Mini-Serie bei ARTE

"Guilt – Keiner ist schuld": britischer Humor par excellence

von Christopher Schmitt

Wer schwarzen, britischen Humor liebt, ist bei dieser Serie richtig. In "Guilt – Keiner ist schuld" versucht ein schottisches Brüderpaar einen tödlichen Autounfall zu vertuschen.

ARTE
Guilt – Keiner ist schuld
Dramaserie

Schuld ist immer subjektiv, jeder geht anders damit um. Auch dann, wenn man ein Menschenleben auf dem Gewissen hat. Während der eine vom schlechten Gewissen gequält wird, schaltet der andere prompt in den Modus der Schuldabwehr und versucht nur, die eigene Haut zu retten. So ungleich die Charaktere der beiden Brüder Jake (Jamie Sives) und Max McCall (Mark Bonnar) sind, so ungleich fällt ihre Reaktion auf einen folgenschweren Autounfall aus. Nach einer Hochzeit fährt Jake unter Drogen mit Max' Auto – dieser sitzt auf dem Beifahrersitz – einen alten Mann tot.

In der schwarzhumorigen Dramedyserie "Guilt – keiner ist schuld" (2019) versucht das Brüderpaar – nach Max' erfolgreicher Überzeugungsarbeit – fortan mit aller Macht, die Wahrheit zu verschleiern, um nicht ins Gefängnis zu wandern. ARTE zeigt die britische Produktion unter der Regie von Robert McKillop nun als Erstausstrahlung – und alle vier rund 50-minütigen Folgen am Stück.

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Der eiskalte Max, der in erster Linie Angst um seine Anwaltslizenz hat, relativiert bereits nach wenigen Minuten. "Wir haben's nur beschleunigt", ist sein makaberer Kommentar, nachdem die beiden den alleinstehenden Alten in sein Haus getragen haben und dort eine ärztliche Diagnose finden: Krebs im Endstadium. Es wird tatsächlich ein natürlicher Tod festgestellt. Alles Paletti also? Nicht für den naiv-gutmütigen Lebenskünstler Jake. Natürlich wird es nicht einfacher, als der Plattenladenbesitzer mit der Nichte des Toten, Angie (Ruth Bradley), die extra aus den USA kam, auf der Trauerfeier anbandelt. Warum er überhaupt dort war? Er hatte sein Portemonnaie im Haus des Toten vergessen. Max' neue Freundin ahnt zunehmend, dass da etwas nicht stimmen kann, erweist sich als extrem hartnäckig – und verschiebt schließlich ihren Flug.

Zu allem Überfluss bestätigt sich der Verdacht, eine Nachbarin könnte den Unfall beobachtet haben – die resolute Dame fordert schlappe 20.000 Pfund. Als Ermittler Kenny (Emun Elliott) – kurz zuvor noch von Max gefeuert – die Ermittlungen aufnimmt, wird die Situation endgültig brenzlig für die Brüder. Tage zuvor war Kenny noch ein abgehalfterter Säufer, ausgerechnet jetzt hat er dem Alkohol abgeschworen und ist hoch motiviert, den Fall aufzuklären. Für Max und Jake, die sich zu Beginn noch so sicher waren, unbeschadet aus der Nummer herauszukommen, tun sich also immer wieder neue Baustellen auf – und eine ist amüsanter als die andere.

Rund um den Unfall und die ersten Minuten mag der Kontrast zwischen den Brüdern noch etwas übertrieben wirken, doch im Laufe der Serie wird klar, dass das Zusammenspiel zwischen Mark Bonnar und Jamie Sives einer der Garanten dafür ist, dass der britische Humor hier so gut funktioniert. Insbesondere Bonnars Mimik transportiert eine ganz eigene Komik. Obwohl es sich um einen durch und durch unsympathischen Charakter handelt, verkörpert Bonnar ihn auf eine Weise, dass man ihm fast wünschen würde, den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen. Aber nur fast.

Weitere gelungene Charaktere wie der runderneuerte Alkoholiker Kenny sowie die pointierten Dialoge von Autor Neil Forsynth runden das typisch britische Sehvergnügen ab, das erstmals auf BBC Scotland Premiere ausgestrahlt wurde.

Guilt – Keiner ist schuld – Do. 02.09. – ARTE: 22.00 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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