Richard Dindo

Lesermeinung
Biografie
Richard Dindo ist einer der wichtigsten europäischen Dokumentaristen. Dindo hat mit 20 Jahren die Heimat verlassen, die ihm "kein Vaterland war", doch immer wieder erzählt er Schweizer Geschichten und interessiert sich dabei vor allem für die Geschichte von Verlierern. Seine Filme sind nie bequem. Sie setzen sich mit den Toten, mit der Vergangenheit auseinander. Richard Dindo, Nachfahre italienischer Immigranten, aufgewachsen zwischen Fußballplätzen und Velo-Rennbahnen in Zürich-Nord, lebt heute in Zürich und Paris.

Ausschnitte aus Joris Ivens' "Spanische Erde" signalisieren die Verwandtschaft mit dem großen holländischen Weltbürger. "Schweizer im spanischen Bürgerkrieg" von 1973 dokumentiert die politisch-soziale Situation des Landes in den 30er Jahren. Schweizer, die auf Seiten der Republikaner gekämpft hatten, stehen vor der Kamera, erinnern sich vor allem an die nie mehr erreichte Solidarität. Der Film dokumentiert den Kampf der Anarchisten gegen Franco als proletarische Massenbewegung.

1982 entstand das Porträt des Schweizer Schauspielers und Regisseurs "Max Haufler - Der Stumme" (1982). Drei Wochen nach dem 55. Geburtstag hatte Haufler seinem Leben ein Ende gesetzt. Aus Leidenschaft zum Film, zur Regie, hatte der vielseitige Künstler schon früh das Malen aufgegeben, doch seine Filmkarriere blieb glücklos. Nur dreimal, 1938, 1941 und 1942 konnte er selbst einen Film realisieren, die übrige Zeit verbrachte er meist widerwillig als Schauspieler.

Wie in allen seinen Filmen wird es für Dindo die Suche nach dem eigenen Ich, dem Begreifen der eigenen Identität, eine Spurensuche. Die Suche nach einem Vergessenen wird zu einem Stück Geschichte des Landes.

Gemeinsam mit Niklaus Meienberg entstand der Film "Die Erschießung des Landesverräters Ernst S." (1975) Der Stoff stammt aus Meienbergs Buch "Reportagen aus der Schweiz". Ein unbequemer Film, in dem man (ähnlich wie in Malles "Lacombe Lucien") sieht, wie einer, der durch seine Abstammung und durch die Art, wie man mit ihm umgeht, in Kollaborationen mit den Nazis gerät. Dindo zeigt, wie kleinbürgerlich konservatives Denken zum Komplizen des Faschismus wird.

Auch Max Frisch gehörte zu den Menschen, die außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft standen. Dindo nennt seinen Film "Max Frisch, Journal I - III" (1981), der nicht den Anspruch erhebt, den Dichter zu porträtieren. Für Dindo wie für Frisch ist die Kunst "Beschäftigung mit der Erinnerung", für den einen ist es das Filmen, für den anderen das Schreiben.

1994 entstand der Dokumentarfilm "Ernesto 'Che' Guevara", ein respektvolles, berührendes Porträt des berühmten Revolutionärs, dass der Regisseur nach den Tagebüchern Che Guevaras inszenierte.  

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