Nürnberg im Jahr 1945. Die Trümmer des Krieges dominieren das Bild, die Aufarbeitung des von Adolf Hitler heraufbeschworenen Schreckens hat gerade erst begonnen. Russland, Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten bereiten einen gigantischen Prozess vor, um die verbliebenen Naziverbrecher ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Es gibt keine Anleitung, wie man so einen Prozess aufbaut, aber er soll doch möglichst gut vorbereitet sein. So kommt es auch zur Begegnung von Hermann Göring (Russell Crowe), dem ehemaligen Reichstagspräsidenten und Reichsluftfahrtminister, und Gefängnispsychiater Douglas M. Kelley (Rami Malek).
Was sind das für Menschen, die Hitler folgend die ganze Welt ins Chaos stürzten? Und wer von ihnen trägt konkret welche Schuld? Douglas Kelley soll bei der Einschätzung helfen und in Nürnberg die Psyche mehrerer Angeklagter durchleuchten. Darunter auch Hermann Göring. In der intensiven Auseinandersetzung mit dem ehemaligen Reichsmarschall blickt Kelley in tiefe Abgründe. Zwischen die Abscheu mischt sich aber auch eine gewisse Faszination für den charismatischen und hochintelligenten Göring.
24 Menschen saßen seinerzeit bei den Nürnberger Prozessen auf der Anklagebank. Dass in "Nürnberg" ausgerechnet Göring so sehr in den Fokus rückt, hat vor allem mit den hier zugrundeliegenden Quellen zu tun. Der Sohn von Douglas Kelley übergab vor einigen Jahren diverse persönliche Aufzeichnungen des Psychiaters an den Journalisten Jack E-Hai, der darauf basierend das (teils spekulative) Sachbuch "Der Nazi und der Psychiater" verfasste. In die filmische Form wurde der Stoff schließlich von Regisseur und Autor James Vanderbilt überführt, der sich in der Vergangenheit unter anderem durch seine Mitarbeit bei "Zodiac – Die Spur des Killers" sowie bei mehreren "Scream"-Filmen einen Namen machte. Bemerkenswerte Randnotiz: In den USA startete "Nürnberg" schon vor einem halben Jahr in den Kinos.