Geschichten für die breite Masse: kann Richard Linklater. Man denke etwa an die Heavy-Metal-Komödie "School of Rock" (2003) mit Jack Black, die bis heute Kultstatus genießt. Als Filmemacher glänzte Linklater in der Vergangenheit aber vor allem dann, wenn er sich an etwas speziellere Stoffe wagte. So wie etwa die visuell einzigartige Science-Fiction-Dystopie "A Scanner Darkly" (2006) oder das Langzeitprojekt "Boyhood", das über einen Zeitraum von zwölf Jahren entstand. Das Werk, das jetzt in den Kinos startet, gehört wohl auch eher zu Linklaters "spezielleren" (weil nerdigeren) Produktionen – und nach Meinung der allermeisten Kritiker zu seinen besten.
Richard Linklater hat diesmal einen Film über einen Film gedreht, könnte man sagen. Aber nicht irgendeinen Film, sondern einen, der stellvertretend für die titelgebende "Nouvelle Vague" steht und damit für eine echte Kino-Revolution. Und die Figuren in diesem Film haben große Namen: Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, François Truffaut, Juliette Gréco, Claude Chabrol, Jean Cocteau, Roberto Rossellini, Jean-Luc Godard. Vor allem Letzterer, verkörpert von Guillaume Marbeck, steht im Fokus.
Mit "Nouvelle Vague" taucht Richard Linklater tief ein in die französische Künstlerszene der späten 50er-Jahre – eine Zeit, als sich viele Bereiche des Kulturbetriebs grundlegend wandeln und dabei insbesondere auch der Film. Der junge Regisseur Jean-Luc Godard arbeitet gerade an der Verwirklichung seines ersten eigenen Films. Viel Geld hat er nicht, aber eine Vision. Am Ende wird er mit "Außer Atem" einen der bedeutendsten Kinofilme aller Zeiten drehen. Als große Kinokunst wird indes auch Richard Linklaters lässig-charmanter Schwarzweiß-Blick auf die Entstehung dieses Meisterwerks gefeiert. Bei der Verleihung der Césars 2026 gewann "Nouvelle Vague" vier der begehrten Auszeichnungen (unter anderem auch die für die beste Regie).