"Wie viele großformatige Geschichten über männliche Ikonen haben wir schon gesehen, wie viele Geschichten, wieder und wieder und wieder", klagte Regisseurin und Autorin Mona Fastvold im Spätsommer 2025 bei den Filmfestspielen in Venedig. "Können wir nicht auch mal so eine Geschichte über eine Frau sehen?" Genau so eine Geschichte bringt die Norwegerin nun in Zusammenarbeit mit ihrem Lebenspartner und Co-Autor Brady Corbet selbst auf die Leinwand.
Frauen, die "Geschichte schrieben" und zu Ikonen wurden – je weiter man in der lange von Männern dominierten Geschichtsschreibung zurückblickt, desto schwerer sind sie zu finden. Die Frau, die Mona Fastvold in den Blick nimmt, kam 1736 als Tochter eines Grobschmieds im britischen Manchester zur Welt. Ihr wurden kein Reichtum und kein großer Name in die Wiege gelegt, und doch erlangte Ann Lee weltweite Bekanntheit: als Gründerin der "Shaker"-Bewegung, einer Sekte, die für ihre wilden Tänze und Gesänge bekannt war (deshalb auch der Name "Shaker") und von einer neuen, besseren Welt träumte.
Im Film von Mona Fastvold, der das Leben und Wirken von Ann Lee als "epische Fabel" in Musical-Drama-Form nacherzählt, wird die Titelheldin von Amanda Seyfried ("Mamma Mia!", "Mank") verkörpert. Mehrere Kritikerinnen und Kritiker attestierten Seyfried zuletzt schon die beste Schauspiel-Leistung ihrer bisherigen Karriere. Unter anderem war die US-Amerikanerin mit ihrer Darbietung als Ann Lee, die von ihrer Anhängerschaft im Film als "weiblicher Christus" verehrt wird, auch für einen Golden Globe in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin (Komödie oder Musical)" nominiert.