Eine Mutter outet sich als lesbisch und geht eine Beziehung mit einer anderen Frau ein. Sollte man ihr nun das Kind wegnehmen? Wir leben in Zeiten und Breitengraden, in denen inzwischen viele Menschen die Meinung vertreten würden: nein, nicht wegnehmen. Wenn man entsprechende Online-Diskussionen verfolgt, findet man aber nach wie vor auch genau entgegengesetzte Kommentare nach dem Motto: Ein lesbisches Paar (oder, noch schwieriger, ein schwules Paar) bietet nicht das richtige Umfeld für ein Kind. Es ist in jedem Fall ein heikles Thema, das Anna Cazenave Cambet in ihrem neuen Film "Love Me Tender" aufgreift.
Das Recht auf individuelle Entfaltung und die Erwartungen, die an eine Mutter gestellt werden: Auch in modernen westlichen Kulturen können diese beiden Dinge je nach Lebensstil noch weit auseinanderliegen. Welche Lösungen, welche Kompromisse kann man finden in einer Situation, in der man sie zwingend finden muss? Das lotet die französische Regisseurin und Drehbuchautorin Anna Cazenave Cambet, die 2016 schon für ihren ersten Kurzfilm "Gabber Lover" mit der "Queer Palm" in Cannes ausgezeichnet wurde, in einem Drama mit Top-Besetzung aus. Als Vorlage für "Love Me Tender" diente der gleichnamige Roman von Constance Debré.
Clémence (für den Europäischen Filmpreis als beste Schauspielerin nominiert: Vicky Krieps) ist eine ehemalige Anwältin, die gerne Schriftstellerin werden möchte. Sie hat den achtjährigen Sohn Paul (Viggo Ferreira-Redier). Und sie hat festgestellt, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. Sahra (Monia Chokri) hat es ihr sehr angetan, die beiden starten eine Beziehung. Aber damit beginnt für Clémence auch ein großer Kampf. Als ihr Ex-Mann Laurent (Antoine Reinartz) von der homosexuellen Partnerschaft erfährt, zieht er vor Gericht, um Clémence das Sorgerecht für Paul entziehen zu lassen.