Interview im "heute-journal"

RKI-Chef Lothar Wieler: "Jetzt muss Schluss sein mit Laissez-faire"

RKI-Chef Lothar Wieler hat sich im "heute journal" erneut dafür ausgesprochen, Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Eine Impfpflicht hält er für das letzte Mittel.

"Ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch", mahnte Lothar Wieler selbst noch am vergangenen Freitag bei einer Pressekonferenz in Berlin. Bereits am Sonntagabend jedoch rief der RKI-Chef im ZDF-"heute journal" auf, sich mit derartigen Schreckenssätzen zurückzuhalten und den Fokus stattdessen auf die tatsächlichen Maßnahmen zu richten. "Wir müssen rhetorisch abrüsten", so Wieler im Gespräch mit Marietta Slomka. "Es wird sehr viel diskutiert mit teilweise scharfen Worten, es wird mit Vorwürfen agiert."

Mit Begrifflichkeiten wie einer "Tyrannei der Ungeimpften", von der zuletzt der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery sprach, werde man nicht vorankommen, warnte Wieler. Stattdessen müsse man nun alle Kräfte nutzen, um das wahre Problem zu lösen. "Es gibt eine Reihe von Krankenhäusern, die ihren Versorgungsaufwand nicht mehr mit der nötigen Routine und Kraft leisten können", so der Präsident des Robert-Koch-Instituts. "Wir müssen zwei Dinge tun: Wir müssen durch Kontaktbeschränkungen dafür sorgen, dass nicht noch mehr Menschen sich anstecken. Und wir müssen dafür Sorge tragen, dass wir so viele Menschen wie möglich zum Impfen bewegen und diejenigen, die eine vollständige Grundimmunisierung haben, boostern."

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Jeder einzelne solle nun selbstständig alle Kontakte so weit wie möglich einschränken und sich, falls noch nicht geschehen, impfen lassen, empfahl Wieler: "Warum sollte man sich dieser Krankheit ohne Not aussetzen?" Eine Impfpflicht sehe er als letztes Mittel, die Bevölkerung zu schützen. Wenn jedoch alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien, so müsse man auch darüber nachdenken. Er plädierte abermals für weitläufige Kontaktbeschränkungen, um nun noch so viele Menschenleben wie möglich zu retten: "Jetzt muss Schluss sein mit Laissez-faire."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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