Raymond Chandler

Krimiautor Raymond Chandler ­- nur im Roman ein Held Vergrößern
Krimiautor Raymond Chandler ­- nur im Roman ein Held
Raymond Thornton Chandler
Geboren: 22.07.1888 in Chicago, Illinois
Gestorben: 26.03.1959 in La Jolla, Kalifornien, USA

"Es war gegen 11 Uhr morgens, Mitte Oktober, ein Tag ohne Sonne, mit klarer Sicht auf die Vorberge - das verhieß kalten Platschregen ... Ich war gut rasiert, gereinigt, nüchtern - das Idealbild des gutgekleideten Privatdetektivs. Und ich wurde von vier Millionen Dollar erwartet." - so beginnt der Kriminalroman "Tote schlafen fest - der tiefe Schlaf", der erste Roman von Raymond Chandler, mit dem der Krimiautor 1939 über Nacht berühmt wurde. Zum Zeitpunkt seines Durchbruchs ist Chandler längst nicht mehr der Typ des jungen, aufstrebenden Kriminalautors: Er ist über 50. Davor liegt ein nicht immer aufregendes, jedoch stets bewegtes Leben zwischen Höhen und Tiefen, und auch der Erfolg bringt keine Änderung. Er bleibt ein schwieriger Charakter, ständig in der Lebenskrise mit einem Anflug von Selbstzerstörung.

Raymond Thornton Chandler kommt am 22. Juli 1888 in Chicago zur Welt. Die Mutter entstammt einer irischen, der Vater einer amerikanischen Quäkerfamilie. Als Ray sieben Jahre ist, lassen sich die Eltern scheiden - der Vater bleibt für Ray immer eine geheimnisvolle, aber auch gehasste Figur, wie man seinen Briefen entnehmen kann. Die Mutter ist es, die ihn zeitlebens prägen soll, selbst noch, als sie nicht mehr lebt. Sie ist für ihn Motor. Für sie hat er - wie er später schreibt - Dinge getan, die er sonst niemals angepackt hätte. Ein Jahr nachdem die Mutter geschieden ist, zieht Raymond mit ihr zur Oma nach London, wo er eine bürgerliche Public School besucht. Als er die Schule abschließt, ist er gerade 17 - zwei Jahre jünger als der Durchschnitt.

Es folgen Erfahrungen im Ausland, ein halbes Jahr Frankreich, ein halbes Jahr Deutschland. Wieder zu Hause muss er - so wollen es Mutter und Onkel - die Aufnahmeprüfung in den Staatsdienst machen. Erneut erweist sich Ray als Gewinner: er ist der dritte, den man aus 600 Bewerbern herauspickt - doch als Gewinner fühlt er sich am allerwenigsten. "Ich wollte Schriftsteller werden, wusste aber, dass mein ziemlich herrischer Onkel das nicht dulden würde. Deshalb dachte ich, die leichte Arbeit im Staatsdienst würde es mir vielleicht erlauben, nebenbei zu schreiben." Nach einem halben Jahr findet er die Atmosphäre unerträglich und gibt die Stellung auf. "Das war eine Bombe. Ich glaube so etwas hatte zuvor noch nie jemand getan. Vor Wut lief mein Onkel blau an." Ein Sprung ins kalte Wasser, der Achtzehnjährige lebt von nichts. Ein bissßchen Schreiben für die "Academy", "The Westminster Gazette", "The Spectator" - doch viel war das nicht.

"Mein erstes Gedicht schrieb ich mit neunzehn an einem Sonntag im Badezimmer. Es wurde im "Chamber's Journal" veröffentlicht. Glücklicherweise besitze ich kein Exemplar mehr. Ich glaube, ich besaß das Zeug dafür, ein ziemlich guter zweitklassiger Dichter zu werden." Es beginnen die mageren Zeiten. Als freier Journalist tut er sich schwer in Lonon. Er muss sich redlich durchrackern, dann wird es ihm zu mühsam. Er leiht sich von seinem Onkel ein Vermögen in Höhe von 500 Pfund - mit Abzahlungsraten und Zinsen natürlich - und kehrt in die USA zurück. Auch dort ist zu der Zeit die Lage nicht rosig. Als der erste Weltkrieg ausbricht, meldet sich der junge Mann zum kanadischen Militär - da kann er Geld verdienen und seine Mutter unterstützen.

Nach dem Krieg kehrt er gemeinsam mit der Mutter zurück in die Staaten. Sie stirbt 1924 und kurz darauf beschafft sich Chandler per Heirat eine neue Mutter: Seine Frau Pearl Cecily Bowen ist 53, fast 18 Jahre älter als er: "Dreißig Jahre, zehn Monate und vier Tage war sie das Licht in meinem Leben, mein einziger Ehrgeiz. Alles, was ich tat, war das Feuer zu sein, an dem sie ihre Hände wärmte" schreibt er später. Eine glückliche Ehe, ein glückvoller Neubeginn - eine Weile sieht es so aus, als ob Raymond Chandlers Weg steil nach oben führe. Nach ein paar Gelegenheitsjobs und drei Jahren als Buchhalter gelingt es ihm, Vorstandsmitglied in einigen Ölkonzernen zu werden. Von da aus ist es nur noch ein Sprung zum Direktor einer dieser Gesellschaften. Doch dann kommt die Weltwirtschaftskrise und außerdem erweist sich der passionierte Schreiber als nicht sehr guter Geschäftsmann. Er wird als Direktor wegen Unfähigkeit und Erfolglosigkeit entlassen.

