Sam Peckinpah

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Vom Hoffnungsträger zum Außenseiter: Regisseur Sam Peckinpah
David Samuel Peckinpah
Geboren: 21.02.1925 in Fresno, Madera County, Kalifornien, USA
Gestorben: 28.12.1984 in Inglewood, Kalifornien, USA

Er starb 58-jährig an Herzversagen in einem kalifornischen Krankenhaus, da hatte er bereits längst resigniert. Nach Jahrzehnte langem Kampf um die Authentizität seiner Filme (es gab nur wenige, die so ins Kino kamen, wie sie gemacht waren), war er der Gewalt, die er in seinen besten Arbeiten denunziert hatte, selbst verfallen, etwa in den Filmen wie "Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia" (1974), "Steiner - Das Eiserne Kreuz" (1976) oder "Das Osterman Weekend" (1983).

Sam Peckinpah war immer ein Nonkonformist und Einzelkämpfer wie Samuel Fuller und Don Siegel. Er vertraute nur auf sich selbst und seine unbändige Kraft "und auf das Urteil von Kindern, denn sie kennen weder Gut noch Böse und verlassen sich auf ihren Instinkt", wie er einmal sagte. Sein visuelles Gespür, seine psychologisch prägnant gezeichneten Figuren und auch sein sarkastischer Humor machten ihn zum Vorbild der nachfolgenden Generation von Filmemachern, von Walter Hill bis Quentin Tarantino.

Whisky und Sarkasmus waren seine ständigen Begleiter. "Wenn ich mich selbst übers Ohr haue, dann bleibt es in der Familie." Er wollte Action-Filme drehen, keine Message-Produkte. Dennoch sagte er, als er in "The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz" (1969) geballte Energie gegen Willkür und Gewalt setzte: "Amerika verschließt seine Augen vor dem Hunger und der Gewalt, man muss diesem Amerika die Augen öffnen!" Daran gerade versuchte man ihn immer wieder zu hindern.

Als Sohn eines Richters war David Samuel Peckinpah in einem kleinen Nest in Südkalifornien geboren. Sein Großvater Dever Church hatte ihn geprägt, seine Großmutter großgezogen. Denver Church war ein seltsames Faktotum, der Sohn eines weißen Siedlers und einer Mescalero-Squaw. Er war Rancher, Richter und Waffenhändler, irgendwann auch einmal Kongressabgeordneter, der 1868 einen Berg kaufte, den er Mount Peckinpah nannte. Das wurde auch zum Namen der Familie. Der Großvater wollte aus Sam einen Richter machen, doch er studierte Dramaturgie und machte in der University of Southern California den "Master of Dramatic Arts".

Hollywood hatte den Jungen fasziniert und auch den Absolventen der Hochschule. In verschiedenen Filmateliers nahm er Jobs an, arbeitete am Theater, dann lernte er Don Siegel kennen, für den er die endgültige Drehbuchfassung des späteren Kultfilms "Die Dämonischen" schrieb. Siegel war neben John Ford der einzige Amerikaner unter den Filmemachern, die er schätzte: "Es gibt in Japan einen Akira Kurosawa, der 'Rashomon' gedreht hat, in Italien einen Federico Fellini und den Film 'La Strada - Das Lied der Straße', in Frankreich einen Mann - ich weiß nicht wie er heißt - 'Verbotene Spiele', der eine Geschichte von Kindern und von Krieg gemacht hat (Peckinpah meinte René Clement, Anm d. Red.). Nimmt man noch John Ford und Don Siegel dazu, dann reicht es ja auch schon."

Zu Peckinpahs Fernseherfolgen gehört die Serie "The Rifleman" - bei uns "Westlich von Santa Fé" -, die er selbst konzipiert hatte und bis zum Krach mit seinem Freund Arnold Laven auch selbst inszenierte. Dann warf er die ganze Sache hin. Eine der besten Western-Serien, ebenfalls von Peckinpah initiiert "The Westerner" wurde wegen des Realismus im amerikanischen Fernsehen nicht ausgestrahlt.

Dennoch, der Erfolg im Fernsehen verhalf ihm zu den ersten Kinoaufträgen: 1961 entstanden "Gefährten des Todes" und "Sacramento", das eine ein Flop, das andere bis heute ein Publikumshit und Kultfilm, beides bedeutende Filme im Werk des Regisseurs. Dann begann die Odyssee des Regisseurs Sam Peckinpah.

"Die wohl schmerzlichste Erfahrung in meiner Karriere machte ich mit "Major Dundee" (Sierra Chariba) 1964. Es war wie die anderen Filme eine Auftragsproduktion, aber das Ganze war inzwischen zu einer eigenen Geschichte geworden. Ich habe etwas übrig für zwielichtige Helden. Major Dundee, der seinen Freund den eigenen ehrgeizigen Zielen opfert, ist ein unglücklicher, krankhaft gestörter Mann, für den man zwar nicht Sympathie, aber Mitgefühl empfinden kann... Als Jerry Bresler dann zugeschlagen und den Film verstümmelt und zu Stücken zerfetzt hatte, da war ich so in die Sache reingebissen, dass es mir fast einen Schock versetzte."

