Karlheinz Böhm

Karlheinz Böhm in "Peeping Tom" Vergrößern
Karlheinz Böhm in "Peeping Tom"
Karlheinz Böhm
Geboren: 16.03.1928 in Darmstadt, Deutschland
Gestorben: 29.05.2014 in Grödig, Österreich

Karlheinz Böhm war der liebenswerte Kaiser Franz-Josef an der Seite von Romy Schneiders "Sissi". Mit Romy verkörperte er das brave, saubere Idol der Fünfzigerjahre und dann überraschte er 1960 als gefährlicher psychopatischer Mörder in Michael Powells "Peeping Tom - Augen der Angst". Doch auch hier war Böhm nicht das Böse schlechthin, sondern das Opfer: Die Kindheit, der permanente psychische Terror des Kindes haben ihn zum Ungeheuer gemacht, das der Kinozuschauer bedauern kann wie Boris Karloff als Frankensteins Monster in James Whales poetisch schönen Horror-Filmen.

Der Schauspieler, Sohn des berühmten Dirigenten Prof. Dr. Karl Böhm und der Sängerin Thea Linhard, wuchs in Dresden auf und zog mit den Eltern früh nach Hamburg. Dort besuchte er Volksschule und Gymnasium. Ein gefälschtes ärztliches Attest half ihm 1939 zur Ausreise, in der Schweiz besuchte er ein Internat. 1946 zog er mit seinen Eltern nach Graz, dort machte er im selben Jahr das Abitur. Er studierte Anglistik und Germanistik, anschließend in Rom Kunstgeschichte. 1948 war er in Wien Regieassistent von Karl Hartl, er nnahm Schauspielunterricht bei Albin Skoda und Helmuth Krauß, es folgte sein erstes Engagement am Burgtheater, von 1949-1953 war er Ensemble-Mitglied des Theaters in der Josefstadt.

1948 begann seine Filmlaufbahn bei Karl Hartl: Böhm war Regieassistent und spielte eine kleine Rolle, auch 1952 im "Haus des Lebens". Bereits sein nächster Film verdiente Aufmerksamkeit, nicht wegen des Sujekts - es geht um Hanns Heinz Ewers Schauerroman "Alraune" (1952) - sondern wegen der Besetzung: Hildegard Knef als Alraune, Erich von Stroheim als Wissenschaftler, der sie erschafft. Böhm hatte sich für die Rolle des jungen Frank Braun, der sich in das geheimnisvolle Wesen verliebt, beworben, war jedoch bei den Probeaufnahmen durchgefallen. Doch der Knef gefiel sein Gesichtsausdruck, sie überredete Regisseur Arthur Maria Rabenalt und Produzentin Ilse Kubaschewski. Der Film fiel durch, für Böhm jedoch bahnte sich ein Erfolg an. Noch im gleichen Jahr spielte er neben Gertrud Küchelmann in "Weibertausch" von Karl Anton, 1953 bei Viktor Tourjanski in "Salto Mortale", beim gleichen Regisseur war er dann Partner von Johanna Matz in dem Erfolgsfilm "Arlette erobert Paris" (1953).

Wieder bei Rabenalt spielte er den Dorfschullehrer, der ein musikalisches Genie ist in der erfolgreichen Schnulze "Der unsterbliche Lump" und in "Die Sonne von St. Moritz" (1954) einen Arzt zwischen zwei Frauen. Karlheinz Böhm war jetzt der Held und Liebhaber Nummer Eins von Ulla Jacobsson in "Und ewig bleibt die Liebe" (1954) und in "Die heilige Lüge" (1955). Regie führte bei beiden Filmen Wolfgang Liebeneiner. Danach spielte er in Johannes Mario Simmels "Die Hexe" (1954) unter der Regie von Gustav Ucicky, neben Sonja Ziemann in "Ich war ein hässliches Mädchen" (1955) von Wolfgang Liebeneiner, mit Maj Britt Nilsson in "Schwedenmädel" (1955) von Thomas Engel und Eva Bartok, in Josef von Bakys "Dunja" (1955), dem Remake von Puschkins "Postmeister" (1955) mit Walter Richter in der Heinrich-George-Rolle.

Mit Ernst Marischkas "Sissi"-Filmen ("Sissi", "Sissi - Die junge Kaiserin", "Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin") gab es das neue Liebespaar im deutschen Film: Romy Schneider und Karlheinz Böhm. Was und mit wem Böhm danach auch immer drehte: die Romy fehlte. Da konnten weder die attraktive Martine Carol - in Ralph Habibs "Nächte auf Tahiti" (1957), die liebenswerte Hannerl Matz in "Man müsste noch mal zwanzig sein" (1958) und in "Das Dreimäderlhaus" (1958) noch die femme fatale Jayne Mansfield in "Zu heiß zum Anfassen" (1959) von Bond-Regisseur Terence Young helfen.

Und mit dem Skandal um "Peeping Tom" (1959) von Michael Powell, der einhellig boykottiert wurde - um 20 Jahre später als Meisterwerk gefeiert zu werden - begann auch der Abstieg von Karlheinz Böhm, nur bei Disney in Hollywood und in Frankreich war er noch gefragt, bis Rainer Werner Fassbinder den einstigen Star des deutschen Kinos zurückholte. In Filmen wie "Effi Briest" (1974), "Faustrecht der Freiheit" (1974), "Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel" (1975). In den Siebzigerjahren spielt Böhm in mehr als einem Dutzend Fernsehfilmen, darunter auch Fassbinders "Martha" von 1973.

Ab 1976 spielte Karlheinz Böhm wieder mehr Theater. Mit seinem Engagement für Äthiopien und die hungernden Menschen dort, seine Stiftung "Menschen für Menschen", hatte er ein anderes Betätigungsfeld gefunden. 1981 wettete er in der ZDF-Sendung "Wetten, dass ...?", dass "nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für Menschen in der Sahelzone spendet". Damit nahm sein Leben eine dramatische Wende. Mit 1,4 Millionen Mark flog er nach dieser Sendung im Oktober 1981 erstmals nach Äthiopien und gründete am 13. November 1981 in Deutschland die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen", die er bis zu seinem Tod leitete.

Mehrere Monate pro Jahr lebte er unter einfachsten Bedingungen in Äthiopien, die restliche Zeit war er in Europa unterwegs auf Vortragsreisen. "Als Motivation dient mir das kleine Wort 'Wut'", erklärte Böhm, "Wut über die ungerechte und menschenverachtende Diskrepanz zwischen Arm und Reich." 1983 erhielt er das "Filmband in Gold" für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film. Nach langer schwerer Krankheit verstarb Karlheinz Böhm im Alter von 86 Jahren.


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