Alfred Hitchcock

Perfektionist und ein Meister der Überraschung:
Alfred Hitchcock Vergrößern
Perfektionist und ein Meister der Überraschung: Alfred Hitchcock
Fotoquelle: Universal
Sir Alfred Hitchcock
Geboren: 13.08.1899 in London, England, Großbritannien
Sternzeichen: Löwe
Gestorben: 29.04.1980 in Los Angeles, Kalifornien, USA

August 1939: Johnny Jones alias Huntlely Haverstock, Auslandskorrespondent des New York Globe, wird in Amsterdam Zeuge eines Mordes. Ein holländischer Diplomat auf der Friedenskonferenz ist Opfer eines Anschlags. Es gelingt dem Amerikaner den (deutschen) Täter zu stellen, nicht ohne sich in dessen Tochter zu verlieben. Der Krieg bricht aus und Johnny wird hierbleiben. Vom Kriegschauplatz meldet er an die Redaktion: "In Europa gehen die Lichter aus, umgib Dich mit Stahl, Amerika!"

"Mord" (alter Titel: "Mord"), nach "Rebecca" (beide 1940) der zweite Hollywood-Film des Engländers Alfred Hitchcock, gehört zu den bestgemachten Arbeiten des Regisseurs, ist aber gleichfalls auch typisch dafür, wie bedenkenlos der Actionmeister mit politschen Themen umsprang. Ein anderer Fall: Im ausgehöhlten Picknickbrötchen steckt das Teleobjektiv, zwischen Wurstscheiben liegen die Kamerateile, doch unschuldige Vöglein, die bereits Titelfiguren eines visionär utopischen Thrillers waren, entlarven die CIA-Spitzel auf Kuba. Falsch wie der titelgebende "Topas" (1968) ist auch die Kubanerin Juanita. Schwankt sie in der Liebe zwischen dem Castro-treuen Rico Parra und dem smarten US-Agenten, so hasst sie trotz prunkvollem Landsitz und Bediensteten leidenschaftlich jene Leute, die "aus dem Land ein Gefängnis gemacht haben."

Alfred Hitchcock nutzte in seinen Filmen häufig aktuelle Geschehnisse als Folie für fiktive Spannungsgeschichten, auch Suspense-Thriller genannt. Dennoch waren - mit wenigen Ausnahmen - seine Filme stets dann am faszinierendsten, wenn sie sich von der Wirklichkeit am weitesten entfernten - wie "The Rope" von 1948, den die amerikanische Metro Goldwyn Mayer in einer abgeschwächten Dialogfassung erst spät als "Cocktail für eine Leiche" in unsere Kinos brachte: Zwei Harvard-Studenten begehen einen kühl kalkulierten Mord gemäß der Nazi-Ideologie vom unwerten Leben. In der Wohnung des ermordeten Gastgebers (er liegt tot in der Truhe) diskutieren sie mit ihrem Professor darüber, ob nicht einem überintelligenten Menschen die Tötung eines "Minderwertigen" zustehe. Auch hier nutzt Hitchcock die Wahnsinns-Ideologie nur als Spielmittel, entfernt sich völlig von der Realität und dreht einen Film in brillant faszinierender Form: die Kammerspielstory, die fast nur in einem einzigen Raum abläuft, ist Rolle für Rolle ohne Überblendung und Zwischenschnitte gedreht, die Kamera macht jede Bewegung der Personen mit.

Hitchcock war ein Meister der Überraschung, aber gleichzeitig Perfektionist. Genauigkeit, Sorgfalt waren seine obersten Gesetze und wenn in einem seiner Filme ein logischer Fehler auftaucht, so erweist er sich mit Sicherheit bald darauf als wohlkalkuliert. Ausgangspunkt ist meist ein unbescholtener, harmlos ehrbarer Bürger, der durch schicksalhafte Verwicklungen oder durch falsche Indizien in ein Verbrechen verwickelt wird, der in den Augen der Öffentlichkeit ein Mörder, ein Dieb, ein Verbrecher ist. Der Kinozuschauer ist meist der einzige, der weiß, dass der Gejagte unschuldig ist, und die nachfolgende Handlung des Films zeigt minutiös nach, wie es dem Unschuldigen gelingt, den Makel loszuwerden. Dabei gerät das Opfer nicht selten in ein Netz verwirrender und unlösbar erscheinender Verstrickungen.

