Das gemeinsame Sorgerecht, wie es in Deutschland nach dem Ende einer Ehe üblich ist, tritt in Japan nach einer gesetzlichen Neuregelung erst ab April 2026 in Kraft. Im Fall einer Scheidung erhielt dort bislang stets nur ein Elternteil das Recht, sich um das Kind aus der Beziehung zu kümmern. Diese strikte Auslegung bildet die Grundlage von Guillaume Senez' Drama "A Missing Part", das bereits 2024 seine Weltpremiere auf dem Filmfest von Toronto feierte.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der frühere Chefkoch Jérôme (Roman Duris), der inzwischen als Taxifahrer in Tokio arbeitet. Jeden Tag hält er auf den Straßen der Metropole Ausschau nach seiner Tochter Lily, die er seit der Trennung von seiner Ex-Frau Keiko (Yumi Narita) vor neun Jahren nicht mehr gesehen hat. In der Megacity scheint Jérômes Suche jedoch hoffnungslos zu sein.
Gerade als er sein Unterfangen abbrechen und nach Frankreich zurückkehren will, kommt es zu einer wegweisenden Begegnung. In sein Taxi steigt ein Mädchen (Mei Cirne-Masuki), das an Krücken geht und fortan öfters zur Schule gebracht werden muss. Gleich ist er sich sicher, seine Tochter vor sich zu haben. Und so versucht er, bei ihren gemeinsamen Fahrten vorsichtig eine Beziehung aufzubauen. Seine Identität behält Jérôme allerdings vorerst für sich.