Als Peckinpah sich wehrte, geriet er alsbald auf die imaginäre schwarze Liste, er bekam keine Aufträge. Ein Drehbuch, "Glory Guys" ("Die glorreichen Reiter") gab man ausgerechnet seinem ehemaligen Freund Arnold Laven. Man hatte das Drehbuch von Ring Lardner (eines der McCarthy-Opfer) und Peckinpah angenommen und Peckinpah begann mit den Dreharbeiten zu dem Schwarzweiß-Film "Cincinnati Kid", doch nach wenigen Wochen brach man die Geschichte ab, ließ das Buch umschreiben, änderte die Besetzung und Norman Jewison drehte einen Farbfilm, der nichts mehr mit Peckinpahs Intentionen zu tun hatte.

Die Revolutionsstory "Villa Rides" hatte man ihm abgeschwindelt. Die Produtionsfirma hatte ihn immer wieder hingehalten, es kam nicht zu einem Vertrag, dennoch wurde der Film gemacht. Nur in Rudimenten ist das, was Buzz Kulick inszenierte, noch Peckinpahs Story. "Pancho Villa reitet", die Geschichte aus der Zeit der mexikanischen Revolution sollte auf die Verhältnisse in Lateinamerika projeziert werden. Peckinpah wollte für die Rolle Cubas Verständnis gewinnen, doch was heraus kam, war ein Durchschnittsfilm in üblicher Action-Manier, zugleich ein harmlos angepasster Film ohne Skepsis gegenüber den USA.

1969, fünf Jahre nach Peckinpahs letzter Regie-Arbeit, gab es dann wieder Gespräche mit der Warner. Peckinpah hatte "Abgerechnet wird zum Schluß" vorgeschlagen. Produzent Phil Feldman war davon angetan und ließ Peckinpah gemeinsam mit Walon Green das Drehbuch für "The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz" schreiben. Peckinpah drehte den Film, er wurde ein Stück Filmgeschichte, ein intensiver Kinoklassiker über Gewalt und Gegengewalt, eine kritische Untersuchung über die Verwandlung von Menschen in Mythen. Wieder ein Film über die Outlaws, Misfits, Born Looser: "Wenn ich darüber nachdenke, was mit mir in Hollywood so passiert ist, wünsche ich mir, ich wäre ein bisschen wie meine Helden."

Am Ende, wenn in "The Wild Bunch" die meisten an ihrer eigenen Gewalt zugrunde gegangen sind, bleibt der Outlaw Pike Bishop lächelnd am Wegrand sitzen. "It ain`t like it used to be, but it`s better'n'nothing" (Es ist nicht mehr so wie es mal war, aber besser als gar nichts) sagt er und schließt sich den Leuten Pancho Villas an, in "The Wild Bunch" konnte Peckinpah noch etwas von seinen Träumen verwirklichen.

"Abgerechnet wird zum Schluß" (1970) nannte Peckinpah neben "Sierra Chariba" und "Junior Bonner" (1971) eines seiner Lieblingsprojekte, und in der Tat war die Geschichte von der alten Wüstenratte Cable, den seine Begleiter ausgeraubt und in der Wüste ausgesetzt hatten, wo er - völlig verdurstet - über eine Wasserquelle stolperte, ein ebenso hintergründiger wie poetich schöner Film, eine Liebesgeschichte und ein Abgesang auf den alten wilden Westen: Cable Hogue, ein Relikt aus den alten Zeiten wird am Ende von einem Straßenkreuzer überrollt und haucht in den Armen seiner schönen Freundin Hildy sein Leben aus.

Auch in "Junior Bonner" ist nicht mehr viel übrig vom Image des klassischen Western. Zwar siegt Rodeo-Reiter Junior noch einmal, aber nur, damit sein alter Vater seinen Traum von Australien verwirklichen kann. Auch Junior Bonner ist wie Cable Hogue ein anachronistischer Held. 1973 noch einmal ein Versuch, den alten Western neu zu sehen: Nach einem Drehbuch von Rudolph Wurlitzer, Historiker und Drehbuchautor, drehte Peckinpah für Gordon Carrol "Pat Garrett jagt Billy the Kid", doch die Produktionsfirma schneidet den Film völlig um, zerstört den Rhythmus, verändert die Tendenz.

Peckinpah ist am Ende, er hat es aufgegeben zu kämpfen. "Meine besten Filme" sagt er 1976 in Jugoslawien, "haben Produzenten fertig gemacht", die zynische Doppeldeutigkeit entspricht der Stimmung des Mannes, der für gute Dollars einen Film dreht, der zwar noch seinen Stil erkennen lässt, doch der im Grunde mit David Samuel Peckinpah nichts mehr zu tun hat - "Steiner - Das eiserne Kreuz" hatte längst nichts mehr von jenen analytisch kritischen Filmen, die man, wenn man an Peckinpah denkt, in Erinnerung behalten möchte. Er war einer der großen Amerikaner, und er war nur scheinbar ein Fels aus dem Mount Peckinpah. Einige seiner besten Kräfte hat Hollywood fertig gemacht - könnte man in Abwandlung der Peckinpahs Zitats sagen.

Weitere Filme von Sam Peckinpah: "Wer Gewalt sät" (1971), "Getaway" (1972), "Die Killer-Elite" (1975) und "Convoy" (1978).


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