Als Sohn eines puritanischen Kaufmanns besucht der junge Hitchcock ein Jesuitencollege, soll Ingenieur werden, findet aber schon frühzeitig in den britischen Filmstudios Arbeit. Hier schreibt und gestaltet er zunächst die Texttafel für Stummfilme, ist aber schon bald auch als Drehbuchautor tätig. 1925/26 ist er in den Studios der UFA und EMELKA in Berlin und München, wo er - wie er später sagt - nachhaltige Eindrücke gewinnt: "Wenn ich überhaupt von Filmleuten beeinflusst wurde, dann bei der UFA in München."

Sein Regiedebüt "Irrgarten der Leidenschaft" (1925) entsteht in Deutschland und Österreich. Mit "Der Mieter" (1926) gelingt ihm bereits ein Klassiker. Hier geht es um einen Mann, der mit Handschellen gefesselt, unschuldig verfolgt wird. Mit "Erpressung" dreht er 1929 den ersten englischen Tonfilm und viele unvergessene Suspense-Thriller folgen: u. a. "Nummer 17" (1931), die erste Fassung von "Der Mann, der zuviel wusste" (1934), "Die 39 Stufen" (1935) und "Geheimagent" (1935), "Sabotage" (1936) und "Eine Dame verschwindet" (1938).

Nach seiner ersten Daphne du Maurier-Verfilmung "Riff-Piraten" (1939) geht er nach Hollywood zu David O. Selznick, der gerade seinen Welterfolg "Vom Winde verweht" herausbringt. Seit dieser Zeit ist Alfred Hitchcock der große Hollywood-Regisseur, der mit Filmen wie "Verdacht" (1941), "Saboteure" (1942), "Ich kämpfe um dich" (1945) - hier arbeitet er mit dem extravaganten Künstler Salvador Dali zusammen -, "Berüchtigt" (1946), "Cocktail für eine Leiche" (1948), "Der Fremde im Zug" (1951, alter Titel: "Verschwörung im Nordexpress"), "Bei Anruf Mord" und "Das Fenster zum Hof" (beide 1954), "Über den Dächern von Nizza" und "Immer Ärger mit Harry" (beide 1955), der zweiten Fassung von "Der Mann, der zu viel wusste" (1956), "Vertigo" (1958), "Der unsichtbare Dritte" (1959), "Psycho" (1960), "Die Vögel" (1962) und "Marnie" (1964) Kinogeschichte schrieb.

Erst 1971 kommt Hitchcock für seinen Film "Frenzy" nach London zurück. Mit "Familiengrab" dreht er 1976 seinen letzten Film. Hitchcock ist wohl noch heute der einzige Regisseur, dessen Name quer durch alle Bevölkerungsschichten sich mit dem Kino verbindet. Man geht nicht in diesen oder jenen Film, man geht in einen "Hitchcock". Privat galt Hitchcock, der seiner nur einen Tag jüngeren Frau Alma immer treu blieb, als schadenfroher Charakter, der seinen Stars auch gerne schön 'mal üble Streiche spielte. Außerdem war es sein Markenzeichen, in all seinen Filmen mit Kurzauftritten zu glänzen. Eine Angewohnheit, die aus der Not geboren wurde: Da bereits in der Stummfilmzeit Statistenmangel herrschte, sprang Hitchcock häufig selbst ein.

Weitere Filme von Alfred Hitchcock: "Der Bergadler" (1925), "Downhill", "Easy Virtue", "Der Weltmeister", "The Farmer's Wife" (alle 1927), "Champagne", "The Manxman" (beide 1928), "Elstree Calling", "Juno And The Paycock", "Mord - Sir John greift ein!" (alle 1930), "Bis auf's Messer" (1931), "Endlich sind wir reich" (1932), "Waltzes From Vienna" (1933), "Jung und unschuldig" (1937), "Mr. und Mrs. Smith" (1941), "Im Schatten des Zweifels" (1942), "Das Rettungsboot" (1943), "Der Fall Paradin" (1947), "Sklavin des Herzens" (1949), "Die rote Lola" (1950), "Zum Schweigen verurteilt" (1953), "Der falsche Mann" (1956) und "Der zerrissene Vorhang" (1966).

Darüber hinaus inszenierte Hitchcock 17 Episoden der TV-Serie "Alfred Hitchcock präsentiert" (1955 - 1961), sowie jeweils eine Folge der Serien "Suspicion" (1957), "Fort Startime" (1960) und "Alfred Hitchcock Hour" (1962).


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