Wieder erfasst Chandler den Moment, das Richtige zu tun. Er schreibt Detektivgeschichten, bringt sie in der Groschenreihe "Black Mask" unter und kann davon leben. Cecily stirbt am 12. Dezember 1954 nach langem schweren Leiden, Chandler überlebt seine Frau um fünf Jahre. Als sie tot ist und der rüstige Sechsundsechziger nun gar keine Mutter mehr hat, trinkt er nur noch, begeht einen Selbstmordversuch, bis er dann doch noch einmal für drei knappe Jahre einen Dreh findet. Doch nur halb, denn immer wieder folgen Depressionen, der Alkohol zerstört ihn schließlich.

Chandler selbst bezeichnet sich als empfindsam und schüchtern. "Manchmal bin ich richtig bissig und kämpferisch - dann wieder sentimental". Der Mann, der sich selbst einen guten zweitklassigen Dichter nennt, wird einer der besten Kriminalautoren seiner Zeit, ein Klassiker gar. Nur sieben Romane hat er vollendet, "The Big Sleep" entsteht in drei Monaten, ein Erfolg ohnegleichen. Zwei weitere Romane "The High Window" und "Farwell, My Lovely" folgen 1942 und schlagen ein wie Bomben, dann ruft Hollywood. 1943 ist er Drehbuchautor bei Billy Wilder und schreibt mit ihm den Film "Frau ohne Gewissen" (Frau ohne Gewissen) nach James M. Cains Roman: "Die Arbeit war mörderisch, hat wahrscheinlich mein Leben verkürzt, aber ich habe viel gelernt ...".

Dann nimmt ihn "Paramount" unter Vertrag. Das Drehbuch zu "Die blaue Dahlie", das einzige Originalscript entsteht. George Marshall verfilmt es mit Alan Ladd und Veronica Lake. 1946 verlässt Chandler Los Angeles und zieht nach La Jolla, einem kleinen Ort, ebenfalls in Kalifornien. Später kehrt er noch einmal zurück, um "Verschwörung im Nordexpress" für Hitchcock zu schreiben. An die Arbeit mit Hitchcock hat er nicht nur gute Erinnerungen: "Die Story ist ziemlich albern und macht eine Menge Mühe ..." Diese alberne Geschichte ist einer der berühmtesten Kriminalromane von Patricia Highsmith und wird ein bedeutender Hitchcock-Film. Chandler spürt aber auch das Talent des großen Regisseurs: "Was mich an dem Mann fasziniert und amüsiert: er inszeniert seine Filme quasi im Kopf, bevor er weiß, um was es geht".

Chandler liebt die Filmmetropole nicht. Als er ihr den Rücken kehrt, weint er der Kinowelt keine Träne nach. "Eine Frage, auf die ich nie eine Antwort bekam: Warum wird bei der Gestaltung des Films immer soviel Energie aufgeboten um gerade Konflikte dieser Art ("Ein Fremder im Zug") zwischen oberflächlicher Glaubwürdigkeit und grundlegender Idiotie zu lösen? ... Oder ist das vielleicht der Preis dafür, dass ein Traum wie Wirklichkeit ausschaut?" und in seinem Aufsatz über seine Erfahrungen als "Schriftsteller in Hollywood" heißt es 1945: "Hollywood ist das Paradies der Effekthascher - Effekthascher sind nicht schöpferisch, sondern beuten andere aus. Doch diese Effekthascher kontrollieren die schöpferische Arbeit und damit degradieren sie sie. Denn die Kunst, das Fundament eines jeden Films, ist das Drehbuch, aber in Hollywood werden Drehbücher von angestellten Autoren unter der Aufsicht des Studiochefs geschrieben ... Solange dieses System existiert, hat die Kunst des Drehbuches keine Chance."

Psychiater werden es nicht als Zufall werten, dass Raymond Chandlers alter ego Philip Marlowe im nachgelassenen Romanfragment "The Poodle Springs Story" von 1959, sich mit einer reichen Frau, der Tochter des Dollar-Multimillionärs Harlan Potter in ein Prominentenviertel zurückzieht. Zwar ist er noch sarkastisch trocken, den neuen Reichtum wie lästigen Sand von seinem Jackett abstreifend, doch eben etabliert. Raymond Chandler selbst bleibt immer ein bisschen Philip Marlowe. Dieser etwas heruntergekommene Zyniker, als Bulle entlassen, intelligent und unbestechlich. Eine der Ausnahmen in der korrupten Umgebung, ausgestattet mit gesundem Menschenverstand, Cleverness, ja mit überdurchschnittlicher Begabung. Marlowe ist aber auch einer von denen, die nicht konkret den Winnern oder Loosern zuzurechnen sind. Ein Typ wie ihn Humphrey Bogart wohl am treffendsten charakterisiert hat - leider nur einmal in "Tote schlafen fest".

Bogart ist bis heute Identifikationsfigur für Philip Marlowe geblieben. Kurioserweise auch für Theaterkritiker, obwohl Bogart nur einmal Marlowe war. Und Chandler selbst schreibt in einem Brief an seinen Verleger-Freund Hamish Hamilton: "Bogart ist viel besser als jeder andere Darsteller für brutale Rollen. Wie wir hier sagen: Bogart kann auch ohne Waffe gefährlich sein. Er hat auch einen Humor, der einen schneidenden Unterton der Verachtung enthält... Wie Edward G. Robinson braucht er nur zu erscheinen und schon beherrscht er die Szene."

Raymond Chandler starb im Alter von 70 Jahren in Lo Jolla, Kalifornien.


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