"Lust auf den neuen Film von Richard Linklater?" – "Welchen von beiden?", müsste man zurückfragen. Vor knapp zwei Wochen erst startete Linklaters "Nouvelle Vague" in den deutschen Kinos, eine stilvolle Schwarz-Weiß-Hommage an die titelgebende französische Filmemacher-Bewegung und speziell an Jean-Luc Godards 1960er-Meisterwerk "Außer Atem". Jetzt reist Richard Linklater noch ein paar Jahre weiter zurück, wieder mit einem speziellen Blick auf die Kulturszene: "Blue Moon" erzählt vom Niedergang des berühmten Broadway-Texters Lorenz Hart.
Lorenz Hart (stark verändert mit Halbglatze: Ethan Hawke) und Richard Rodgers (Andrew Scott) bildeten über 20 Jahre ein erfolgreiches Songschreiber-Duo am Broadway, mit 28 Musicals und über 500 Liedern, von denen viele auch knapp hundert Jahre später noch nachklingen. "My Funny Valentine" etwa, "The Lady Is A Tramp" und "Blue Moon". Aber die Zeit von Rodgers & Hart ist vorbei. Als Richard Linklater mit seiner Tragikomödie in die Geschichte einsteigt, am 31. März 1943 im New Yorker Restaurant Sardi's, beginnt mit Rodgers & Hammerstein eine neue Ära, und für Lorenz Hart geht es irgendwie nur noch bergab. Probleme mit der Karriere, mit der Liebe, mit dem Alkohol – in dieser einen Nacht kommt viel zusammen.
Also, "Nouvelle Vague" oder "Blue Moon"? Wer Kino-Unterhaltung mit feinem Schliff schätzt, ist wohl in beiden neuen Linklater-Filmen gut aufgehoben. "Nouvelle Vague" wurde in Frankreich mit vier Césars ausgezeichnet (unter anderem für die beste Regie), in der internationalen Filmszene fand aber auch "Blue Moon" großen Anklang. Die irisch-amerikanische Koproduktion gewann bereits zahlreiche Preise und wurde zuletzt auch mit zwei Oscar-Nominierungen für Hauptdarsteller Ethan Hawke und Drehbuchautor Robert Kaplow gewürdigt.