einem fast zweistündigen Spielfilm. Der dürfte vor allem ein Geschenk für hoffnungslose Romantiker sein.

So ehrlich, so witzig, so einfallsreich wie kaum ein anderes Format erzählte "Heartstopper" drei Staffeln lang mit Gelassenheit von Schmetterlingsgefühlen auf der einen und Homophobie auf der anderen Seite. Die LGBTQ-Serie basiert auf Graphic Novels von Alice Oseman und zeigt, wie das so ist mit dem ganzen Chaos und den Unsicherheiten, mit denen sich von Gefühlen übermannte Teenager plötzlich konfrontiert sehen.

Im Mittelpunkt stehen wieder Charlie (Joe Locke) und Nick (Kit Connor): Ihre gemeinsame Schulzeit geht zu Ende. Nick bereitet sich auf die Uni vor, die Aussicht auf eine Fernbeziehung belastet sie. Plötzlich gibt es nicht mehr nur Höhen. Doch gerade darin lag immer schon die Stärke von "Heartstopper": Die Serie hat nie verschwiegen, dass Liebe nicht nur aus Herzklopfen besteht. Sie bedeutet auch Streit, Zweifel, Verletzlichkeit. Im abschließenden Film kommt die Frage hinzu, ob die erste Liebe wirklich für immer halten kann.

Man mag es in dem Alter vielleicht nicht wahrhaben wollen, aber der Ernst des Lebens steht irgendwann unweigerlich vor der Tür und begehrt Einlass. Die jungen Menschen wollen und müssen ihren eigenen Weg gehen. Und manchmal, das ist die bittersüße Realität, kann man nur etwas Neues entdecken, wenn man etwas Altes hinter sich lässt.

"23.000 Leben" – Netflix

2015 gründeten Jugendliche ohne Vorerfahrung in der Seenotrettung den Verein "Jugend rettet" mit einem Ziel: Menschen auf der Flucht auf dem Mittelmeer vor dem Tod zu retten. Dank Crowdfunding gelang der Kauf eines alten Bootes. Insgesamt rettete die Gruppe 23.000 Menschen. Der gleichnamige Netflix-Film, basierend auf der wahren Geschichte des Rettungsschiffs Iuventa, erzählt ab Freitag, 17. Juli, aber auch von moralischen Abgründen und einem Gerechtigkeitsverständnis auf dem Prüfstand.

Schon der Trailer demonstriert, wie viele Steine den Jugendlichen in den Weg gelegt werden: "Ich suche ein Schiff, um Menschen im Mittelmeer in Seenot zu helfen", verkündet Lukas (Louis Hofmann, "Dark"). Doch die Reaktionen, die der junge Mann auf seinen ambitionierten Plan bekommt, gehen alle nur in eine Richtung: "naiv" und "unrealistisch", bewerten die Erwachsenen seine Idee. "Du wirst nicht die Welt verändern", mahnt selbst seine Mutter (Franka Potente). Doch Lukas bleit stur: "Aber die Welt muss sich verändern", entgegnet er. "Und wenn's niemand macht, dann tut sie's nicht."

Gemeinsam mit seiner Freundin Kitty (Mala Emde), seiner Mitbewohnerin Nina (Katharina Stark) und dem Fotografen Mauro (Felice) geht er die Sache allen Widerständen zum Trotz an, Denn: "Helfen ist kein Verbrechen. Es ist ein Akt der Menschlichkeit."

"23.000 Leben" ist ein promiment besetzter Film. Neben den bereits genannten Stars treten unter anderem Frederick Lau, Maria Dragus, Luisa-Céline Gaffron, Corinna Harfouch, Ulrich Matthes, Katja Riemann und Herbert Knaup auf. Das Gerichtsverfahren gegen die Besatzung der echten Iuventa vor dem Gericht in Trapani wurde 2024 eingestellt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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